Wer am vergangenen Wochenende im Norden im Stau stand, der musste es leidvoll erfahren: Die deutsche Ostseeküste ist in diesen Tagen ein besonders populäres Besucherziel. Bei Wassertemperaturen von 22 Grad ist das Planschen in den Wellen dort ähnlich attraktiv wie im Mittelmeer.
Viele Strände sind voll, Handtuch reiht sich an Handtuch, Strandmuschel an Strandmuschel. Hotelbetten sind vielerorts nur noch schwer zu bekommen. Dazu kommt, dass die Badeorte zumindest in den offiziellen Wasserqualitätsstatistiken der EU-Kommission sehr gut abschneiden - auch wenn der ADAC bei eigenen Tests teilweise zu etwas schlechteren Ergebnissen kommt.
Dieses am vergangenen Sonntag aufgenommene Bild des Esa-Satelliten "Envisat" zeigt einen Blick auf die Ostsee, wie ihn der durchschnittliche Badegast nicht hat. Aus dem All lässt sich erkennen, dass sich im warmen Wasser bereits sogenannte Algenblüten entwickelt haben. Der Satellit kommt der Blüte im Meer auf die Schliche, weil seine Sensoren das grüne Chlorophyll der Algen gut erkennen können. Das hebt sich klar vom tiefen Blau des Wassers ab.
Mineralische Nährstoffe in Hülle und Fülle ebenso wie geringer Wind sorgen dafür, dass sich Phytoplankton stark vermehren konnte. In den Badebereichen ist das Wasser bisher aber klar, Badegäste müssen nicht mit Problemen rechnen. Plankton ist die wichtigste Lebensform der Weltmeere. Die mikroskopisch kleinen Organismen driften auf dem Wasser oder kurz unter der Wasseroberfläche. Sie sind für das Funktionieren der Ökosysteme überaus wichtig: Die pflanzlichen Bestandteile der Ozeane, wie etwa Algen, spielen nicht zuletzt als Speicher des Treibhausgases Kohlendioxid eine Rolle.
Interessant ist übrigens, dass Algenblüten auf Radaraufnahmen von Satelliten manchmal ganz ähnlich aussehen wie eine Ölpest. Denn sowohl ausgelaufenes Öl als auch Algenblüten sorgen dafür, dass die Bewegungen an der Wasseroberfläche gedämpft werden - und das lässt sich mit Hilfe des Radars nachweisen.
chs
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