Assistenzroboter "Cimon" Astronaut Gerst testet neuen Kollegen

Noch war die Liste der Aufgaben überschaubar - aber der erste Test scheint geklappt zu haben. Der Assistenzroboter "Cimon" und Astronaut Alexander Gerst hatten ihren ersten gemeinsamen Auftritt auf der Internationalen Raumstation.

Assistenzroboter "Cimon" und Alexander Gerst
ESA

Assistenzroboter "Cimon" und Alexander Gerst


Treffen sich ein Astronaut und ein schlafender Roboter auf der Internationalen Raumstation. Sagt der Astronaut "Wach auf!", sagt der Roboter "Was kann ich für Dich tun?". Was klingt wie der Anfang eines möglichen Witzes, hat sich am Mittwoch genau so auf der ISS zugetragen. Esa-Astronaut Alexander Gerst hat bei einem 90-minütigen Experiment erstmals den Assistenzroboter "Cimon" ausprobiert - erfolgreich, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Europäische Weltraumorganisation (Esa) und die Herstellerfirma Airbus am Freitag quasi zeitgleich berichteten.

"Cimon" - der Name soll an "Professor Simon Wright", den robotischen Assistenten, das "fliegende Gehirn", aus der japanischen Science-Fiction-Serie "Captain Future" erinnern. Mit dem in Deutschland entwickelten und gebauten Gerät geht es darum, Technik zur Unterstützung von Astronauten bei Routineaufgaben zu entwickeln - damit diese ihre teure Arbeitszeit möglichst effektiv nutzen können.

Bis dahin ist es freilich noch ein längerer Weg. Im ersten Experiment zeigte "Cimon" aber zumindest, dass er autonom im "Columbus"-Labor der ISS navigieren konnte, mehrere Drehungen und Bewegungen inklusive - dank zwölf kleiner Ventilatoren an Bord.

Außerdem gelang es dem Roboter den Meldungen zufolge, das Gesicht von Astronaut Gerst zu suchen und Augenkontakt aufzunehmen. Als Demonstration seiner Assistenzfähigkeiten zeigte er außerdem auf einem Display in der Mitte der Kugel die Anleitung für ein Schüler-Experiment zur Kristallbildung, spielte einen Musiktitel ab - und machte ein Video und ein Foto von Gerst.

"Es ist ein unglaubliches Gefühl und eine wahnsinnige Freude zu erleben, dass 'Cimon' wirklich sieht, hört, versteht und spricht. Dieser erste echte Einsatz im All bedeutet für uns ein Stück Raumfahrtgeschichte und stellt den Beginn für einen hoffentlich langen Einsatz auf der ISS dar", sagt Projektleiter Christian Karrasch vom DLR.

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Astronautenassistent "Cimon": Fliegende Alexa

Im Moment ist es allerdings so, dass "Cimon" noch auf Computerkapazität am Boden angewiesen ist, um seine Aufgaben zu erfüllen. Dabei werden etwa die Sprachdaten einer Frage per Satellit zur Erde gefunkt - und dort von einem IBM-Rechner interpretiert. Erst dort sollen Inhalte und Kontext sowie Intention einer Frage oder Anweisung analysiert werden. Die Antwort wird dann zur ISS zurückgeschickt.

Astronaut Alexander Gerst ist seit dem 8. Juni 2018 auf der Raumstation und dort aktuell sogar Kommandant. Seine Rückkehr zur Erde ist derzeit für den 20. Dezember geplant. Sie hatte sich wegen des Fehlstarts zweier Raumfahrer in ihrer "Sojus"-Kapsel verzögert. Deswegen ist die ISS-Besatzung derzeit auch nur zu dritt. Plus "Cimon", natürlich. Wobei der nach seinem ersten Einsatz erst einmal wieder schläft. Er soll aber auch nach Gersts Rückflug auf der Station bleiben und von weiteren Esa-Raumfahrern genutzt werden.

chs



insgesamt 3 Beiträge
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christian-1967 16.11.2018
1. Was heißt hier: "Cimon" ist noch auf Computerkapa. am Boden angewiesen
Genau das ist es, was es ja umso faszinierender macht. Die Rechnerkapazität resp. KI an Bord der ISS zu haben wäre zu aufwendig, zu schwer und nur dort verwendbar. Cimon selbst ist "nur" das Device vor Ort und inzwischen sind die Latenzzeiten (Verzögerungen) so niedrig und die Übertragungsgeschwindigkeit so hoch, dass die "Intelligenz" von Cimon (die ja auf Watson von IBM beruht) in einem Rechenzentrum bleiben kann. Übertragungsgeschwindigkeiten und Cloud sind die Haupttechnologien, zentrale Rechnerkapazität und Künstliche Intelligenz an die verschiedenste Orte zu bringen, sie also mobil und "everywhere" verfügbar zu machen. Oder glauben Sie, dass die Rechner die für Alexa, Siri, etc. vor Ort in diesen kleinen Geräten steckt? Mit 5G Übertragung wird diese Entwicklung noch rasant beschleunigt.
Cugel 16.11.2018
2. Nicht mehr lange...
...und ein paar von den Dingern, mit jeweils einem halben Dutzend Ärmchen dran, genügen, um sich die ganze aufwendige Lebenserhaltung auf der ISS zu sparen.
Danares 17.11.2018
3. Simon Wright
Simon Wright war kein "robotischer Assistent", sondern das Gehirn eines Wissenschaftlers, einem Freund von "Captain Futures" Eltern, der sich nach deren Tod um ihn gekümmert hat und dessen Gehirn vom Körper getrennt und in einen (anfangs nicht fliegenden) Behälter transferiert worden war. Die passendere Bezeichnung für ihn wäre eher "kybernetischer Mentor". Ein Roboter kam als Muskel (und in der Serie auch Techniker) des Teams ebenfalls vor und hieß Grag.
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