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Allumfassende Pläne: Sarkozy will Europa zum Mars führen

Der Ehrgeiz von Frankreichs Präsident Sarkozy erstreckt sich bis ins Weltall: Die EU soll eine eigenständige Raumfahrtmacht bleiben und mehr Geld für militärische Projekte ausgeben. Der "Hyperprésident" will europäische Astronauten gar auf dem Mars sehen.

Kourou - "Es kommt nicht in Frage, unsere Anstrengungen oder unseren Ehrgeiz im Bereich der Raumfahrt zu verringern", sagte Sarkozy bei einem Besuch am europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana. Europa müsse eine eigenständige Raumfahrtmacht bleiben. Frankreich, das im zweiten Halbjahr die EU-Ratspräsidentschaft innehat, werde den EU-Partnern eine "vernünftige und schlüssige Raumfahrtstrategie" vorschlagen, sagte Sarkozy. Teil davon sei eine stärkere Zusammenarbeit mit den USA insbesondere bei der Erforschung des Planeten Mars.

Europäische "Ariane 5" beim Start vom Weltraumbahnhof Kourou: Sarkozy hegt ehrgeizige Pläne für EU
AFP

Europäische "Ariane 5" beim Start vom Weltraumbahnhof Kourou: Sarkozy hegt ehrgeizige Pläne für EU

Im zivilen Bereich könne Europa in der Raumfahrt nur gemeinsam überhaupt Projekte angehen, betonte Sarkozy. Für einzelne Staaten seien diese zu teuer. In vier Bereichen solle die EU stärker zusammenarbeiten: In der Satellitenortung, der Erdbeobachtung, bei Maßnahmen gegen den Klimawandel und in der Erforschung des Alls. Sarkozy schlug vor, Kourou zu einer "echten Einrichtung der Europäischen Union" zu machen. Bisher gehört der Startplatz dem französischen Zentrum für Weltraumstudien (CNES) und wird an die europäische Raumfahrtbehörde Esa verliehen.

Zugleich betonte Sarkozy, nicht in Konkurrenz zu den USA treten zu wollen. Es komme nicht in Frage, dass die EU versucht, "die USA zu imitieren" oder ein ähnliches, rein europäisches Programm auflegt wie die Vereinigten Staaten in den sechziger Jahren für die Landung auf dem Mond.

Sarkozy verwies zugleich auf die militärische Raumfahrt, bei der Europa Anstrengungen unternehmen müsse. Dies sei der Preis für "strategische Autonomie" und "die Handlungsfreiheit der europäischen Regierung". Mit Blick auf die Atommacht Frankreich selbst warb Sarkozy dabei für "eine entschlossene Erhöhung" des militärischen Raumfahrtbudgets. Dabei dürfte es insbesondere um Aufklärungs- und Spionagesatelliten gehen, bei denen Europa heute noch stark von den USA abhängig ist.

US-Präsident George W. Bush hat ein ehrgeiziges Programm aufgelegt: Nach seiner "Vision zur Weltraumerforschung" soll die US-Raumfahrtbehörde Nasa bis 2020 zum Mond zurückkehren, dort eine permanente Basis aufbauen und später bemannte Flüge zum Mars unternehmen. Wissenschaftler haben die Pläne allerdings kritisiert: Manche halten das gesamte Programm für verfehlt, andere würden lieber direkt zum Mars fliegen - ohne den Umweg über den Mond.

mbe/AFP

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Nasa-Plan: Die Basis auf dem Mond


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