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06.01.2010
 

Milchstraße

Jeder sechste Stern könnte Planetensystem haben

Exoplaneten beim Stern Gliese 581 (Zeichnung): Wie viele Erden enthält die Milchstraße?Zur Großansicht
dpa

Exoplaneten beim Stern Gliese 581 (Zeichnung): Wie viele Erden enthält die Milchstraße?

Die Erde könnte Millionen Zwillinge im All haben. Neuen Berechnungen zufolge dürfte jeder sechste Stern in der Milchstraße ein Planetensystem wie das unsere besitzen. Damit gäbe es allein in unserer Galaxie mehrere hundert Millionen Sonnen mit großen Gas- und kleinen Gesteinsplaneten.

Washington - "Nun kennen wir unseren Platz in der Galaxis", sagte Scott Gaudi auf der Jahrestagung der American Astronomical Society (AAS). Etwa 15 Prozent der Sterne in der Milchstraße bildeten ähnliche Systeme mit mehreren großen Gasplaneten in den Außenbezirken, berichtete der Forscher von der Ohio State University in Columbus. Sein Fazit: "Sonnensysteme wie unseres sind nicht einzigartig - aber auch nicht weit verbreitet."

Gaudis internationales Team hat über mehrere Jahre die Galaxis nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems abgesucht. Dabei stützten sich die Forscher auf den sogenannten Mikrogravitationslinseneffekt. Dieser setzt dann ein, wenn aus Sicht der Erde die Bahn eines Sterns die eines anderen kreuzt. Der Himmelskörper, der näher an der Erde ist, verstärkt durch seine Schwerkraft wie mit einer Lupe das Licht des hinter ihm liegenden Sterns. Umkreisen Planeten den sogenannten Lupenstern, erhöhen sie diese Verstärkung kurzzeitig.

Mit dieser Technik spürten Forscher in den vier Beobachtungsjahren nur ein einziges Sonnensystem wie unseres auf, das große Gasplaneten in den Außenbezirken besitzt. Die Entdeckung datiert aus dem Jahr 2006 und wurde 2008 im Fachblatt "Science" verkündet. "Hätte jeder Stern ein Sonnensystem wie unseres, hätten wir etwa sechs finden müssen", erläuterte Gaudi, der für seine Forschung den Helen-B.-Warner-Preis für Astronomie bekommen hat.

Mit der niedrigen Entdeckungsrate hat der Forscher zusammen mit Kollegen ein statistisches Modell gefüttert - und das lieferte die Wahrscheinlichkeit von 15 Prozent. Gaudi räumte allerdings ein, dass die bisherige Annahme nur auf dem Fund eines Planetensystems basiere - und die tatsächliche Wahrscheinlichkeit möglicherweise stark von der berechneten abweichen könnte. "Doch unsere Studie zeigt, dass wir mit unseren heutigen Experimenten diese Messungen beginnen können."

Forscher rechnen mit regelmäßigen Funden erdähnlicher Planeten

Große Gasplaneten in den Außenbezirken eines Planetensystems gelten als günstig für die Entwicklung von Leben auf möglichen inneren Gesteinsplaneten. Dank ihrer enormen Schwerkraft fangen sie herumtrudelnde Bruchstücke, Kometen und Asteroiden ein und mildern so das tödliche kosmische Bombardement innerer Planeten.

Auch wenn die Forscher ursprünglich auf mehr Planetensysteme wie das unsere gehofft hatten, ist ihr Ergebnis keine Enttäuschung. Denn es gibt 100 bis 300 Milliarden Sterne allein in der Milchstraße, die wiederum nur eine von rund hundert Milliarden Galaxien im bekannten Universum ist. "Selbst wenn die Chance nur zehn Prozent beträgt, blieben noch mehrere hundert Millionen Planetensysteme wie das unsere übrig", sagte der Astronom Andrew Gould, der mit Gaudi an der Ohio State University arbeitet.

Für die Zukunft rechnen die Forscher mit einer wahren Flut von Planetenentdeckungen. Mit der bisherigen Strategie, schreiben Gaudi und seine Kollegen in ihrem Fachbeitrag, seien nicht mehr als einige Funde pro Jahr möglich. Die nächste Generation der Microlensing-Experimente aber werde auf völlig anderen Prinzipien basieren.

Weitwinkelkameras auf Spiegelteleskopen sollen künftig rund um die Uhr große Bereiche des Himmels absuchen. Auf diese Weise werde man 900 bis mehrere tausend Gravitationslinseneffekte pro Jahr entdeckten, haben Gaudi und seine Kollegen berechnet. "Und alle diese Ereignisse werden automatisch nach Störungen durch Planeten abgesucht", so die Forscher.

Zwei Wissenschaftlerteams hätten derartige Suchaktionen bereits simuliert. Beim Einsatz von drei Teleskopen, so das Ergebnis, sei mit der Entdeckung von durchschnittlich 1,6 erdähnlichen Planeten und zehn sogenannten Super-Erden pro Jahr zu rechnen.

mbe/hda/dpa

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