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Absturzstelle unbekannt: Ausgedienter Nasa-Satellit spurlos verschwunden

Der am Samstagmorgen abgestürzte US-Forschungssatellit "UARS" bleibt verschollen. Die Nasa konnte bislang weder die genaue Zeit des Absturzes noch den genauen Ort ermitteln. Augenzeugenberichte aus Kanada über Trümmerteile konnte die Weltraumbehörde nicht bestätigen.

US-Satelliten "UARS": 26 Bruchstücke könnten Erde erreicht haben Zur Großansicht
DPA/NASA

US-Satelliten "UARS": 26 Bruchstücke könnten Erde erreicht haben

Washington - Nach dem Absturz des ausgedienten Forschungssatelliten "UARS" dürfte der genaue Aufschlagsort vermutlich nie bekannt werden. Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde Nasa nehmen an, dass nahezu alle Teile des 20 Jahre alten Satelliten, die den Eintritt in die Erdatmosphäre überstanden haben, in den Pazifik gestürzt sind.

Nach unbestätigten Berichten sollen Trümmerteile über Kanada niedergegangen sein. Vor allem über Internetportale wie Twitter wurde über Trümmer im Nordwesten Nordamerikas spekuliert. Allerdings gebe es keine glaubhaften Berichte von Bruchstücken des sechs Tonnen schweren Satelliten auf der Erde, sagte der Chefwissenschaftler der Nasa für Weltraumschrott, Nick Johnson. Wären aber die eigenen Berechnungen über den Absturzzeitpunkt nur um fünf Minuten verfehlt, könnten Teile auch auf Land aufgeschlagen sein, sagte er.

Die Spekulationen im Internet beruhten vor allem auf Aussagen von Augenzeugen und sogar Videos, die abstürzende Teile des Satelliten zur Erforschung der oberen Schichten der Atmosphäre (Upper Atmosphere Research Satellit - UARS) nahe der Stadt Alberta in Kanada zeigen sollen. Das sei durchaus möglich, sagte Nasa-Sprecher Steve Cole. Die Flugbahn des Satelliten habe bei Vancouver in einem langen Bogen nach Norden und dann weiter Richtung Süden über den Atlantik nach Afrika geführt. Allerdings sei es unwahrscheinlich, dass er so weit gekommen sei.

Nach Angaben der Nasa und des Weltraumkommandos der US-Streitkräfte begann der Eintritt des Satelliten in die Atmosphäre zwischen 05.23 Uhr (MESZ) und 07.09 Uhr (MESZ) über dem Pazifik. Die Nasa rief etwaige Finder von Satellitenteilen auf, die Trümmer abzugeben. Sie seien Regierungseigentum, und sie zu behalten oder zu verkaufen, sei illegal.

Über 100 Einzelteile

Die US-Weltraumbehörde hatte zuvor berechnet, dass der sechs Tonnen schwere Satellit in mehr als 100 Einzelteile zerbrechen würde, von denen die meisten beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen würden. 26 große Bruchstücke mit einem Gesamtgewicht von 544 Kilogramm könnten jedoch laut Nasa die Erde erreicht haben, das schwerste davon etwa 140 Kilogramm. Die Gefahr, dass Menschen zu Schaden kommen könnten, sei aber sehr gering, hieß es vorab.

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Weltraumschrott: Rasende Geschosse im Orbit
Seit Beginn des Raumfahrtzeitalters ist noch nie ein Mensch durch herabfallende Trümmerteile verletzt worden. "UARS" war allerdings der größte Nasa-Flugkörper seit 32 Jahren, der unkontrolliert abstürzte. 1979 stürzte die 68 Tonnen schwere "Skylab"-Raumstation unkontrolliert auf die Erde und im selben Jahr der über neun Tonnen schwere Satellit "Pegasus 2". 2001 wurde die russische Raumstation "Mir" mit einem Gewicht von über 120 Tonnen kontrolliert zum Absturz gebracht. Sie verglühte großteils, und die Reste stürzten in den Pazifik.

