Kosmische Flugkörper: Asteroiden-Doppel schrammt an der Erde vorbei

Er kam der Erde näher als viele Satelliten: Der kleine Asteroid 2012 KT 42 rauschte nur 14.400 Kilometer an unserem Planeten vorbei. Sein Kollege 2012 KP24 kam uns ähnlich nahe. Das fliegende Doppel war harmlos - gefährlicher sind massige Verwandte.

Asteroid nähert sich der Erde (grafische Darstellung): Warten auf den großen Crash Zur Großansicht
DPA / Planetary Resources

Asteroid nähert sich der Erde (grafische Darstellung): Warten auf den großen Crash

Berlin - Asteroiden üben eine große Faszination aus. Wir wissen, welche Verwüstungen beim Einschlag eines kosmischen Brockens drohen. Allabendlich trägt der Mond ein Archiv kosmischer Wundmale zur Schau. Und wer sich gigantische Krater wie das Nördlinger Ries auf Satellitenbildern ansieht, der kann erahnen, welche Wucht selbst ein nur ein paar tausend Meter großer Einschlagkörper auf der Erde haben kann - von dem Boliden, der einst das Aussterben der Saurier mit verursachte, ganz zu schweigen.

Andererseits sind Asteroiden ins Visier von Rohstoffsuchern gerückt, die auf ihnen seltene Metalle fördern wollen. Die Nasa würde sogar gern Astronauten zu solch einem Himmelskörper schicken. Am Dienstag ist nun ein - ausgesprochen kleiner - Asteroid sehr dicht an der Erde vorbeigeflogen - ohne Folgen. Alex Gibbs von der Catalina Sky Survey der University of Arizona hatte den drei bis zehn Meter großen Flugkörper erst am Montag entdeckt.

Experten des Jet Propulsion Laboratory (JPL) am California Institute of Technology in Passadena berichten nun, dass das Objekt mit der Katalognummer 2012 KT 42 gerade einmal 14.400 Kilometer von der Erdoberfläche entfernt an unserem Planeten vorbeirauschte - mit einer Geschwindigkeit von 17 Kilometern in der Sekunde.

Das bedeutet, dass der Mini-Asteroid deutlich unterhalb vieler Satellitenorbits seine Bahn zog. Geostationäre Satelliten, die bei jedem Erdumlauf über denselben Gebieten fliegen, sind knapp 36.000 Kilometer hoch. Britische Medien vergleichen den Abstand des Asteroiden mit der Distanz einer Flugreise zwischen New York City und Neuseeland.

Ähnliche Vorbeiflüge blieben in der Vergangenheit unentdeckt

Um es noch einmal klar zu sagen: 2012 KT 42 stellte keinerlei Gefahr für die Erde oder für Satelliten dar. Bei einem Eintritt in die Erdatmosphäre wäre er vermutlich auseinander gebrochen und zu großen Teilen verglüht. Viele nahe Vorbeiflüge ähnlich kleiner Asteroiden sind mit Sicherheit in der Vergangenheit unentdeckt geblieben.

Nach Nasa-Statistiken gab es auch schon ein halbes Dutzend bekannte Vorbeiflüge, bei denen Asteroiden der Erde noch näher kamen als nun 2012 KT42. An der Spitze der Liste steht der Asteroid 2012 CQ1. Er näherte sich unserem Planeten am 4. Februar 2011 bis auf 11.855 Kilometer.

Trotzdem waren Astronomen begeistert von dem Vorbeiflug - zumal am Montag bereits ein etwas größeres Exemplar die Erde in ungefähr 51.500 Kilometern Entfernung passiert hatte. Das Objekt namens 2012 KP24 war demnach etwa 20 Meter groß.

Auch eine Kollision mit 2012 KP24 wäre für die Erde folgenlos geblieben. Im kommenden Februar könnte dagegen der Asteroid 2012 DA14, etwa 45 Meter groß und 14.000 Tonnen schwer, möglicherweise zur Gefahr für Satelliten werden. Doch den großen Crash auf der Erde bringt auch das in diesem Jahr vom spanischen LaSagra Observatorium entdeckt Objekt nicht.

Doch irgendwann wird ein größerer Brocken auch wieder unseren Planeten treffen. Als ein Kandidat gilt der Asteroid 2011 AG5, der bei Vorbeiflügen an der Erde in den Jahren 2023 und 2028 auf eine verhängnisvolle Bahn abgelenkt werden könnte. In diesem Fall könnte es im Februar 2040 zu einem Crash mit dem etwa 140 Meter messenden Flugkörper kommen.

