Bislang hat die Suche nach Leben außerhalb der Erde keine Ergebnisse zu Tage gefördert - und so kann sich die Menschheit möglichen kosmischen Brüdern und Schwestern nur mit Hilfe der Phantasie nähern. Es geht um keine geringere Aufgabe als Darwins Leistung noch einmal zu erbringen - diesmal allerdings im kosmischen Maßstab. Neben Affen bekäme der Mensch nun also auch noch Aliens als Verwandte.
Gut drei Jahre lang sind die possierlichen Kreaturen von Conway-Morris, Usherwood und Kollegen als Stars der Ausstellung "The Science of Aliens" schon durch die Metropolen der Welt gezogen. Und während die Besucher an einem futuristischen Ausstellungstisch Schlammbeutler, Schluckschweine und Co. näher kennenlernten, machten Wissenschaftler im April eine aufregende Entdeckung: In 20,5 Lichtjahren Entfernung von der Erde konnten sie einen höchst interessanten Exoplaneten nachweisen: Gliese 581c kreiste um einen sogenannten Roten Zwerg - und sah, soweit man das aus den vorliegenden Daten interpretieren konnte, dem Modellplaneten "Aurelia" verblüffend ähnlich.
Die Zeitungen fabulierten sofort munter daher: Die enorme Schwerkraft der vermeintlichen zweiten Erde würde zum Beispiel bei Tieren eher stämmige Säulenbeine als Sprungbeine wahrscheinlich machen, hieß es. Und weiter war zu lesen, dass Vögel auf Gliese 581c eher mickrig sein dürften. Doch wenig später brachte ein Gutachten des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) Ernüchterung: Auf dem neu entdeckten Himmelskörper sei es ohnehin zu warm für die Entwicklung von Leben, erklärten die Forscher.
Zahlreiche Planeten außerhalb unseres Sonnensystems sind bereits entdeckt worden. Doch längst nicht alle dieser Exoplaneten sind für die Lebenssucher gleich interessant. Die Fahndung konzentriert sich auf die sogenannte bewohnbare Zone um einen Stern, wo Wasser in flüssiger Form existieren würde. Der Abstand zum Zentralgestirn ist für diese Frage ebenso wichtig wie die Beschaffenheit von Planetenoberfläche und Atmosphäre. Außerdem darf das Zentralgestirn nicht zu kurzlebig sein, damit das Leben genug Zeit zur Entwicklung hätte. Der US-Astronom Frank Drake vermutet, dass es allein in unserer Milchstraße 10.000 Planeten mit intelligentem Leben geben könnte. Und es gibt Milliarden weiterer Galaxien.
Die Astrobiologen suchen nach Dingen, die sie von der Erde schon kennen. "Es gibt nur die Suche nach kohlenstoffbasierten Lebensformen", sagt Michel Viso. "Niemand sucht ernsthaft nach etwas anderem." Forscher Conway-Morris sieht das ähnlich, will aber auch alternative Lebensformen nicht ausschließen. Sie könnten etwa in Kohlenwasserstoffozeanen auf fernen Planeten hausen und mit einem langsam ablaufenden Stoffwechsel ausgestattet sein: "Wir sind Wissenschaftler, wir sollten immer offen für Unerwartetes sein."
Auf die Frage, wo genau er außerirdisches Leben erwartet, hat der Brite nur eine ernüchternde Antwort: "Sehr, sehr weit entfernt von unserem Sonnensystem."
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