Trinkende Raumfahrer Tricks gegen das All-koholverbot

Im Weltraum gilt striktes Alkoholverbot, doch russische Kosmonauten wollen nicht auf ihn verzichten. Sie schmuggeln ihre Drinks als Saft oder "armenische Soße" etikettiert in die Umlaufbahn.

Corbis

Eigentlich ist das Thema Alkohol im Weltraum tabu. Doch Raumfahrer, die ihre aktive Zeit hinter sich haben, verraten schon mal Tricks, mit denen sich das Verbot umgehen lässt - schließlich gehört bei den Russen traditionell Hochprozentiges zum Leben, wo immer es auch stattfindet.

Den ersten Alkohol hat Jurij Gagarin am 12. April 1961 ins All mitgenommen - allerdings ganz legal. Eine seiner 63 Verpflegungstuben enthielt armenischen Weinbrand, auf seine Anregung hin. Der Kosmonaut hatte bemängelt, dass es im Notfallset nichts gab, womit man eine Wunde reinigen könnte. "Dann nehmen wir eben Cognac", schlug der Kosmonaut vor. Der könne ja die Bordverpflegung ergänzen.

Probiert hat Gagarin den Schnaps aus der 160-Gramm-Tube aber nicht bei seinem Flug, der fernab vom geplanten Zielgebiet auf einem Sturzacker bei Saratow an der Wolga endete. Ein Feldwebel einer Raketendivision, der die Landekapsel bewachen sollte, stahl die Tube mit dem bunten Etikett und trank sie einfach aus, wie aus jüngst veröffentlichten Geheimprotokollen hervorgeht.

Richtig begonnen hat der Alkoholschmuggel in den Siebzigerjahren mit den immer länger werdenden Flügen in den "Salut"-Raumstationen. Die Bodenmannschaften sahen es teils als Freundschaftsdienst, ließen sich aber auch in Dollar bezahlen. Das wochenlange Eingesperrtsein auf engstem Raum führte schon mal zu Stress und Spannungen unter den Besatzungen. Da bot sich Alkohol als prophylaktisches Mittel an, wie selbst die Mediziner einräumten - allerdings in kleinen Dosen. Zu Saufgelagen ist es nie gekommen.

Eine Flasche Cognac im Sportdress

Wie Kosmosveteran Georgij Gretschko, 83, jetzt in einem Buch berichtet, kam seine erste Begegnung mit Alkohol auf der Umlaufbahn eher unerwartet. Als er Mitte Dezember 1977 mit seinem Kollegen Jurij Romanenko zu einer knapp 100-tägigen Mission in der "Salut"-Station eintraf, sei ihnen eine Eineinhalbliterflasche mit dem Energydrink "Eleuterokokk" entgegengeschwebt, die im Sportzeug versteckt war. Als er naiv bei der Bodenstation nachgefragt habe, was denn der Zusatz "K" auf dem Etikett bedeute, habe man ihm belustigt erklärt, das stehe für "Konzentrat". Bei der ersten Kostprobe habe sich dann herausgestellt, dass es sich um Cognac handelte - ein Gruß von der Erde für das russische Weihnachts- und Neujahrsfest.

Die Männer hätten sich die Flasche dann für jeden Flugtag in 7,5-Gramm-Portionen eingeteilt, die sie abends vor dem Schlafengehen eingenommen hätten. Nach seiner Rückkehr zur Erde habe er im Gesundheitsministerium und beim Chef des Instituts für Medizinisch-Biologische Probleme (IMBP) dafür geworben, Alkohol als Medikament gegen Stress, Halsbeschwerden, Zahnprobleme und andere Wehwehchen zuzulassen - und sogar grundsätzlich Zustimmung dafür gefunden. Doch dann hätten die Bürokraten in allerletzter Minute einen Rückzieher gemacht. Allerdings wird das Verbot seither nicht mehr gar so strikt gehandhabt.

