25.000 Antennen: Startschuss für größtes Radioteleskop der Welt

Das weltgrößte Radioteleskop Lofar arbeitet. Die 25.000 über Europa verteilten Antennen fangen Radiowellen in einem bisher wenig erforschten Frequenzbereich auf. Von dem Teleskop versprechen sich Astronomen tiefe Blicke ins All und Erkenntnisse über die Zeit kurz nach dem Urknall.

Königin Beatrix beim Lofar-Start: Superteleskop aus 25.000 AntennenZur Großansicht
LOFAR / Hans Hordijk

Königin Beatrix beim Lofar-Start: Superteleskop aus 25.000 Antennen

Amsterdam - In den Niederlanden ist das größte Radioteleskop der Welt eingeweiht worden. Das Teleskop Lofar (Low Frequency Aray) fange elektromagnetische Wellen von sehr weit entfernten Himmelskörpern im niedrigen, nicht sichtbaren Frequenzbereich ein, sagte eine Sprecherin des niederländischen Radioastronomie-Instituts (Astron).

Das Teleskop besteht aus 25.000 Einzelantennen, die bisher auf Stationen in den Niederlanden, Deutschland, Schweden, Großbritannien und Frankreich verteilt sind. Es verfügt damit über einen Durchmesser von bis zu tausend Kilometern und ermöglicht so eine höhere Auflösung als herkömmliche Parabolspiegel.

Lofar soll Signale von Wasserstoffwolken aus der Zeit rund eine Milliarde Jahre nach dem Urknall aufspüren. Das System nutze dabei den bisher weithin unerforschten Frequenzbereich zwischen 10 und 240 Megahertz, sagte eine Astron-Sprecherin. In diesem Bereich könnte die beobachtete Strahlung niederenergetischer Elektronen, die eine äußerst lange Lebensdauer haben, auch Hinweise über längst vergangenen Explosionsvorgängen liefern.

In Chile wird derzeit ein weiteres gigantisches Radioteleskop errichtet, das aus 66 Parabolantennen besteht. Das Atacama Large Millimeter Array (Alma) untersucht jedoch Radiowellen eines anderen Frequenzbereichs zwischen 30 und 950 Gigahertz.

Antennennetz wird noch ausgebaut

Zur symbolischen Einweihung des von Lofar drückte die niederländische Königin Beatrix am Wochenende in der Lofar-Station in Buinen (Provinz Drenthe) aufs Knöpfchen. Die Auswertung der aus dem Weltall aufgenommenen Daten übernehmen Institute mehrerer Staaten in insgesamt sechs Hauptforschungsrichtungen. In Deutschland untersucht das Max-Planck-Institut für Radioastronomie kosmische Magnetfelder auf der Basis der Lofar-Daten.

Mit Gesamtkosten von rund 150 Millionen Euro gilt das Radioteleskop als vergleichsweise preiswert. Grund sind die vergleichsweise simplen Antennen (siehe Foto oben). Radioteleskope können wesentlich teurer sein: Die Kosten für das Projekt Alma in Chile belaufen sich beispielsweise auf 800 Millionen Euro.

In Deutschland soll das System künftig über mindestens sieben Stationen verfügen. Konstruiert wurde es vom niederländischen Institut für Radioastronomie Astron in Dwingeloo (ebenfalls in Drenthe). Insgesamt 36 Stationen sind in den Niederlanden vorgesehen. Weitere entstehen in Polen, der Ukraine und Italien. Die Daten der Antennen werden über Hochgeschwindigkeitsleitungen in der Universität Groningen im Norden der Niederlande erfasst und sofort an alle beteiligten Einrichtungen zur Auswertung weitergeleitet.

hda/dpa/AFP

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