Astronaut Gerst wieder auf der Erde Tapsige Rückkehr in den Alltag

Der Astronaut Alexander Gerst ist nach 200 Tagen im All auf der Erde gelandet, jetzt folgen medizinische Untersuchungen. Mit kleinen Alltagspannen muss Gerst rechnen - etwa beim Halten von Tassen.


Der deutsche Raumfahrer Alexander Gerst hat nach seiner Landung auf der Erde die ersten Medizinchecks hinter sich gebracht, weitere werden folgen. Nach ärztlicher Untersuchung sei die Besatzung der Sojus-Kapsel "MC-9" mit einem Hubschrauber nach Karaganda in Kasachstan geflogen, schrieb Dmitri Rogosin, Leiter der Raumfahrtbehörde Roskosmos, am Donnerstag auf Twitter. Später geht es weiter nach Deutschland.

Der 42-Jährige Gerst war zuvor mit seinem russischen Kollegen Sergej Prokopjew und der US-Astronautin Serena Auñón-Chancellor in Zentralasien gelandet. Sie hatten sich fast 200 Tage auf der Internationalen Raumstation ISS aufgehalten. "Zum ersten Mal wieder den Geruch vom Schnee und von der Erde, das ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man das ein halbes Jahr nicht gehabt hat", sagte Gerst nach seiner Ankunft.

Nun trennt sich die Crew. Der russische Kosmonaut fliege in die Nähe von Moskau. Für Gerst und Auñón-Chancellor geht es zunächst in einem Flugzeug der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa nach Norwegen. Von dort reist der deutsche Raumfahrer weiter nach Deutschland. Gerst wird um 20:45 Uhr am Flughafen Köln/Bonn erwartet. Die US-Astronautin fliegt zurück in ihre Heimat.

Nach der Landung brauchten die Raumfahrer zunächst Hilfe, um aus der Kapsel zu gelangen. Wegen der Schwerelosigkeit sind die Muskeln erschlafft, und der Körper muss sich erst wieder an die Erdanziehung gewöhnen.

Umstellung des Körpers

In den kommenden Tagen muss Gerst zahlreiche medizinische und wissenschaftliche Untersuchungen über sich ergehen lassen. "Bis Weihnachten kommen auf Alexander Gerst noch mal einige harte Tage zu, wo wir ein sehr eng getaktetes Programm haben", sagt der Leiter der Astronautenausbildung bei der Europäischen Weltraumorganisation, Rüdiger Seine. Die ersten paar Tage nach der Rückkehr seien "wichtig" für die Umstellung des Körpers und der Körperfunktionen.

Rüdiger Seine zufolge war Gerst nach der Landung in der kasachischen Steppe "putzmunter". "So wie er aussah, erwarte ich, dass er keine großen Schwierigkeiten haben wird."

Einige Anpassungsschwierigkeiten an die Schwerebedingungen der Erde seien in den nächsten Tagen normal. "Beim Anfassen von Tassen, beim Heben von Dingen, aber auch beim um die Kurve gehen kann es durchaus noch mal kleinere Malheurs geben, einfach weil der Körper eine andere Reaktion erwartet als dann stattfindet."

Nicht selbst Auto fahren

Am Freitag beginne Gersts Arbeitstag um 6 Uhr morgens mit zahlreichen Tests und einer ersten Physiotherapie-Einheit. Nach einem 12-Stunden-Tag ist um 18 Uhr Feierabend für den Raumfahrer.

Die Weihnachtsfeiertage werde Gerst mit Freunden und Familie verbringen - wo, verriet Seine nicht. Fest steht: Gerst wird in den nächsten Tagen einen Chauffeur benötigen. "Er wird nicht selber Auto fahren können." Das liege daran, dass nach der Rückkehr aus der Schwerelosigkeit noch Auswirkungen auf das Gleichgewichtsorgan auftreten können.

