Deutscher Astronaut im Livestream Alltagsleben im Modul "Harmony"

Schwebend schlafen, Experimente vorbereiten - und Fußball schauen: Eine Woche lebt Alexander Gerst jetzt in der Internationalen Raumstation. Im Video berichtet der deutsche Astronaut über seinen Job im All.


Durchgeschlafen habe er nicht, sagt Deutschlands Astronaut. In den ersten Nächten an Bord der Internationalen Raumstation ISS sei er mehrfach aufgewacht. "Man hat keinen Kontakt zum Kopfkissen, zum Bett. An die Schwerelosigkeit rund 400 Kilometer über der Erde müsse er sich noch gewöhnen.

"Noch etwas ungewohnt, im Schlaf zu schweben", sagt er. In einer Live-Übertragung gab er am Donnerstag Einblicke in die Arbeit im All.

Der Geophysiker aus Künzelsau in Baden-Württemberg hatte seine rund halbjährige Mission auf dem Außenposten der Menschheit am vergangenen Donnerstag begonnen. Auf der ISS arbeiten derzeit außer ihm drei Russen und zwei Amerikaner. Gerst wohnt im westlichen Teil der Station, dem Modul "Harmony". Die derzeit sechs Besatzungsmitglieder der ISS haben jeweils eine kleine Kammer, etwa so groß wie eine Telefonzelle. An den dort oben üblichen Instant-Kaffee habe er sich gewöhnt, erzählt der 38-Jährige.

Doch Alltägliches bereitet mitunter Probleme: Kam der Stift abhanden, blickt Alexander Gerst zu Boden, um ihn zu suchen. "Das ist tatsächlich mein erster Impuls, auf den Boden zu schauen". Dann fällt ihm ein, dass er in der Schwerelosigkeit des Weltraums lebt. "Der Stift schwebt irgendwo im Dreidimensionalen rum. Man verliert einfach Dinge", sagt Gerst.

WM-Gefühl im Orbit

Sechs Jahre nach dem letzten Deutschen auf der ISS, Hans Schlegel, hisste Gerst die deutsche Flagge auf dem Außenposten der Menschheit. Der Geophysiker befestigte sie in einer Ecke mit russisch-orthodoxen Ikonen und einem Foto von Weltraumpionier Juri Gagarin. Dort hängen auch Länderflaggen seiner Kollegen Maxim Surajew aus Russland und Reid Wiseman aus den USA.

Gerst begann nach seiner Ankunft gleich mit der Arbeit: Er habe zunächst einige Experimente vorbereiten müssen. Etwa hundert wissenschaftliche Arbeiten im All sollen vor ihm liegen. Einer der Höhepunkt ist der Elektromagnetische Levitator: ein neuer Ofen, in dem Metallproben geschmolzen werden, ohne dass sie die Wände des Gefäßes berühren. Die Erkenntnisse sollen bei der Fertigung von Motoren oder Turbinen helfen, erklären die Forscher. Zudem untersuchen die Wissenschaftler, wie sich Pflanzen in Schwerelosigkeit verhalten.

Am Wochenende wird auf der ISS aufgeräumt und geputzt und die Crew hat mehr Freizeit als während der Woche. Auch Fitnesstraining und medizinische Tests stehen auf dem Programm: Gerst nimmt sich selbst Blut ab für Versuche zum menschlichen Immunsystem.

Neben der Forschungsarbeit und emotionalen Eindrücken kam aber auch Irdisches zur Sprache. Er hoffe zur Fußball-Weltmeisterschaft auf ein WM-Gefühl im Orbit, sagte Gerst. "Ich freue mich natürlich auf die WM und habe schon mit der Bodenkontrolle ausgemacht, dass ich vielleicht ab und zu eine Aufzeichnung eines Spiels hoch kriege. Und wenn ich Glück habe, dann eventuell auch mal ein Live-Event."

Sehen Sie hier die kontinuierliche Live-Übertragung aus der Internationalen Raumstation:

Broadcast live streaming video on Ustream

boj/dpa

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