Garching - Sechs Minuten Belichtungszeit pro Bild: Wer den Nachthimmel mit einer Digitalkamera fotografiert, muss viel Zeit bringen - erst recht, wenn er sich wie Serge Brunier und Frédéric Tapissier eine Mammut-Aufgabe gestellt hat. Die beiden Franzosen haben in den vergangenen Monaten ein vollständiges Panorama des Nachthimmels erstellt. Das aus 300 Einzelaufnahmen zusammengesetzte Bild ist von einer bislang ungekannten Qualität. Die Europäische Südsternwarte (Eso) hat die Aufnahme nun im Rahmen des Internationalen Jahres der Astronomie veröffentlicht.
Das Bild ist eines von dreien des " GigaGalaxy Zoom"-Projekts. Die anderen Aufnahmen sollen ebenfalls noch im September veröffentlicht werden. Für die aktuelle Aufnahme wurde jede Himmelsregion viermal fotografiert - und zwar entweder an den beiden chilenischen Eso-Standorten in La Silla und Paranal oder auf La Palma. So konnte quasi der gesamte von der Erde sichtbare Nachthimmel abgebildet werden. Ein spezielles Stativ sorgte dafür, dass die Kamera die Rotation unseres Planeten während der Aufzeichnung der Bilder ausgleichen konnte.
Das Zusammenfügen der einzelnen Bilder im Computer nahm insgesamt 340 Stunden Rechenzeit in Anspruch. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ein 800-Millionen-Pixel-Bild zeigt unsere Milchstraße in faszinierender Schönheit. Auf einer speziellen Web-Seite können Astronomie-Fans gezielt in einige Regionen des 360-Grad-Panoramas eintauchen.
Keine Lichtverschmutzung, besonders saubere Atmosphäre
Das Bild zeigt das All so, wie es für einen Beobachter ohne Hilfsmittel an den geeignetsten Orten der Erde - ohne Lichtverschmutzung und mit besonders sauberer Atmosphäre - zu sehen wäre. Forscher haben unlängst eine Studie präsentiert, wonach ein Observatorium an einem bestimmten Ort in der Antarktis die besten Beobachtungsergebnisse liefern würde. Die Station müsste auf den Koordinaten 81,5 Grad Süd und 73,5 Grad Ost gebaut werden.
Menschen haben die entlegene Stelle vermutlich noch nie betreten. Im Winter herrscht dort durchschnittlich eine Temperatur von minus 70 Grad Celsius. Die Luft enthält so wenig Feuchtigkeit, dass weder Wolken noch Dunst den Blick ins All trüben. Gut zu wissen, dass man auch vom eigenen Schreibtisch aus solch einen beeindruckenden Blick ins All haben kann - dank des "GigaGalaxy Zoom"-Projekts.
chs/dpa
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