Teleskop "Hubble"
"Atlantis" zum Reparatur-Abenteuer gestartet
Die Reise ist riskant und spannend: Mit fünf Monaten Verspätung ist die Raumfähre "Atlantis" zu einer elftägigen Mission aufgebrochen. Die sieben Astronauten sollen das Weltraum-Teleskop "Hubble" reparieren und technisch aufmöbeln. Auch Außeneinsätze sind geplant.
Berlin/Cape Canaveral - Kurz nach 20 Uhr MESZ war es am Montag Abend so weit: Mit mehrmonatiger Verspätung ist die US-Raumfähre "Atlantis" am Montag zur fünften und letzten Sercive-Mission zum Weltraumteleskop "Hubble" gestartet. Der Shuttle hob um 20.02 Uhr deutscher Zeit vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida) ab, teilte die Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa mit. Die Rückkehr ist für den 22. Mai vorgesehen.
AFP
"Atlantis": Reibungsloser Start in Cape Canaveral
Ziel ist es,
das Observatorium so gut in Schuss zu bringen , dass es mindestens bis zum Jahr 2014 einsatzfähig bleibt. Und die Astronomen sind mehr denn je begeistert: Hat das 1990 ins All geschickte Teleskop bereits in den vergangenen Jahren immer wieder spektakuläre Bilder zur Erde gesendet, soll sein Blick ins Universum nun mit einer neuen Kamera noch weiter reichen und schärfer werden. Insgesamt erhofft sich die Nasa von der Mission, dass "Hubbles" Effektivität um das 90-fache gesteigert wird.
In Cape Canaveral steht für den Notfall auch eine zweite Raumfähre bereit: Sollte etwas dramatisch schiefgehen und die "Atlantis"-Crew im All stranden, würde die "Endeavour" losgeschickt, um die Astronauten mit einem Greifarm an Bord zu holen. Zumindest beim Start lief aber alles reibungslos.
Richtig spannend wird es nun an diesem Mittwoch: Dann soll der Shuttle-Roboterarm das 13 Meter lange und elf Tonnen schwere Observatorium "einfangen" und in die Ladebucht der Raumfähre hieven. Danach geht es dann Schlag auf Schlag: Von Donnerstag bis Montag stehen täglich sechseinhalbstündige Astronauten-Außeneinsätze an.
Bereits beim ersten Ausstieg soll die neue "Wide Field Camera 3" installiert werden, die noch weiter in die Frühzeit des Universums schauen kann. "Hubble" wird auch einen neuen Computer, mehrere neue Apparate zur exakten Ausrichtung des Teleskops und frische Batterien erhalten. Darüber hinaus sind Kamera-Reparaturen und die Einrichtung eines "Cosmic Origins Spectrographs" geplant, der neue Blicke auf schwach glimmende kosmische Objekte im Bereich der ultravioletten (UV) Strahlung ermöglichen soll.
"Hubbles" bewegte Geschichte
An Bord der Raumfähre "Discovery" wird "Hubble" ins All geschossen. Benannt ist das Teleskop nach dem 1953 gestorbenen US-Astronomen Edwin Hubble.
"Hubble" sorgt zunächst für eine große Enttäuschung. Das Gerät liefert nur unscharfe Bilder. Der Hauptspiegel des Teleskopes war defekt. Durch einen falsch geschliffenen Messstab kam es zu einer Abweichung von 1,3 Millimetern - für optische Präzisionsgeräte fatal. Der Fehler verhinderte die Fokussierung, so dass die lang ersehnten Bilder aus dem All zunächst völlig nutzlos waren. John Campbell, Chef des Flug-Direktoriums, erinnerte sich später: "Die Häme ging so weit, dass man damals nicht zugab, Mitarbeiter der Hubble-Mission zu sein."
Die Reparaturarbeiten beginnen. Astronauten der Raumfähre "Endeavour" installieren Linsen, die "Hubbles" Sehschwäche korrigieren. Fünf Tage lang reparierte die Besatzung und verhinderte so, dass der sehschwache Krüppel zum Milliarden-Flop wurde. US-Astronom Edwin Turner nannte die Mission damals "ein gewaltiges Vabanquespiel".
"Hubble" liefert sensationelle Bilder aus dem sogenannten Adlernebel. Nie zuvor gab es so genaue Einblicke in die Geburt von Sternen.
Drei weitere Instandsetzungsmission finden statt.
Die fünfte und letzte geplante Instandsetzungsmission wird nach der Explosion der "Columbia" abgesagt. Das "Hubble"-Projekt wird ausgesetzt.
Die NASA nimmt das Projekt wieder auf und plant zunächst eine Roboter-Mission, um "Hubble" auf den neuesten Stand zu bringen.
"Hubble" fällt aus und sendet vorübergehend keine Bilder. Durch den Ausfall verzögert sich der letzte Flug zu dem Teleskop um sieben Monate.
Die lange umstrittene Reparatur von "Hubble" wird im Mai endlich durchgeführt. Astronauten der Raumfähre "Atlantis" ersetzen kaputte Teile und rüsten das Teleskop auf. Die Operation war ein voller Erfolg:
Im September veröffentlichen Astronomen die ersten Fotos nach der Reparatur - sie sind spekakulär.
Mit einem Sturz in den Pazifik soll die Geschichte des "Hubble"-Teleskops enden.
Am 19. Mai sollen die Astronauten "Hubble" wieder ins All aussetzen und am 22. Mai mit der Raumfähre nach Cape Canaveral zurückkehren.
als/dpa/ddp
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