28. März 2002, 12:19 Uhr

Neue Hinweise

Das Leben erhielt außerirdische Nachhilfe

Mit überraschenden Resultaten haben zwei Forscherteams die Entstehung von interstellarem Eis simuliert: Bei den Experimenten bildeten sich Grundbausteine des Lebens.

Gasmassen im Orionnebel: Liegt der Ursprung des Lebens zwischen den Sternen?
Nasa

Gasmassen im Orionnebel: Liegt der Ursprung des Lebens zwischen den Sternen?

Als erste Lebensbausteine könnten Aminosäuren aus dem Weltall auf die frühe Erde geregnet sein. Darauf deuten die Laborversuche zweier Forscherteams hin, welche die frostigen Bedingungen in kosmischen Gaswolken simuliert haben. Die Ergebnisse der Experimente, an denen auch deutsche Wissenschaftler beteiligt waren, sind in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature" veröffentlicht.

Zusammen mit Kollegen aus Frankreich und den Niederlanden bildete der Chemiker Uwe Meierhenrich von der Universität Bremen das chemische Geschehen in solchen Staub- und Gasmassen nach, aus denen auch vor rund 4,6 Milliarden Jahren das Sonnensystem hervorging. In einer Vakuum-Apparatur bedampften die Forscher einen extrem gekühlten Aluminiumblock mit einfachen, in interstellaren Wolken vorkommenden Verbindungen wie Wasser, Kohlendioxid, Ammoniak sowie Methanol und bestrahlten die Mixtur mit ultraviolettem Licht.

Was Meierhenrich zufolge als Testmaterial für die europäische Kometensonde "Rosetta" gedacht war, entpuppte sich als Überraschung. Beim Erwärmen der auf dem Metallblock gebildeten Eisschichten entdeckten die Wissenschaftler 16 verschiedene Aminosäuren, von denen einige auch beim Menschen vorkommen. Parallel kam eine Forschergruppe um Max Bernstein vom Ames Research Center der US-Raumfahrtbehörde Nasa zu ähnlichen Resultaten, wies aber nur drei Aminosäuren nach.

Bislang wurden Aminosäuren zwar schon in Meteoriten gefunden, die auf die Erde gestürzt waren. Allerdings hielten es Forscher für möglich, dass sich die Verbindungen erst beim Flug durch die Atmosphäre gebildet hatten. "Seit 50 Jahren ging man davon aus, dass es diese Aminosäuren nur auf der Erde geben könnte", sagt Meierhenrich. "Jetzt zeigt sich, dass sie überall im All sein können." Damit liegt, so der Wissenschaftler, ein Zusammenhang zwischen den chemischen Prozessen im Weltraum und dem Entstehen von irdischen Leben auf der Hand.

Die Suche nach dem Ursprung des Lebens soll auch im Weltall fortgesetzt werden: Die Sonde "Rosetta" startet im nächsten Jahr zum Kometen Wirtanen, den sie 2011 erreichen soll. Von dem Absetzen eines Landegeräts auf dem Kometen versprechen sich die Forscher weitere Hinweise auf die Zusammensetzung des interstellaren Staubes, der möglicherweise die Bausteine des Lebens auf die Erde brachte.


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