Diverse Arbeitsgruppen kümmern sich bereits jetzt um den richtigen Umgang mit kosmischen Geisterfahrern. Auch wenn viele Ideen existieren: Bis jetzt gibt es keine erprobten Techniken zur Abwehr von Asteroiden. Dabei gibt es mindestens nach einer aktuellern Schätzung der Nasa ungefähr 4700 potenziell gefährliche Asteroiden - plus-minus 1500 - mit einem Durchmesser von 100 Metern und mehr. Erst 20 bis 30 Prozent von ihnen seien gefunden, so lautete vor zwei Wochendas Fazit der großangelegten Suchaktion "Neowise".

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung des Textes war der Abstand der Geostationären Satelliten zur Erdoberfläche nicht richtig angegeben. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

chs

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insgesamt 33 Beiträge
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1. Zahlenschlamperei
dr.u. 30.05.2012
Zitat von sysopEr kam der Erde näher als viele Satelliten: Der kleine Asteroid 2012 KT 42 rauschte nur 14.400 Kilometer an unserem Planeten vorbei. Sein Kollege 2012 KP24 kam uns ähnlich nahe. Das fliegende Doppel war harmlos - gefährlicher sind massige Verwandte. 2012 KT42 und 2012 KP24: Zwei Asteroiden kommen der Erde sehr nahe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,835939,00.html)
Ein geosynchroner Orbit / geostätionäre Umlaufbahen hat zwar einen Radius von ~42157km, aber der betreffende Satellit fliegt in einer Höhe von ~35786km. Der erdradius ist vom Umlaufbahradius abzuziehen, wenn man von der Höhe (über der Erde) spricht. Das kann man wissen und differenzieren; muss es aber offensichtlich nicht ;-)
2. Hoch oder entfernt?
ctreber 30.05.2012
"42.157 Kilometer hoch" - das ist die Entfernung zum Erdmittelpunkt (was für die Physik der Umlaufbahn relevant ist). Geostationäre Satelliten kreisen etwa 36.000km über der Erdoberfläche - was Otto Normalbürger so gemeinhin als Höhe bezeichnet. Gruß, Christian Treber
3. "schrammt"?
miauwww 30.05.2012
Ohne Beruehrung keine Schramme, oder? Demnach ist das Wort "schrammt" ja wohl unpassend.
4. Wutbürger
talackova 30.05.2012
Zitat von sysopEr kam der Erde näher als viele Satelliten: Der kleine Asteroid 2012 KT 42 rauschte nur 14.400 Kilometer an unserem Planeten vorbei. Sein Kollege 2012 KP24 kam uns ähnlich nahe. Das fliegende Doppel war harmlos - gefährlicher sind massige Verwandte. 2012 KT42 und 2012 KP24: Zwei Asteroiden kommen der Erde sehr nahe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,835939,00.html)
Da geht es doch wieder nur um Forschungsgelder. Das ist doch alles Betrug, wie der Klimawandel. Alles nur ein Grund zum Anheben der Steuern. Es ist überhaupt nicht bewiesen, dass die Dinosausier durch Asteroiden ausgestorben wurden. Niemand weiß, wei viel Objekte da oben herumkreisen. Darum kann niemand eine Gefahr berechnen. Das sind alles nur Simulationen. Da wird nur Panik gemacht, für Forschungsgelder! (Ironie Ende) Ich bin gespannt, wann die ersten Verschwörungsfreunde das Thema entdecken und die Forschung beenden wollen. Dabei ist die Ablenkung eines möglichen großen Asteroiden eine Menschheitsaufgabe, wenn wir ihn rechtzeitg entdecken. Und auch das Ausbeuten von Asterioiden kann ganz neue Mineralien auf die Erde bringen. Wir werden das nicht mehr erleben, aber drücken wir den nachfolgenden Gebnerationen die Daumen.
5. Immerhin
Thomas11 30.05.2012
lässt sich SPON schon dazu herab, einen Asteroideneinschlag für das Aussterben der Dinos "mit"-verantwortlich zu machen. Ein Fortschritt, bisher wurde einfach nachgeplappert, dass sie allein dadurch ausgestorben wären. Früher sagte man, Papier ist geduldig, im Internet ist die Geduld wohl um ein Vielfaches größer, und damit auch die Gedankenlosigkeit.
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