Genf - Auch diesmal ist es nicht die zweite Erde, so viel lässt sich bereits sagen. Und doch ist der Exoplanet, den Astronomen nun gefunden zu haben glauben, bemerkenswert. Gerade 1,4 mal so schwer wie unsere Planet dürfte der steinige Himmelskörper sein, der um den Stern HD 10180 im Sternbild Hydrus (Kleine Wasserschlange) kreist.
Sollte sich die Vermutung der Forscher bestätigen, wäre das der kleinste Planet, den die Menschheit außerhalb des heimischen Sonnensystems aufgespürt hat. Wenn die Voraussagen der Wissenschaftler stimmen, dann würde er extrem nah an seinem Mutterstern kreisen, in gerade einmal 2 Prozent des Abstands Erde-Sonne - und wäre damit extremer Hitze ausgesetzt. Leben wäre dort wohl unmöglich.
Doch auch die unmittelbare Nachbarschaft des Exoplaneten ist interessant, vermuten die Wissenschaftler doch dort bis zu sechs weitere Planeten. Fünf davon glauben sie zweifelsfrei nachgewiesen zu haben. Diese Himmelskörper ziehen in einer Entfernung zum Stern ihre Bahnen, die zwischen dem 0,06- und dem 1,4fachen des Abstands Erde-Sonne liegt. Ihre Umläufe dauern zwischen 6 und 600 Tagen.
Das Planetensystem ist 127 Lichtjahre von der Erde entfernt - und könnte dasjenige mit den meisten bislang bekannten Planeten sein. Als Rekordhalter galt bisher der Stern 55 Cancri mit fünf Planeten. Zwei davon sind große Gasriesen.
Christophe Lovis von der Universität Genf, einer der an der Entdeckung beteiligten Wissenschaftler, erklärte, fünf der bis zu sieben neu entdeckten Planeten hätten die Größe von Neptun. Damit wären sie weitaus größer als die Erde. "Sie bestehen im Wesentlichen aus Eis und Felsgestein. Darüber liegt aber eine Gasschicht, vermutlich aus Wasserstoff oder Helium", sagte er. "Sie sind wahrscheinlich nicht bewohnbar."
Ein Jahr dauert nur einen Erdentag
Der sechste Planet hat, so vermuten, die Wissenschaftler in etwa die Masse des Saturns. Er wäre mit 65 Erdmassen der größte in dem fernen System. Der siebte aber, der Kleinste, würde in einer so geringen Entfernung seine Sonne umkreisen, dass ein "Jahr" dort nur einen Erdentag dauern würde.
Die Astronomen nutzten für ihre Entdeckung das 3,6-Meter-Teleskop der Europäischen Südsternwarte (Eso) auf La Silla in Chile. Dessen Harps-Instrument ist eine feste Größe bei der Suche nach fernen Welten - und hat bereits reihenweise Entdeckungen produziert. Diesmal ging es darum, in insgesamt 190 Einzelmessungen winzige Bewegungen des Sterns HD 10180 nachzuweisen, die durch die Schwerkraft der vorbeiziehenden Planeten verursacht werden - eine beliebte Methode der Planetensucher (siehe Kasten links).
Die meisten der bislang entdeckten rund 450 Planeten sind 13 bis 25 Mal größer als die Erde. "Das wirklich Aufsehenerregende an der Entdeckung neuer Sonnensysteme wie diesem besteht darin, dass damit gezeigt wird, dass es da draußen noch viel mehr Planeten gibt", erklärte Alan Boss vom Carnegie Institution for Science, der nicht an der Entdeckung beteiligt war. "Mutter Natur hatte wirklich ihren Spaß daran, Planeten zu erschaffen."
Und in der Tat: Das Team des Nasa-Teleskops "Kepler" hat bereits weitere Erkenntnisse zu neuen Exoplaneten für die kommenden Tage angekündigt.
chs/apn
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