3D-Animation Forscher umrunden das Marsgesicht

Moderne Raumsonden schießen nicht einfach nur Fotos. Sie liefern Daten, aus denen sich 3D-Modelle von fernen Planeten bauen lassen. Berliner Forscher haben das mit einem ganz besonderen außerirdischen Ort getan: dem Gesteins-Gesicht auf dem Mars.


Sicher war es unvorsichtig von der Nasa, eine Aufnahme der Raumsonde "Viking 1" vom 25. Juli 1976 mit dem Hinweis zu kommentieren, die fotografierte Felsformation auf dem Mars ähnele "einem menschlichen Kopf". Seither stricken sich Ufo-Gläubige und Spökenkieker aus dem Schnappschuss Ideen von einer außerirdischen Mars-Zivilisation - und munkeln gar von marsianischen Pyramidenbaumeistern.

Schwierige Lichtverhältnisse und eine unreine Atmosphäre verhinderten jahrzehntelang bessere Aufnahmen, die dem Mythos vom Marsgesicht den Garaus machen konnten. Im September war es dann soweit: Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) präsentierten hochauflösende dreidimensionale Bilder der Gesteinsformation, die im Cydonia-Hochland auf der Nordhalbkugel des Planeten liegt. Jetzt haben Wissenschaftler um Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin noch nachgelegt: Sie stellen eine Animation vor, auf der sich das vermeintliche Marsgesicht um seine eigene Achse dreht. Und plötzlich als erodierter Inselberg erscheint, nicht als Werk von Menschen- oder Alien-Hand.

Für den Kurzfilm benutzten die Forscher Schwarz-Weiß-Bilder der US-Sonde "Mars Global Surveyor" und kombinierten sie mit dem digitalen Höhenmodell, das sie aus Daten der HRSC-Kamera der europäischen Sonde "Mars Express" gewonnen hatten. Die bronzene Färbung kam erst am Computer hinzu.

Deutlich erkennbar ist, wie die Form des ehemals gleichmäßigen Bergs durch Hangrutschungen unregelmäßiger wurde. Die Animation macht aber vor allem auch klar, wie schwierig es ist, in Cydonia ein Gesicht zu erkennen - sofern einem dabei nicht niedriger Sonnenstand und schlechte Bildqualität helfen.

stx



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