Angebliche Supernova Die Wahrheit über den Sternenknall

Sie leuchtet 20-mal greller als alle Sterne der Milchstraße zusammen: 2015 meinten Astronomen, die hellste Supernova erspäht zu haben. Jetzt haben Forscher die wahre Ursache der Explosion entdeckt.

Künstlerische Darstellung eines Schwarzen Lochs, das einen Stern zerreißt
ESA/ Hubble/ ESO/ M. Kornmesser

Künstlerische Darstellung eines Schwarzen Lochs, das einen Stern zerreißt


Ein plötzliches Aufflackern in einer knapp vier Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie hatten Astronomen im vergangenen Jahr registriert. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt.

Die Auswertung ergab, dass es dort plötzlich 20-mal heller leuchtete als alle Sterne in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, zusammen. Die Forscher gaben dem Ereignis die Katalognummer ASASSN-15lh und stuften es als extreme Supernova ein, bei der ein sehr massereicher Riesenstern explodiert war. Damit wäre es die hellste Supernova, die Astronomen je aufgezeichnet haben.

Doch die vermeintlich hellste Sternexplosion am irdischen Himmel war wohl gar keine Explosion. Stattdessen handelt es sich vermutlich um die Mahlzeit eines gigantischen Schwarzen Lochs, das eine ganze Sonne zerrissen hat. Diesen Schluss ziehen Astronomen aus der genauen Nachbeobachtung der Trümmerwolke, wie die Europäische Südsternwarte Eso in Garching bei München mitteilt.

Warum wurde es heißer statt kühler?

Schon damals gab es allerdings Schwierigkeiten, eine derart helle Sternexplosion mit den gängigen Theorien in Einklang zu bringen. Die genaue Nachbeobachtung des Ereignisses zeigte nun, dass auch die weitere Entwicklung des Phänomens nicht zu einer Supernova passt, wie ein internationales Team um Giorgos Leloudas vom israelischen Weizmann-Institut und dem dänischen Niels-Bohr-Institut im Fachblatt "Nature Astronomy" berichtet.

Unter anderem wurde die Trümmerwolke heißer statt kühler und flackerte im ultravioletten Licht erneut auf - beides Dinge, die von einem Supernova-Überrest nicht erwartet werden.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Ereignis vermutlich durch ein sich schnell drehendes, sehr massereiches Schwarzes Loch verursacht wurde, als es einen Stern niedriger Masse zerstört hat", erläuterte Leloudas in der Eso-Mitteilung. Demnach ist ein sonnenähnlicher Stern dem zentralen Schwarzen Loch seiner Heimatgalaxie zu nahe gekommen und von dessen gigantischer Schwerkraft in Stücke gerissen worden.

Die Trümmer sammeln sich in einer rotierenden Scheibe, die immer heißer wird, je näher sie dem Schwarzen Loch kommt. Kollidierende Trümmer und das starke Aufheizen der Scheibe führten in diesem Szenario zu dem beobachteten extremen Helligkeitsausbruch.

Zwar lasse sich auch dieses Szenario aus den Beobachtungsdaten nicht mit absoluter Sicherheit belegen, schränkte Leloudas ein. "Aber es ist mit Abstand die wahrscheinlichste Erklärung."

boj/dpa

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