Alma-Observatorium Weltgrößtes Radioteleskop liefert erstes Bild

In Chile hat das weltgrößte Netzwerk von Radioteleskopen nach jahrelanger Planungs- und Bauzeit seine Arbeit aufgenommen. Die ersten Aufnahmen von zwölf der 66 Teleskope zeigen zwei kollidierende Galaxien in rund 70 Millionen Lichtjahren Entfernung.

REUTERS/ ALMA/ ESO/ NAOJ/ NRAO

Garching - Es ist noch nicht einmal fertig gebaut, doch der wissenschaftliche Betrieb hat bereits begonnen. Bereits jetzt ist das riesige Alma-Observatorium in der Atacama-Wüste im Norden Chiles das leistungsfähigste Teleskop seiner Art, wie die Europäische Südsternwarte (Eso) am Montag in Garching bei München mitteilte. In der Atacama-Wüste, eines der trockensten Gebiete der Erde, finden die Forscher den Angaben zufolge unübertroffene Beobachtungsbedingungen vor.

Alma steht für "Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array, es beobachtet das Universum bei Wellenlängen im Millimeter- und Submillimeterbereich. Die Astronomen können auf diese Weise sowohl extrem kalte Objekte - wie beispielsweise die dichten Wolken von interstellarem Gas und Staub, in denen sich neue Sterne bilden - als auch sehr weit entfernte Objekte im frühen Universum erforschen.

Bislang sind etwa ein Drittel der 66 geplanten Antennen auf dem 5000 Meter hoch gelegenen Chajnantor-Plateau errichtet. Die offizielle Eröffnung sei der Erfolg der Arbeit Tausender Menschen überall auf der Welt, sagte der Alma-Direktor Thijs de Graauw. Die ersten Aufnahmen von zwölf Teleskopen lieferten Bilder der Antennae-Galaxien, zwei kollidierenden Galaxien in rund 70 Millionen Lichtjahren Entfernung.

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Alma-Teleskop: 66 Späher in der Wüste Chiles
Man habe das beeindruckende System der Antennae-Galaxien als Testobjekt gewählt, weil der Prozess einer Kollision spektakulär sei, sagte Alison Peck vom National Radio Astronomy Observatory (NRAO). Das Bild setze sich aus mehreren Aufnahmen zusammen, die mit Antennen von verschiedenen Blickwinkeln aus gemacht wurden.

Alma kann strahlende Objekte im All zehnmal präziser beobachten als etwa das Very Large Array (VLA) im US-Bundesstaat New Mexico. Das Radioteleskop wurde unter anderem durch den Kinofilm "Contact" berühmt und besteht aus 27 Parabolantennen à 25 Meter Durchmesser. Anders als das VLA arbeit Alma in einem ziemlich unterbelichteten Gebiet der Radioastronomie, dem Millimeter- und Submillimeterbereich. Während das VLA Radiowellen mit einer Länge zwischen knapp einem Zentimeter und vier Metern auswertet, dringt Alma in Wellenlängen von 9,6 bis zu 0,3 Millimetern vor.

Das Teleskopnetzwerk war seit mehr als einem Jahrzehnt im Aufbau. Neben Chile sind die EU, die USA, Japan, Kanada und Taiwan an dem Projekt beteiligt. Die Teleskope sollen zum besseren Verständnis des Ursprungs von Sternen, Galaxien und des gesamten Universums beitragen.

hda/dpa/AFP



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