2005 ging "UARS" der Treibstoff aus. Der Satellit war vor 20 Jahren von der Raumfähre "Discovery" ins All gebracht worden. Er wurde in Betrieb genommen, bevor Satelliten für den kontrollierten Wiedereintritt ausgerüstet wurden.

hda/dapd

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insgesamt 23 Beiträge
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1. underneath the radar
pffft 25.09.2011
schon seltsam ... die Nasa hat tolle Teleskope, Radar, teures Equipment. Und dann die US Airforce und andere US-Behörden, Stichwort "Raketenschutzschild" ... und dann verschwindet so ein Satellit, groß wie ein Bus (ich schreibe hier extra nicht "Schulbus", weil das eine US-Maßeinheit ist :-) )
2. Radioaktivität?
scharfrichter333 25.09.2011
"2005 ging "UARS" der Treibstoff aus." Was für einen Treibstoff hatte das Ding? Im Bericht deutet alles darauf hin, dass die Satellitenreste radioaktiv sind. Um sich vor Schadensersatzforderungen zu schützen, "weiß" die NASA nicht, wo er runtergegangen ist, hat aber zuvor berechnet, dass er in 100 Einzelteile zerfallen wird, die zumeist verglühen, und verbietet das Aufsammeln von Resten. Wieviel Radioaktivität ist denn in der Atmosphäre freigesetzt worden?
3. Spezialisten
dr.u. 25.09.2011
Und die gleichen Spezialisten, die zwar berechnen können, dass der Satellit in 100 einzeteile zerfallen wird, aber nicht in der Lage sind, die letzten Sekunden und Kilometer der Flugbahn zu überwachen, wollen Asteroiden und Meteore finden, die die Erde irgendwann mal treffen könnten? Gelächter, schallendes. Kein Wunder, dass nach und nach alle interessanten NASA Programme gestrichen werden und man auf die Privat-Industrie hofft. Angefangen beim Space Shuttle und bei der neuen Trägerrakete mit Orion Raumschiff noch lange nicht zu Ende. Aber das kommt davon, wenn man so viel von "Intelligent Design" hält. Vieleicht sollte man mal mehr Wert auf "Function", "Evolution" und "Development" legen...
4. .
Ing. Hans Maulwurf 25.09.2011
Zitat von scharfrichter333"2005 ging "UARS" der Treibstoff aus." Was für einen Treibstoff hatte das Ding? Im Bericht deutet alles darauf hin, dass die Satellitenreste radioaktiv sind. Um sich vor Schadensersatzforderungen zu schützen, "weiß" die NASA nicht, wo er runtergegangen ist, hat aber zuvor berechnet, dass er in 100 Einzelteile zerfallen wird, die zumeist verglühen, und verbietet das Aufsammeln von Resten. Wieviel Radioaktivität ist denn in der Atmosphäre freigesetzt worden?
Normalerweise setzt man bei Satelliten Hydrazin in Verbindung mit Salpetersäure als Treibstoff ein, ist zwar hochgradig ungesund, aber wie gesagt, der Sprit war verbraucht und würde sich wohl beim Absturz und den damit verbundenen Temperraturen zersetzen. Radioaktive Energiequellen wie beispielsweise Radioisotopenbatterien nutz man bei solchen erdnahen (oder besser sonnennahen) Satelliten nicht , da Solarzellen erheblich unkomplizierter sind. Denn die Radioaktivität muss schließlich abgeschirmt werden, Messgeräte mögen die nicht unbedingt ...
5. Abgestürzter Satellit zu verkaufen...
gsa 25.09.2011
In Schweden steht gerade ein gebrauchter, leicht demolierter Satellit zum Verkauf: http://www.blocket.se/blekinge/Begagnad_satellit__91_36268777.htm?ca=22&w=1 Könnte der das sein?
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