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18.06.2009
 

Geringe Sonnenaktivität

Trödelnde Strömung verlängert derzeitige Ruhephase

US-Astronomen haben entdeckt, warum es im Moment nur so wenige Sonnenflecken gibt und die magnetische Aktivität der Sonne allgemein extrem niedrig ist: Eine Strömung tief im Inneren des Gestirns bewegt sich langsamer als gewöhnlich voran.

Boulder - Elf Jahre dauert der Sonnenzyklus normalerweise. In seinem Verlauf nimmt die Aktivität des Zentralgestirns erst zu und dann wieder ab. Die Anzahl der Sonnenflecken gilt als Maß für diese Aktivität. Die aktuelle Ruheperiode mit ausgesprochen wenigen Sonnenflecken dauert jedoch bereits überdurchschnittlich lange an, was sich Wissenschaftler bisher nicht so recht erklären konnten.

Rachel Howe und Frank Hill vom National Solar Observatory in Tucson glauben nun herausgefunden zu haben, warum unser Zentralgestirn derzeit noch so ruhig ist. Etwa alle elf Jahre generiert die Sonne in der Nähe ihrer Pole Strömungen, sogenannte Jetstreams, die sich langsam, über eine Periode von insgesamt 17 Jahren, in Richtung Äquator bewegen. Sobald sie dabei eine geografische Breite von 22 Grad erreichen, scheinen sie die Entstehung von Sonnenflecken zu beeinflussen, berichteten Howe und Hill auf einer Konferenz der American Astronomical Society in Boulder.

Einen dieser Ströme haben Howe und Hill in den vergangenen Jahren beobachtet - mit einer Technik, die den in der Medizin verwendeten Ultraschalluntersuchungen ähnelt. Der Strom bewegt sich in einer Tiefe von tausend bis 7000 Kilometer unter der Sonnenoberfläche von Ost nach West. Im Vergleich zu den Strömungen früherer Sonnenzyklen lässt er sich allerdings bei der Wanderung Richtung Äquator Zeit, wie die Forscher zeigen konnten: Er benötigte drei Jahre, um zehn Breitengrade weiterzukommen. Frühere Strömungen hatten diese Strecke in nur zwei Jahren zurückgelegt.

Mittlerweile habe der Strom jedoch die kritische Marke von 22 Grad erreicht, berichteten die Wissenschaftler. Das zeige, dass der sonneninterne Dynamo nach wie vor arbeite und ein neuer Sonnenzyklus beginne. Da das aktuelle Sonnenfleckenminimum bereits so lange andauert, hatten einige Wissenschaftler zuvor schon spekuliert, es könnte eine längerfristige Phase komplett ohne Sonnenflecken folgen. Es sei aufregend, nun zu sehen, dass jetzt, da der trödelnde Strom die kritische Breite erreicht habe, auch die ersten neuen Gruppen von Sonnenflecken auftauchten, sagte Hill.

Sonnenflecken sind kühlere Gebiete auf der Oberfläche der Sonne, die durch eine Verschiebung der Magnetfeldlinien entstehen. Viele dieser Flecken zeigen eine erhöhte Sonnenaktivität an, in deren Folge es unter anderem zu vermehrten Strahlungsausbrüchen kommt. Diese können das Erdmagnetfeld verändern, den Betrieb von Satelliten und den Funkverkehr auf der Erde beeinflussen, weshalb Forscher sogar versuchen, das sogenannte Weltraumwetter vorherzusagen.

Die Sonnenaktivität beeinflusst auch das Klima auf der Erde. Manche Forscher haben sie sogar zum Hauptverantwortlichen für den Klimawandel gemacht - eine These, die allerdings als längst widerlegt gilt.

hda/ddp

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