Antares Forscher schießen schärfstes Bild eines Sterns

Antares ist rund 600 Lichtjahre von der Erde entfernt. Wissenschaftler konnten mit einem Trick jetzt das bisher beste Foto eines Sterns außerhalb unseres Sonnensystems machen - und stießen auf ein Rätsel.

Der rote Superriese Antares
ESO/ K. Ohnaka

Der rote Superriese Antares


Er ist das hellste Objekt im Sternbild des Skorpions: Antares befindet sich rund 600 Lichtjahre von der Erde entfernt und bildet das Herz des Sternbilds. Wegen seiner rötlichen Farbe wird der Stern oft mit dem Mars verwechselt. Daher auch sein Name. Antares bedeutet so viel wie Gegenmars. Die Römer nannten den griechischen Gott Ares Mars.

Nun ist Forschern eine spektakuläre Aufnahme des roten Überriesen gelungen. Es handle sich um das detaillierteste Bild eines Sterns fern unserer Sonne, schreiben sie im Fachblatt "Nature". Auf der Aufnahme entdeckten sie unerwartete Turbulenzen.

Der gewaltige Stern bringt es auf einen Durchmesser von beinahe 1000 Millionen Kilometer. Seine Masse beträgt etwa das Zwölffache unserer Sonne. Antares befindet sich im letzten Teil seines Lebenszyklus, bevor er in einer Supernova explodieren wird.

Virtuelles Teleskop

Mit Instrumenten des Very Large Telescope Interferometer (VLTI) der europäischen Südsternwarte (Eso) in Chile gelang es einem Team von Astronomen unter der Leitung von Keiichi Ohnaka jetzt, die Oberfläche des Sterns zu erfassen und Bewegungen darauf zu messen. Das VLTI kann das Licht von vier Teleskopen kombinieren. Mit diesem virtuellen Teleskop sind wesentlich feinere Details erkennbar als mit einem einzelnen Teleskop.

Auf den Aufnahmen entdeckten die Wissenschaftler von der Universidad Católica del Norte in Chile Unerwartetes: Sie fanden verwirbeltes Gas von geringer Dichte viel weiter von Antares entfernt als angenommen. Die Forscher schlossen, dass die Materie nicht von Strömungsbewegungen herrühren konnte. Ein neuer, bisher unbekannter Prozess müsse diese Bewegungen in der erweiterten Atmosphäre von roten Riesen wie Antares erklären.

"Wie Sterne wie Antares in der letzten Phase ihres Bestehens so schnell an Masse verlieren, war mehr als ein Jahrhundert lang eine Frage", sagte Ohnaka. Das VLTI sei die einzige Anlage, die die Gasbewegungen in der erweiterten Atmosphäre von Antares direkt messen könne. Damit sei ein wichtiger Schritt zur Klärung der Frage getan. Die nächste Herausforderung sei, herauszufinden, was die starken Turbulenzen verursache.

Eso-Video:

Ohnaka und sein Team nutzten das VLTI, um verschiedene Bilder der Oberfläche von Antares über ein schmales Spektrum von Infrarot-Wellenlängen zu machen. Anhand dieser Daten wurde die Differenz zwischen der Geschwindigkeit des atmosphärischen Gases an unterschiedlichen Stellen des Sterns und der Durchschnittsgeschwindigkeit auf dem gesamten Stern errechnet. Daraus konnte eine Übersicht über die relative Geschwindigkeit der atmosphärischen Gase über den gesamten Kreis von Antares erstellt werden.

Künftig könne die neue Observationstechnik genutzt werden, um die Oberfläche und Atmosphäre verschiedener Sternenformen in bisher nie dagewesenen Details zu betrachten. "Das war bisher nur bei unserer Sonne möglich", sagt Ohnaka. "Unsere Arbeit bringt eine neue Dimension in die stellare Astrophysik und öffnet ein komplett neues Fenster zur Sternenbeobachtung."

brt



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.