Abgestürzte Rakete Russen programmierten falschen Startort

Peinlicher Fehler der russischen Raumfahrtagentur: Die Route einer Rakete war auf den falschen Startplatz eingestellt - sie stürzte ab, mit zahlreichen Satelliten an Bord.

Raketenstart in Wostotschny am 28. November
SHIPENK/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Raketenstart in Wostotschny am 28. November


Beim fehlgeschlagenen russischen Satellitenstart Ende November soll die Flugbahnberechnung nicht an den neuen Weltraumbahnhof Wostotschny angepasst gewesen sein. Das sagte der für Forschung zuständige Vizeregierungschef Dmitrij Rogosin am Mittwoch in Moskau.

"Die Einstellungen waren die für Baikonur, den alten Weltraumbahnhof. Das Azimut ist nicht berechnet worden", sagte er der Agentur Tass zufolge. Als Azimut oder Horizontalwinkel wird in Nautik und Geodäsie die Abweichung von der Nordrichtung bezeichnet.

Am 28. November hatte Russland in Wostotschny eine Rakete mit dem Wettersatelliten Meteor-M und mehreren kleineren Satelliten an Bord gestartet, die zumeist von westlichen Kunden stammten.

Doch die Raumfahrtbehörde Roskosmos musste später erklären, dass es nicht gelungen sei, Kontakt mit den Satelliten aufzunehmen. Vermutlich sei die Rakete über dem Nordatlantik abgestürzt.

Noch eine Panne

Wegen des abgestürzten Wettersatelliten hatte sich Rogosin bereits heftige Kritik von Ministerpräsident Dmitrij Medwedew anhören müssen. Für den nach langer Verzögerung in Betrieb genommenen Weltraumbahnhof Wostotschny war es erst der zweite Start, und auch beim ersten hatte es schon Probleme gegeben.

Von einem Fehler der Steuersoftware hatte Mitte Dezember auch der Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Igor Komarow, gesprochen. Er sagte aber, dass die Software seit 20 Jahren für so unterschiedliche Startplätze wie Baikonur, Plessezk oder Kourou funktioniert habe.

Unterdessen drohte der russischen Raumfahrt am Mittwoch eine neue Panne. Der Kontakt zum ersten angolanischen Satelliten im Weltall riss Stunden nach dem Start vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ab. Der in Russland gebaute Telekom-Satellit AngoSat war mit einer Zenit-Trägerrakete ins All geschossen worden.

Zunächst habe der Satellit störungsfrei Signale gesendet, sagte ein Sprecher in Baikonur. "Doch dann ging die Verbindung verloren, es kamen keine telemetrischen Daten mehr an."

Experten hofften aber, den Kontakt doch noch wiederherstellen zu können. AngoSat soll Fernsehen und andere Telekom-Dienste in Angola und im Süden Afrikas übertragen.

boj/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.