Hobby-Astronomie Unterfranke entdeckt Asteroid vom Balkon aus

Fünf Jahre hat es gedauert, nun ist es offiziell: Der Hobbyastronom Bernhard Häusler hat von seinem Balkon aus einen Asteroiden entdeckt. Nun durfte er ihm einen Namen geben.

DPA

Der 28. September 2009 war eine glasklare Nacht im unterfränkischen Maidbronn bei Würzburg. Daran kann sich Bernhard Häusler genau erinnern. Denn in dieser Herbstnacht hat der Hobbyastronom seinen ersten eigenen Asteroiden entdeckt. Vom Balkon aus. Mit einem 20 Jahre alten Teleskop. Seit einigen Wochen ist der 57-Jährige der offizielle Entdecker dieses Kleinplaneten und durfte ihm einen Namen geben.

Häusler hat den Asteroiden nach seinem Wohnort benennen lassen, der Gesteinsbrocken heißt nun "410928 Maidbronn". Wie die meisten Kleinkörper aus der Zeit der Planetenentstehung, ist er im sogenannten Asteroidengürtel zwischen Jupiter und Mars zu finden. Außerdem sieht er aus wie eine Kartoffel, ist etwa 1,7 Kilometer breit und braucht etwa fünf Jahre, um einmal die Sonne zu umrunden.

Häusler jagt seit fast 20 Jahren Asteroiden, bereits mit vier Jahren war er begeisterter Sternegucker. Bei besten Wetterbedingungen scannt er mit seinem Teleskop und einer Spezial-Videokamera einen winzig kleinen Teil des Nachthimmels etwa zweieinhalb Stunden lang ab. "Der beobachtete Bereich ist etwa so groß wie ein Drittel der Fläche des Mondes", erklärt der Maidbronner, der sein Geld als IT-Experte verdient. Bis zu drei Scans schafft Häusler in einer guten, klaren Nacht.

Erste Aufnahme

Wenn er abends nach Hause kommt, schaut er sich die Videos der letzten Nacht im Zeitraffer an. Auf seinem Computerbildschirm erscheint ein graues Rauschen, wie man es vom Fernseher ohne Empfang kennt. Doch zwischen den Grieseln sieht Häusler mit seinem geübten Auge nicht nur kleine und große Sterne, sondern auch eine kleine zusätzliche Bewegung. Nur kurz huscht ein dunkelgrauer, wenige Millimeter langer Streifen über den Bildschirm. "Das ist meine erste Aufnahme des Asteroiden '410928 Maidbronn'", sagt Häusler. Zum Zeitpunkt der Entdeckung war der Kleinplanet etwa 242 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

Doch bevor der Gesteinsbrocken ganz offiziell die Bezeichnung "410928 Maidbronn" tragen durfte, musste der Hobbyforscher mehr als fünf Jahre warten. Die Regeln der International Astronomical Union (IAU) sind streng: Sie fordern mindestens zwei deutliche Aufnahmen pro Objekt. So kann ein Bahnbogen bestimmt werden. "Das ist sozusagen der Fingerabdruck des Asteroiden."

Dann prüft ein Programm, ob andere dieses Objekt schon gesichtet und gemeldet haben. "410928 Maidbronn" hat Häusler als Erster gesehen. Dass er ihn nach seinem Heimatort benennen wird, war ihm früh klar. "Dieser Ort hat mir überhaupt erst die Gelegenheit gegeben, diesen Asteroiden zu entdecken." Nach sich selbst durfte er ihn nicht benennen. Das geht nur bei Kometen.

Häusler sucht weiter

Deutschlandweit gibt es der Vereinigung der Sternenfreunde Deutschland zufolge mehr als 4000 Hobbyastronomen. Etwa ein Dutzend davon suchen am Himmel so professionell wie Häusler nach neuen Objekten.

Der IAU zufolge sind bislang mehr als 670.000 Asteroiden und 3830 Kometen weltweit am Himmel gefunden worden. Die allermeisten von ihnen werden in professionellen Sternwarten entdeckt.

"Fast 100 Prozent grasen die großen Observatorien mit ihren automatischen Suchprogrammen ab", sagt Asteroidenexperte Ekkehard Kührt vom Institut für Planetenforschung in Berlin. Etwa 5000 neue Objekte werden so Monat für Monat am Nachthimmel gefunden. "Für Amateure ist so eine Entdeckung ein großer Glückstreffer und eine Ausnahme", so Kührt.

Das schreckt Hobbyastronom Häusler nicht ab: "Man braucht Jagdtrieb, Geschick, Glück, Hartnäckigkeit und Fleiß - dann kann man auch mit den begrenzten Möglichkeiten eines Hobbyastronomen etwas als Erster entdecken. Das ist ein zusätzlicher Reiz", sagt er. Häusler will noch mehr Asteroiden benennen. Und er ist zuversichtlich: "Ich habe noch ein paar in der Warteschleife. Da bin ich hundertprozentig der Erste, der sie gesehen hat.

jme/dpa



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