Moskau - "Kosmos-1818" stammt noch aus den Zeiten der Sowjetunion: Im Februar 1987 wurde der Satellit in eine rund 800 Kilometer hohe Umlaufbahn geschossen. Zum Glück, wie sich jetzt herausstellt, fliegt er nicht tiefer - denn der Flugkörper mit einer Atombatterie an Bord ist seit Monaten dabei, sich langsam zu zerlegen.
Die US-Weltraumbehörde Nasa hat das Spektakel in der Januarausgabe ihrer "Orbital Debris Quarterly News" publik gemacht. Demnach haben Beobachter auf der Erde erstmals im Juli 2008 bemerkt, dass der Satellit kleine Teile verliert. Inzwischen werde er auf seiner Umlaufbahn von einer veritablen Trümmerwolke begleitet.
Nach Angaben russischer Behörden stellt der marode Orbiter weder für die Internationale Raumstation ISS noch für Menschen auf der Erde eine Gefahr dar. General Alexander Jakuschin, Stabschef der russischen Weltraumstreitkräfte, sagte am Mittwoch in Moskau, die Fragmente seien aber auf einer Umlaufbahn weit über der ISS verblieben. Sie stellten auch keine radioaktive Gefährdung der Erde da.
"Kosmos-1818" und sein Schwestersatellit "Kosmos-1867" sollten per Radar die Bewegungen von zivilen und militärischen Schiffen erfassen. Zugleich sollten mit ihrer Hilfe sogenannte thermionische Konverter im Orbit erprobt werden. Sie nutzen die Glühemission von Elektronen zur Energiegewinnung.
Eine solche Stromversorgung war weiter fortgeschritten als die einfachen Radioisotopen-Generatoren früherer Sowjet-Satelliten. Einer von ihnen, "Kosmos-954", erreichte wegen einer Panne nicht die geplante Höhe, stürzte im Januar 1978 über Kanada ab und verteilte seine radioaktive Last über ein weites Gebiet. "Kosmos-1818" und "Kosmos-1867" flogen dann, anders als die älteren Radarsatelliten, auf viel höheren Umlaufbahnen.
Wie der Online-Dienst Space.com berichtet, haben die Generatoren an Bord der beiden Satelliten nach russischen Angaben fünf bzw. elf Monate gearbeitet. Anschließend hätten sie zwei Jahrzehnte lang ohne Zwischenfälle die Erde umkreist - bis "Kosmos-1818" ein Leck bekommen hat.
Die Nasa vermutet, dass es sich bei den Teilen, die den Satelliten umschweben, um metallische Kugeln handeln könnte. Möglicherweise habe ein Kühlmittelbehälter die Temperaturbelastung durch den Wechsel zwischen Sonnenlicht und Schatten nicht mehr ausgehalten, sei gerissen und habe Kühlmittel aus Kalium und Natrium freigesetzt. Alternativ könnte auch ein kleiner Partikel den Satelliten mit hoher Geschwindigkeit getroffen und ein Loch geschlagen haben.
mbe/AP
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