Wunder an Erfindungsgeist

Die "kosmischen Schmuggler" vollbrächten indes "Wunder an Erfindungsgeist", staunte Gretschko, der zwischen 1975 und 1985 dreimal im All war. So wurde die Schmuggelware schon mal in einem ausgehöhlten Bordjournal, in Weltraumanzügen, Wasserkanistern und Verpflegungspaketen versteckt oder als Saft, "armenische Soße" und medizinisches Material getarnt.

Mit der Raumstation "Salut 7" wurden 1982 sogar offiziell Dutzende kleiner Flaschen mit 25 Jahre altem armenischem Weinbrand hinter Paneelen und in Geräteboxen versteckt in die Umlaufbahn geschossen. Wenn dann an Bord einmal eine Krisensituation drohte, habe man die Männer außerplanmäßig mit einer Reparaturarbeit beauftragt, bei der sie dann - wie Kinder die Ostereier - überraschend den Alkohol als Belohnung fanden.

Waren die Vorräte erschöpft, haben die Kosmonauten auch Saft so lange überlagern lassen, bis der zu gären anfing. Ein gängiges Spiel ist inzwischen offenbar auch, Neuankömmlinge nur dann in die Station umsteigen zu lassen, wenn sie sich mit einer Flasche freikaufen.

Ob sich auch die westlichen Astronauten, die seit Anfang der Achtzigerjahre mit den Russen unterwegs sind, mal ein Schnäpschen genehmigen, ist nicht verbürgt, zumal die Amerikaner das Alkoholverbot sehr strikt befolgen. Die Kosmonauten aus den sozialistischen "Bruderländern", so auch Sigmund Jähn aus der DDR, haben aber nachweislich mit ihnen angestoßen, sicher um die "unverbrüchliche Freundschaft" auch im All zünftig zu besiegeln.

Na dann weiter so: "Na sdorowje!" - "Auf die Gesundheit!"

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
StörMeinung 26.08.2014
1. Schaut mal ins eigene Archiv!!!!
" zumal die Amerikaner das Alkoholverbot sehr strikt befolgen." SPON Schreiberlinge, guckt doch einfach in Euer eigenes Archiv!!!! http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/alkohol-im-all-russen-halten-sojus-crew-fuer-trocken-a-497167.html "Aus seiner internen Untersuchung über die Gesundheit und psychische Verfassung des Shuttle-Personals hatte die Zeitschrift "Aviation Week & Space" vorab berichtet. Nachdem auch die Raumfahrtbehörde Nasa selbst "Vorkommnisse" eingeräumt hatte, schaltete sich gar der US-Kongress ein." "Unterdessen darf gerätselt werden, welcher US-Astronaut betrunken in die Sojus-Kapsel gestiegen ist, sollten die Behauptung Bachmanns tatsächlich zutreffen."
Layer_8 26.08.2014
2. Cognac - Wodka
Und wenn die Raumfahrt in Italien oder Frankreich erfunden worden wäre, gäbs bestimmt immer Rotwein im Inertialsystem. Die Amis waren halt schon immer sehr puritanisch :D
imZweifel-richtig 26.08.2014
3. Was hier so
ist eigentlich weniger lustig. Zur Verdeutlichung: Man stelle sich vor, der Artikel handele von Zigaretten statt Alkohol. In Anbetracht der Tatsache, dass Alkoholmissbrauch der Hauptgrund für die erbärmlich niedrige Lebenserwartung russischer Männer ist, sollte man das Ganze nicht verharmlosen.
expendable 26.08.2014
4. Hackevoll...
...im Orbit, so stelle ich mir die ultimative Party vor. Glückliche Russen!
vardanyan 26.08.2014
5. Gute Werbung für armenischen Weinbrand!
Das ist eine gute Werbung für armenischen Weinbrand! Übrigens man kann es in Deutschland in den zahlreichen russischen Geschäften kaufen.
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