Unmengen von Regen sind um diese Jahreszeit nichts Ungewöhnliches in Pakistan. Doch der Monsun des Sommers 2010 ist so schwer wie schon seit acht Jahrzehnten nicht mehr. Nach Angaben der pakistanischen Behörden sind bereits 4,2 Millionen Menschen von Überflutungen betroffen, rund 1500 starben.
Vor allem der mächtige Indus ist stark angeschwollen, wie dieses Bild des Nasa- Satelliten "Terra" zeigt. Für die Aufnahme wurde eine Kombination aus sichtbarem und ultraviolettem Licht verwendet, um den Kontrast zwischen Land und Wasser zu verbessern.
Im Normalfall dient der Indus zur Bewässerung ausgedehnter Ackerflächen, jetzt aber bringt er Tod und Zerstörung. Zunächst hatten die Überschwemmungen vor allem den Nordwesten Pakistans betroffen. Dort sollen sich nun rund 30.000 Soldaten um die Notleidenden in den verwüsteten Gebieten kümmern, wo ganze Dörfer in den Fluten verschwanden. Brücken sind zu reparieren und Notlager zu errichten. Am stärksten ist die Provinz Khyber Pakhtunkhwa betroffen, auch in Punjab gab es schwere Verwüstungen.
Die Wassermassen wandern unterdessen flussabwärts und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Mittlerweile haben sie auch die weiter südlich gelegenen bevölkerungsreichen Provinzen Punjab und Sindh erreicht. Nach pakistanischen Angaben sind dort bereits eine halbe Million Menschen auf der Flucht. Im Bezirk Sukkur in der Provinz Sindh seien die Bewohner von niedrig gelegenen Dörfern in Sicherheit gebracht worden, und an den Flussufern verstärkten die Einsatzkräfte die Dämme, erklärte Jam Saifullah Dharejo, der regionale Minister für Bewässerung.
Doch viele Betroffene sind wütend auf die Behörden. Dass zum Beispiel Präsident Asif Ali Zardari zu Staatsbesuchen in Paris und London weilt, statt sich zu Hause an die Spitze der Hilfsaktion zu stellen, kommt nicht gut an. Inzwischen beteiligt sich sogar die US-Armee an den Rettungseinsätzen. Und Premierminister Yousuf Raza Gilani erklärte öffentlichkeitswirksam, alle Minister würden ein Monatsgehalt für einen Hilfsfonds spenden. Armeeangehörige und Beamte sollen demnach einen Tageslohn spenden.
Aus Deutschland haben das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit insgesamt zwei Millionen Euro an Hilfsgeldern zugesagt. Mit ihnen sollen Nahrungsmittel, Zugang zu sauberem Trinkwasser, Zelte und medizinische Versorgung finanziert werden.
Probleme mit Überflutungen gibt es auch in Pakistans Nachbarland Indien. Mindestens 60 Menschen sind bei Überschwemmungen im indischen Teil Kaschmirs ums Leben gekommen. Plötzliche Regenfälle hätten in der Stadt Leh zu einer Springflut geführt, teilte die Polizei mit. Leh liegt in der wüstenähnlichen Region Ladakh auf rund 3500 Metern Höhe. Normalerweise gibt es dort nur sehr wenig Niederschlag.
chs/apn/AFP/dpa/ap
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