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31.03.2010
 

Unerwünschte Bilder

Iran sabotiert Europas TV-Satelliten

Von Christoph Seidler

Gestörte TV-Signale: "Das passiert nicht zufällig"
Fotos
AFP

Um kritische Töne aus dem Ausland auszusperren, attackiert die Führung in Teheran mit Störsignalen auch europäische Kommunikationssatelliten. Die Uno hat die Aktionen verurteilt - doch kaum Mittel, die Angreifer zur Raison zu bringen.

Er ist der größte und leistungsstärkste europäische Fernsehsatellit - und doch hat "Hot Bird 8" keine Chance, wenn die Mullahs einschreiten. Dann verschwinden augenblicklich die persischen Dienste von BBC und Voice of America von den Fernsehschirmen - und zwar im gesamten Sendegebiet des Satelliten. Auch das arabische Programm der Deutschen Welle (DW) hat keine Chance. "Wir hatten im Dezember und Februar Störungen. Zusammen sind über 30 Stunden Programm ausgefallen", sagt DW-Sprecher Johannes Hoffmann im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Die Attacken, so Hoffmann, seien ein "gezielter Akt, um Berichterstattung zu unterbinden". Probleme habe es zum Beispiel während der iranischen Revolutionsfeiern gegeben. "Das passiert nicht zufällig", meint auch Vanessa O'Connor vom Satellitenbetreiber Eutelsat. Die BBC und Voice of America registrierten die vorerst letzten Störversuche am 20. März.

Die Führung in Teheran tut alles in ihrer Macht stehende, um Informationen aus dem Ausland zu unterdrücken. Und das geht oft erstaunlich einfach. Denn obwohl "Hot Bird 8" in seinem geostationären Orbit rund 36.000 Kilometer von der Erde entfernt ist, lässt er sich leicht sabotieren. Das gleiche gilt für viele andere Satelliten. Dazu müssen die iranischen Störer nur ein kräftiges Signal in Richtung der fliegenden Nachrichtenzentrale schicken. Dafür verwenden sie dieselbe Frequenz, auf der sonst das Programm von einer regulären Bodenstation ankommen würde.

Dieser sogenannte Uplink startet im Fall der Deutschen Welle im Hochtaunuskreis, an der Erdfunkstelle Usingen. Rund 90 Parabolantennen stehen dort. "Der Satellit kann aber nicht bestimmen, ob das Signal aus Usingen oder aus Teheran kommt", sagt DW-Chefingenieur Horst Scholz. Im Zweifelsfall entscheidet sich das Fluggerät deswegen für den stärkeren Datenstrom - und kann so hinters Licht geführt werden.

Genau das ist offenbar "Hot Bird 8" passiert. Eutelsat-Mitarbeiter konnten die Störsignale auf ihren Kontrollmonitoren problemlos sehen - und nichts dagegen tun: konstante Amplitude, konstante Frequenz, starke Sendeleistung. Mit einer speziellen Software namens Sat-ID ließ sich auch die Quelle der Behinderung feststellen. Sie lag in Teheran.

"Diese Dinge brauchen Zeit"

Aufgeschreckt informierte der Satellitenbetreiber die zuständige französische Telekom-Regulierungsbehörde Agence Nationale des Fréquences. Die wandte sich wiederum in einem vierseitigen Fax, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, an die Iraner. Eine Kopie der Beschwerde ging außerdem an das zuständige Uno-Gremium. Dieses sogenannte Radio Regulations Board der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) trifft sich regelmäßig in Genf.

Normalerweise geht es bei den Sitzungen höchst technisch zu. Ein Dutzend Fachleute besprechen dabei Probleme durch Frequenzstörungen. Solche Fälle kommen immer wieder einmal vor, in der modernen Kommunikationsgesellschaft sind freie Frequenzen Mangelware. Gezielte Störungen sind eher selten, auch wenn es bereits im Sommer 2009 Beschwerden über Iran gegeben hatte.

Dieses Mal fanden die Uno-Experten für ihre Verhältnisse deutliche Worte. Iran werde "dazu gedrängt", die Störung der Eutelsat-Satelliten zu beenden. Die Iraner hatten zuvor noch ihre Unschuld beteuert: Man wisse nichts von einer Behinderung, werde sich aber in aller Eile auf die Suche danach machen.

Iraner senden über den gleichen Satelliten, den sie sabotieren

Das Thema dürfte auch bei den nächsten ITU-Treffen eine Rolle spielen. Doch in der Praxis kann die Uno, wie so oft, kaum etwas gegen die Störenfriede unternehmen. "In solchen Fällen appelliert das Radio Regulations Board an den guten Willen und die Hilfsbereitschaft seiner Mitgliedstaaten, um eine Lösung zu finden und das neuerliche Auftreten störender Funksignale zu verhindern", sagt ITU-Sprecher Sanjay Acharya im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die Iraner müssten es "zur höchsten Priorität" machen, die Quelle der Störungen zu finden.

Doch dass Teheran daran Interesse hat, ist mehr als zweifelhaft. Die Europäische Union kann sich indes nicht dazu durchringen, im Gegenzug iranische TV-Sendungen zu blockieren. Und so wird sich die Angelegenheit noch eine Weile hinziehen. "Diese Dinge brauchen Zeit. Wir haben die Geduld, das hinzunehmen", sagt Eutelsat-Sprecherin O'Connor. Der Satellitenbetreiber hat einstweilen die Verbreitung einiger Programme geändert. Sie werden inzwischen über andere Satelliten abgestrahlt - und zwar solche, die von Uplinks aus Iran nicht erreicht werden können, aber trotzdem ihr Programm über der Golfregion abstrahlen.

Freilich sind nicht alle Sender auf "Hot Bird 8" von der elektronischen Sabotage betroffen. Der staatliche Sender Islamic Republic of Iran Broadcasting etwa strahlt sein Auslandsprogramm "Press TV" ebenfalls über "Hot Bird 8" aus - und zwar bisher störungsfrei.

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insgesamt 78 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
20.06.2010 von ochnöö!:

Wie soll das gehen? Die Schüsseln sind ja auf den Satelliten ausgerichtet...?? ---Zitatende--- Wie sieht denn Ihrer offensichtlich fachkundigen Meinung nach die perfekte, (off-main-beam unstörbare) Richtantenne aus, und: [...] mehr...

20.06.2010 von al2001: Boring like oil disaster ..

Ihnen empfehle ich die Sport und Klatschseiten: dieses "es lohnt" sich nicht erzeugt bei mir Würgreiz ... muss sich alles in dieser Welt zum Teufel lohnen ,pah mehr...

20.06.2010 von Omnimachos: Technische Steinzeit

Warum Eutelsat bei "Hot Bird 8" die paar Kröten gespart hat, um Authentifizierung und Absicherung zu sparen - kaum eine Überraschung: Es ist so überall und generell: Maßnahmen werden erst nach mindestens 5 Kindern im [...] mehr...

20.06.2010 von peterpantau: Wir sind die wahren Demokraten

17.06.2010 French broadcaster bans Al-Aqsa TV http://www.abc.net.au/news/stories/2010/06/17/2929216.htm mehr...

20.06.2010 von Espressomaschine: Aha ...

... und wenn die Signale verschlüsselt sind brauchen sie zur Übertragung keine Trägerfrequenz mehr? Dann springen sie direkt in den Satelliten? Ich sehe hier klar die Physik in der Haftung. mehr...

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