Garching - Europäische Forscher haben zwölf Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ein Schwarzes Loch entdeckt, das Energie speit: Es verschluckt nicht nur Materie, sondern wirft sie zurück ins All. Das Team um Manfred Pakull von der Universität Straßburg hat die bislang stärksten bekannten Materienausflüsse - sogenannte Jets - bei einem stellaren Schwarzen Loch sichtbar gemacht. Der beobachtete sogenannte Mikroquasar erzeugt eine riesige Blase aus heißem Gas, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature". Mit einem Durchmesser von 1000 Lichtjahren ist sie mehr als doppelt so groß wie bei allen anderen bekannten Mikroquasaren.
Die Forscher beobachteten mit Hilfe der Teleskope der Europäischen Südsternwarte (Eso) auch die Regionen, in denen die Jets auf das interstellare Gas treffen, das das Schwarze Loch umgibt. Dabei stellten sie fest, dass sich die Gasblase mit einer Geschwindigkeit von etwa einer Million Kilometer pro Stunde ausdehnt. Aus der Größe und der Ausbreitungsgeschwindigkeit des Gases konnten die Forscher zudem ableiten, dass die Jets seit mindestens 200.000 Jahren existieren.
"Verglichen mit der Größe des Schwarzen Lochs ist die Länge der Jets enorm", meint Co-Studienautor Robert Soria vom University College London. "Wenn man das Schwarze Loch auf die Größe eines Fußballs verkleinern könnte, würde sich jeder der beiden Jets von der Erde aus bis über die Umlaufbahn des Pluto erstrecken."
Die Beobachtung gelang mit Hilfe eines riesigen Eso-Teleskops in Kombination mit einem Röntgensatelliten der Nasa, wie die Eso am Mittwoch in Garching mitteilte. Stellare Schwarze Löcher sind Überreste von Sternenexplosionen. Die kosmischen Vielfraße erzeugen gewaltige Mengen an Energie, wenn sie Materie verschlucken. "Doch wir waren erstaunt, wie viel Energie das Schwarze Loch an das Gas abgibt, obwohl es nur wenige Sonnenmassen schwer ist", sagt Pakull.
Bis vor kurzem glaubten Astronomen, dass ein Großteil dieser Energie in Form von Strahlung ausgesendet wird. Die neue Entdeckung zeigt nun, dass einige Schwarze Löcher mindestens genauso viel Energie als gebündelte Jets aus sich schnell bewegenden Teilchen abgeben. Diese werden in das Gas in der Umgebung des Lochs geschleudert. Dadurch wird das Gas erwärmt und dehnt sich aus, so dass eine heiße Blase entsteht. Die Forscher fanden heraus, dass sich die Blase mit einer Geschwindigkeit von fast einer Million Kilometer pro Stunde ausdehnt.
boj/ddp/dpa
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