"Astro Alex" Keine Zeit, um Geschenke zu besorgen

Fast 200 Tage hat Alexander Gerst im All verbracht, nun ist er wieder auf der Erde - und freut sich auf Weihnachten mit seiner Familie. Auf Geschenke müssen seine Lieben aber verzichten.


Wer denkt auch schon im Juni an Weihnachtsgeschenke? Der deutsche Astronaut Alexander Gerst freut sich nach seiner Rückkehr von der Internationalen Raumstation auf Weihnachten mit seiner Familie - Präsente habe er wegen seines Langzeitaufenthalts im All allerdings nicht besorgen können, sagte er nun in Köln. "Aber mir ist versichert worden, darauf kommt es dieses Jahr auch nicht an", so der 42-Jährige.

Gerst war am 6. Juni mit einer Sojus-Rakete zur ISS gestartet. Mehr als sechs Monate später, am 20. Dezember, kehrte er zur Erde zurück. Nun freue er sich auf ein Weihnachtsfest im Familienkreis. Er werde zwei Tage zu Hause verbringen. "Ich freue mich wirklich sehr, dass ich die Zeit mit meiner Familie habe", sagte Gerst.

Doch auch über die Feiertage müsse er weiter trainieren. Nach der Landung brauchten die Raumfahrer zunächst Hilfe, um aus der Kapsel zu gelangen. Wegen der Schwerelosigkeit sind die Muskeln erschlafft, und der Körper muss sich erst wieder an die Erdanziehung gewöhnen. Daher stünden nun "Liegestütze unter dem Weihnachtsbaum" auf seinem Programm.

Probleme beim Tasse anheben

Zudem muss Gerst in den kommenden Tagen mit einigen Anpassungsschwierigkeiten rechnen. "Beim Anfassen von Tassen, beim Heben von Dingen, aber auch beim um die Kurve Gehen kann es durchaus noch mal kleinere Malheurs geben, einfach weil der Körper eine andere Reaktion erwartet als dann stattfindet", sagt der Leiter der Astronautenausbildung bei der Europäischen Weltraumorganisation (Esa), Rüdiger Seine.

Gerst wird in den nächsten Tagen auch einen Chauffeur benötigen. "Er wird nicht selber Auto fahren können", so Seine. Der Grund: Nach der Rückkehr aus der Schwerelosigkeit könnte Gersts Gleichgewichtsorgan gestört sein.

Während seines zweiten Langzeitaufenthalts auf der ISS hatte der deutsche Astronaut an rund 200 Experimenten gearbeitet. Zum Forschungsprogramm von Gersts Mission "Horizons" zählten 65 Esa-Experimente, von denen wiederum 41 aus Deutschland stammten.

Gerst hatte bereits 2014 im Zuge seiner damaligen Mission "Blue Dot" einen Langzeitaufenthalt auf der Raumstation absolviert. Insgesamt hat der als "Astro-Alex" populär gewordene 42-Jährige nun insgesamt 363 Tage an Bord der Raumstation verbracht - so viel wie kein deutscher Astronaut vor ihm. Anfang Oktober übernahm er zudem als erster Deutscher und zweiter Europäer das Kommando der ISS.

Nächstes Mal zum Mond?

Weitere Raumflüge schließt Gerst nicht aus. Er stehe weiterhin als Astronaut zur Verfügung, sagte der Baden-Württemberger aus Künzelsau. Sollte Gerst wieder ins All fliegen, könnte es beim nächsten Mal sogar zum Mond gehen.

Über einen weiteren Einsatz müsse aber die Europäische Raumfahrtbehörde Esa entscheiden, zu deren Korps Gerst gehört. "Ich habe ja auch noch weitere Kollegen, die jetzt auch erstmal wieder dran sind", sagte Gerst. Er freue sich etwa darauf, den deutschen Astronauten Matthias Maurer fliegen zu sehen und zu unterstützen.

koe/AFP/dpa

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