"Apollo"-Chronik Debakel, Erfolg und Langeweile

Das "Apollo"-Programm war die wohl größte technische Anstrengung der Menschheitsgeschichte. Bis zu 400.000 Menschen arbeiteten mit, um die USA als erste zum Mond zu bringen. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Schritte dorthin - und wie es nach der ersten Landung weiterging.

Neil Armstrong auf dem Mond (20. Juli 1969): Berühmter Satz über den kleinen Schritt für die Menschheit
AFP / Nasa

Neil Armstrong auf dem Mond (20. Juli 1969): Berühmter Satz über den kleinen Schritt für die Menschheit

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Apollo 1

Der Aufbruch zum Mond beginnt mit einem Debakel. Am 27. Januar 1967 ereignet sich bei Bodentests ein schweres Unglück. Die drei Besatzungsmitglieder Virgil Grissom, Edward H. White, Roger B. Chaffee verbrennen bei einer Routineübung in ihrer Kapsel. Nachträglich erhält die Mission den Namen "Apollo 1", der ursprünglich für einen unbemannten Testflug verwendet worden war.

Apollo 2

Die Mission am 5. Juli 1967 ist der erste Testflug einer unbemannten "Saturn 1B". Der Name "Apollo 2" wird nur inoffiziell verwendet.

Apollo 3

Der Start am 25. August 1967 ist der zweite Testflug für die "Saturn 1B". Der Name "Apollo 3" wird ebenfalls nur inoffiziell verwendet.

Apollo 4

Am 9. November 1967 startet erstmals die "Saturn V"-Rakete. Die transportiert ein leeres "Apollo"-Kommandomodul. Es wird nach seiner Rückkehr zur Erde aus dem Atlantik geborgen, gerade einmal 16 Kilometer von der geplanten Landestelle.

Apollo 5

Der unbemannte Start am 22. Januar 1968 dient zum Test der Mondlandefähre. Sie wird von einer "Saturn 1B" ins All gebracht. Es ist dasselbe Exemplar an dessen Spitze die "Apollo 1"-Astronauten fast ein Jahr zuvor verbrannt waren.

Apollo 6

Der Flug einer "Saturn V" 4. April 1968 ist der letzte unbemannte Flug. Dabei gibt es einige Probleme. Die Kapsel landet am selben Tag im Pazifik.

Apollo 7

Am 11. Oktober 1968 gibt es den ersten bemannten Start des "Apollo"-Programms. Eine "Saturn 1B" bringt Walter M. Schirra, Donn Eisele und Walter Cunningham für Tests ihres Raumschiffs in die Erdumlaufbahn. Es ist das erste Mal, dass eine Fernsehlkamera an Bord eines US-Raumschiffs ist. Sie sorgt für die ersten US-Livebilder aus dem All. Die Crew leidet übrigens während des Fluges an einer Erkältung.

Apollo 8

Der erste bemannte Start der "Saturn V"-Rakete am 21. Dezember 1968 bringt Frank Borman, James A. Lovell und William Anders zum Mond. Allerdings landen sie dort nicht, sondern fliegen nach insgesamt zehn Umkreisungen wieder zurück. Die "Apollo 8"-Astronauten sind dabei die ersten Menschen, die die Rückseite des Mondes sehen. Die Crew liest bei einer Fernsehübertragung aus der biblischen Schöpfungsgeschichte vor.

Apollo 9

Nicht ganz so weit wie zuvor ihre Kollegen dürfen James McDivitt, David R. Scott, Russell L. Schweickart bei dieser Mission fliegen. Sie starten am 3. März 1969 mit einer "Saturn V". Sie testen in der Erdumlaufbahn eine Kommandokapsel ("Gumdrop") und eine Mondlandefähre ("Spider"). Dabei gibt es auch einen Weltraumspaziergang

Apollo 10

Diese Mission, gestartet am 18. Mai 1969, kommt so nah an den Mond heran wie noch niemand zuvor. Einzig die Landung fehlt. Tom Stafford und Eugene Cernan nähern sich beim Test des Landemoduls ("Snoopy") der Oberfläche bis auf etwa 15 Kilometer. John W. Young bleibt währenddessen im Kommandomodul ("Charlie Brown"). Die Astronauten der Mission senden zum ersten Mal Farbfersehbilder live aus dem All - und landen sicher wieder auf der Erde.