Am 27. Dezember gehe es dann weiter mit wissenschaftlichen Experimenten, die mit den Daten aus der Raumstation verglichen werden sollen.

Gerst war am 8. Juni auf der ISS angekommen. Er ist nicht nur der erste deutsche Kommandant auf der Internationalen Weltraumstation. Sein anderer Rekord: Kein Deutscher war bisher so lange im All wie Gerst, insgesamt fast ein Jahr.

dpa/boj

insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
herumnöler 20.12.2018
1. Noch nie ...
... wurde in Medien mal erklärt, was Gerst in der ganzen Zeit Produktives getan hat. Wir hören immer nur Geschichten von seinem Wohlbefinden und seinen romantisch verklärten Botschaften "aus dem All", wobei er nur wenige Kilometer entfernt ist. Also: Was treibt die Raumfahrt an? Ich fürchte: Nichts davon ist realistisch. Nie hat jemand einmal eine Kosten-/Nutzen-Analyse durchgeführt. Alles nur Kinderträume.
hm2013_3 20.12.2018
2. ich könnte das nie
da ich Raumangst habe. Für jede schwere Aufgabe sind immer die richtigen Menschen auffindbar. Ich kann nur sagen, willkommen auf der Erde zurück Herr Gerst. Wäre es keine Weihnachten dazwischen, wären Sie bestimmt länger unter Kontrolle; deswegen frohe Weihnachten mit Ihrer Familie.
mundusvultdecipi 20.12.2018
3. Heute im Mittagsmagazin..
Zitat von herumnöler... wurde in Medien mal erklärt, was Gerst in der ganzen Zeit Produktives getan hat. Wir hören immer nur Geschichten von seinem Wohlbefinden und seinen romantisch verklärten Botschaften "aus dem All", wobei er nur wenige Kilometer entfernt ist. Also: Was treibt die Raumfahrt an? Ich fürchte: Nichts davon ist realistisch. Nie hat jemand einmal eine Kosten-/Nutzen-Analyse durchgeführt. Alles nur Kinderträume.
..wurde das selbe hinterfragt.Die Kosten für Deutschland an der ISS Mission betragen im Jahr ca.190 Millionen.90 % davon gehen für den Betrieb der ISS drauf.10% bleiben für Experimente .die aber meist nicht von den Astronauten getätigt werden.Ein Astrophysiker sagte,dass der ganze Aufwand völlig sinnlos sei.Dem möchte ich mich anschliessen!
hummelflug 20.12.2018
4. Versuch einer Antwort
Zitat von herumnöler... wurde in Medien mal erklärt, was Gerst in der ganzen Zeit Produktives getan hat. Wir hören immer nur Geschichten von seinem Wohlbefinden und seinen romantisch verklärten Botschaften "aus dem All", wobei er nur wenige Kilometer entfernt ist. Also: Was treibt die Raumfahrt an? Ich fürchte: Nichts davon ist realistisch. Nie hat jemand einmal eine Kosten-/Nutzen-Analyse durchgeführt. Alles nur Kinderträume.
Die meisten Experimente auf der ISS beschäftigen sich mit dem Verhalten biologischer Systeme (also auch des Menschen) unter Weltraumbedingungen über längere Zeit. Das muss man wissen, wenn man z.B. zum Mars fliegen will. Dafür ist dann die ISS ein unumgänglicher Zwischenschritt. Hält man die Reise zum Mars (oder darüber hinaus) aber für Unsinn, weil wir (im Gegensatz zu Columbus) ja schon wissen, was wir dort vorfinden werden, kann man gerne auch auf die ISS verzichten. Als Station zum eigenen Zweck macht sie in der Tat wenig Sinn, außer für die Politik (Prestige) und die Medien (Rummel).
spon-41d-frm9 20.12.2018
5. Willkommen zurück ...
... und frohe Weihnachten auf unserer wunderbaren Erde! Gott sei dank hat alles geklappt
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