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Abhörtechnik: US-Militär startet größten Satelliten der Welt

Er ist beeindruckend groß - und seine Funktion streng geheim: Von einem Startplatz in Florida hat das US-Militär einen Spionagesatelliten ins All geschickt. Er ist Teil einer ganzen Flotte neuer fliegender Abhörzentralen.

Start von "NROL 32": Spionagesatellit auf dem Weg ins All Zur Großansicht
AP

Start von "NROL 32": Spionagesatellit auf dem Weg ins All

Washington - Lange Zeit existierte das National Reconnaissance Office (NRO) überhaupt nicht. Denn der Betrieb der militärischen US-Spionagesatelliten sollte eine geheime Angelegenheit bleiben. Das milliardenschwere Budget wurde anderen Organisationen zugeschlagen, die Späher operierten im Verborgenen.

Doch mittlerweile hat sich das NRO zumindest ein Stück weit geöffnet - und betreibt sogar eine Art Öffentlichkeitsarbeit. Deswegen weiß die Welt auch um "NROL 32". An Bord einer kraftvollen, 72 Meter hohen "Delta IV Heavy"-Rakete hob der Satellit am Sonntagabend von Startkomplex 37 der Cape Canaveral Air Force Base in Florida ins All ab. Welche Funktion der Spionagesatellit genau erfüllt, ist allerdings nicht bekannt - soweit geht die Öffentlichkeitsarbeit dann doch nicht. Es ist sogar Geheimsache, wer den Satelliten gebaut hat.

Dennoch weiß die Welt von den beeindruckenden Kenndaten des Starts: "NROL 32" ist wahrscheinlich der größte Satellit der Welt. Das jedenfalls hat NRO-Chef Bruce Carlson auf einer Fachkonferenz im September erklärt. Damit man sich eine Vorstellung machen kann, was das heißt: Der europäische Forschungssatellit "Envisat" bringt acht Tonnen auf die Wage. Und als größter kommerzieller Satellit der Weltraumgeschichte gilt der im vergangenen Sommer gestartete "Terre Star 1". Das knapp sieben Tonnen schwere Gerät, das mit einer europäischen "Ariane V" ins All gebracht wurde, verfügt über eine 18 Meter messende Antenne.

"NROL 32" liegt von der Größe wohl um einiges darüber. Das Startgewicht dürfte wegen der Kenndaten der "Delta IV Heavy" indes etwas niedriger gelegen haben als beim Kommunikationssatelliten "Terre Star 1". Was Carlson auf der Konferenz ebenfalls erklärte: Der neue Satellit wird Teil eines Verbundes. Das NRO plane eine Kampagne von Starts wie es sie in den vergangenen 25 Jahren nicht gegeben habe. Es ginge auch darum, altersschwache Satelliten zu ersetzen.

Der Aufwand scheint beträchtlich zu sein: Es gebe einige "sehr große und sehr wichtige" Satelliten, die seine Organisation bis Ende kommenden Jahres in die Umlaufbahn bringen wolle, sagte der NRO-Chef. Bereits im September hatte sein Geheimdienst den Spionagesatelliten "NROL 41" mit einer "Atlas V" ins All befördern lassen.

Der aktuelle Start war wegen technischer Probleme immer wieder verschoben worden. So hatte es in der vergangen Woche Schwierigkeiten mit zwei defekten Temperatursensoren gegeben. Nach dem Abheben am Sonntag ging jedoch offenbar alles glatt.

In Weltraum-Foren im Netz wird nun darüber spekuliert, dass "NROL 32" zur "Mentor"-Satellitenfamilie gehören könnte. Deren Job ist es, mit bis zu hundert Meter messenden Antennen Funk- und andere elektronische Signale aufzufangen.

chs

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1. Sinnlos
Peet89 22.11.2010
Zitat von sysopEr ist beeindruckend groß - und seine Funktion streng geheim: Von einem Startplatz in Florida hat das US-Militär einen Spionagesatelliten ins All geschickt. Er ist Teil einer ganzen Flotte neuer fliegender Abhörzentralen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,730414,00.html
Haben die USA nicht andere Probleme, als für so etwas Geld auszugeben?
2. Nicht ...
Michael Giertz, 22.11.2010
Zitat von Peet89Haben die USA nicht andere Probleme, als für so etwas Geld auszugeben?
Nicht, wenn's der Kriegsvorbereitung dient. Und mit einem Krieg kriegt man manche marode Wirtschaft wieder in Schwung ...
3. .
frubi 22.11.2010
Zitat von sysopEr ist beeindruckend groß - und seine Funktion streng geheim: Von einem Startplatz in Florida hat das US-Militär einen Spionagesatelliten ins All geschickt. Er ist Teil einer ganzen Flotte neuer fliegender Abhörzentralen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,730414,00.html
Und das alles benötigt man für die innere Sicherheit Amerikas? Man, man, man. Die müssen ja ordentlich Mist gebaut haben. Ansonsten wären ja nicht so viele Menschen derart erbost über das Verhalten Amerikas.
4. --
Baracke Osama, 22.11.2010
Zitat von Michael GiertzNicht, wenn's der Kriegsvorbereitung dient. Und mit einem Krieg kriegt man manche marode Wirtschaft wieder in Schwung ...
Also führt die Menscheheit Kriege nur um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, solange, bis kein Stein auf dem anderen steht. Aber dann braucht man auch keine Wirtschaft mehr.
5. --
Baracke Osama, 22.11.2010
Zitat von sysopEr ist beeindruckend groß - und seine Funktion streng geheim: Von einem Startplatz in Florida hat das US-Militär einen Spionagesatelliten ins All geschickt. Er ist Teil einer ganzen Flotte neuer fliegender Abhörzentralen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,730414,00.html
Alles nur zur unserer Sicherheit. Die Terroristen können jetzt nicht mehr eindfach so, unbelauscht, durch die Gegend telefonieren. 50 Millionen Amerikaner sind auf Essensmarken angewiesen, aber Kot drauf, ein Abhörsatellit ist viel wichtiger.
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