Gerade erst hat der US-Roboter "Opportunity" Beweise dafür gefunden, dass einst Wasser auf dem Mars floss - für die Nasa und die beteiligten Forscher ein großer Erfolg. Doch schon melden sich Wissenschaftler zu Wort, die den Sinn des Projekts grundsätzlich in Frage stellen.
"Wenn es da oben Wasser gibt - na und?", fragt der Soziologe Amitai Etzioni von der George Washington University, der einst James Carter als Berater für Innenpolitik diente. "Welchen Unterschied macht das für unser Leben?", wiederholt Etzioni ein altes Totschlagargument gegen die Raumfahrt. "Wird dadurch mehr Getreide wachsen oder eine Krankheit geheilt? Das erweitert nicht mal unseren Horizont."
Die bekannte US-Meeresbiologin Sylvia Earle beklagt: "Wir haben bessere Karten vom Mars als vom Ozeanboden." Die jüngsten Wasserfunde überraschen sie kaum: "Sie bestätigen, was viele von uns seit langem angenommen haben." Earle hat mehr als 50 Meeresexpeditionen geleitet und hält unter anderem den Tieftauchrekord für Frauen. Sie und der Soziologe Etzioni stufen die Weltmeere als das viel versprechendste Ziel wissenschaftlicher Erkundung überhaupt ein.
Viele Wissenschaftler halten George W. Bushs ehrgeizige Pläne für bemannte Flüge zu Mond und Mars für zu teuer. Der US-Präsident hatte Mitte Januar angekündigt, dass spätestens bis zum Jahr 2020 wieder ein Amerikaner auf dem Mond stehen werde. Kritiker fordern stattdessen, sich auf wirklich drängende wissenschaftliche Fragen zu konzentrieren, die das Leben auf der Erde betreffen.
Selbst unter Astronomen und innerhalb der Nasa sind die prestigeträchtigen Weltraumpläne umstritten, als deren erstes Opfer das Weltraumteleskop Hubble gilt. Die Nasa strich einen für 2006 geplanten Wartungsflug. Das äußerst erfolgreiche Teleskop wird deshalb lange vor 2010 seinen Dienst quittieren. Weltweite Proteste von Astronomen gegen den Beschluss zeigten keinerlei Wirkung.
"Spirit" findet ebenfalls Spuren von Wasser
Unterdessen hat der Nasa-Rover "Spirit" wie schon die Sonde "Opportunity" Hinweise auf Wasser auf dem Planeten entdeckt. Allerdings war die Landegegend von "Spirit" einst weit weniger feucht als "Meridiani Planum" auf der anderen Seite des Planeten. Dort war die Zwillingssonde "Opportunity" auf einen Boden gestoßen, der offensichtlich mit Wasser durchtränkt gewesen war. Nach Erkenntnissen der Nasa gab es einst so viel Wasser auf dem Mars, dass Leben möglich gewesen sein könnte.
Dies interessiert Kritiker der Raumfahrt-Projekte jedoch wenig. Die Ozeane verdienten weit mehr Aufmerksamkeit als vertrocknetes Geröll auf dem Mars, sagt Earle. Verschiedene Studien hätten ergeben, dass das Leben auf der Erde durch das Absterben der Ozeane gefährdet sei. Die Bestände vieler Fischarten seien dezimiert, etwa bei Tunfischen, Haien und Schwertfischen. Jedes zweite Korallenriff sterbe oder sei bereits tot. Über die Folgen steigender Meeresspiegel wisse man wenig, erklärte die Meeresbiologin.
Die Nasa verfügt über ein jährliches Budget von 15,5 Milliarden US-Dollar. Ihr Pendant für Meeresforschung, die "National Oceanic and Atmospheric Administration", muss sich mit 3,2 Milliarden Dollar begnügen. Im Jahr 2005 soll ihr Budget sogar um acht Prozent gekürzt werden, die Nasa bekommt hingegen fünf Prozent mehr.
Unterstützung bekommt die Nasa von Raumfahrtkritikern allein dafür, dass sie bei der Erforschung des Mars auf Roboter setzt. Mit solchen Automaten könnten künftig die Geheimnisse der Ozeane gelüftet werden, hofft auch die Biologin Earle.
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