Apollo 11

Die Mission mit dem berühmten Satz über den kleinen Schritt für die Menschheit. Am 16. Juli 1969 bricht die Besatzung von "Apollo 11" zur ersten Mondlandung auf - und alles läuft wie am Schnürchen. Neil Armstrong und Edwin Aldrin fliegen mit der Landefähre "Eagle" zum Mond, Michael Collins muss vom Kommandomodul "Columbia" aus zusehen. Auf den letzten Metern des Anflugs gibt es Probleme, die aber gelöst werden. Armstrong macht im Meer der Ruhe den berühmtesten Schritt der Menschheitsgeschichte. Für den neidischen Aldrin bleibt nur der zweite Platz. Nach 22 Stunden auf dem Mond geht es wieder zurück nach Hause. Dort werden die Helden von "Apollo 11" Crew erst einmal 17 Tage in Quarantäne genommen - aus Angst vor außerirdischen Lebensformen, die sie mitgebracht haben könnte.

Apollo 12

Kurz nach dem Start am 14. November 1969 gibt es einige Schrecksekunden. Das Raumschiff wird zweimal von Blitzen getroffen, doch die meisten Probleme lassen sich lösen. Charles Conrad und Alan L. Bean landen einige Zeit später mit der Fähre "Intrepid" im Oceanus Procellarum auf dem Mond - gerade einmal gut 160 Meter von der 1967 gestarteten US-Sonde "Surveyor 3". Richard Gordon zieht währenddessen im Raumschiff "Yankee Clipper" seine Runden. Zum ersten Mal bauen die Astronauten auf dem Mond die Instrumente der Apollo Lunar Surface Experiments Package (ASLEP) auf, die jahrelang in Betrieb sein werden - und weit mehr Forschungsdaten sammeln als die bisherigen Exemplare auf dem Mond.

Apollo 13

Bekannt aus dem Kino ("Houston, we've had a problem"). Nach dem Start am 11. April 1970 geht wenig glatt. Rund 300.000 Kilometer von der Erde entfernt explodiert ein Sauerstofftank. Als einzige "Apollo"-Mission muss der Einsatz vorzeitig abgebrochen werden, die geplante Mondlandung im Fra-Mauro-Hochland findet nicht statt. Nach einem Flug um den Mond herum machen sich James A. Lovell, John L. Swigert und Fred Haise wieder auf den Weg zur Erde. Am 17. April 1970 landen sie im Pazifik.

Apollo 14

Zunächst muss die Nasa den Schrecken von "Apollo 13" verdauen. Wegen Budgetproblemen wird im September 1970 außerdem die Liste der noch ausstehenden "Apollo"-Flüge zusammengestrichen. Die folgenden Flüge werden neu nummeriert. Am 31. Januar 1971 starten dann Alan Shepard, Stuart Roosa und Edgar D. Mitchell - mit leicht modifiziertem Equipment, damit sich Probleme nicht wiederholen. Bekannt wird die Mission nicht zuletzt, weil Shepard als erster Mensch Golf auf dem Mond spielt. Nebenbei sammeln die Astronauten noch mehr als 40 Kilogramm Gestein ein.

Apollo 15

Zum ersten Mal kommt ein Mondauto ("Lunar Roving Vehicle") zum Einsatz. David R. Scott und James Irwin kurven damit nach ihrem Start am 26. Juli 1971 über die staubige Mondoberfläche an der sogenannten Hadley-Rille. Sie hatten zuvor ein besonderes geologisches Training erhalten. Alfred M. Worden bleibt währenddessen im Kommandomodul. Bei ihrer Rückkehr zur Erde müssen die Astronauten erstmals nicht mehr in Quarantäne. Bei ihren Kollegen, die früher im Einsatz waren, hatten sich keinerlei Hinweise auf fiese Keime vom Mond gefunden.

Apollo 16

Auf geht's Richtung Cayley-Hochland mit Start am 16. April 1972. Mit der Mission wird zum ersten Mal eine Hochebene auf dem Mond von Menschen betreten. Und auch die, John W. Young und Charles M. Duke, haben wieder ein Mondauto dabei - mit dem sie 25 Kilometer unterwegs sind. Die Crew absolviert zahlreiche wissenschaftliche Experimente und sammelt fast hundert Kilogramm Mondgestein. Ihr Kollege Thomas K. Mattingly verbringt unterdessen seine Dienstzeit im Kommandomodul, zwischenzeitlich steigt er auch in den Weltraum aus.

Apollo 17

Die vorerst letzten Menschen auf dem Mond sind Eugene Cernan und Harrison H. Schmitt - gleichzeitig der erste Wissenschaftler dort. Nach dem Start am 7. Dezember 1972 und der erfolgreichen Landung auf dem Mond fahren auch sie mit einem mitgebrachten Mondauto. Dabei finden sie unter anderem das sogenannte Orange Soil, orangefarbige, glasartige Kügelchen. Sie sammeln mehr als 110 Kilogramm Mondgestein in der Nähe des Littrow-Kraters. Ronald E. Evans harrt in der Kommandokapsel aus. Das ganze findet weitgehend unter Ausschluss der US-Öffentlichkeit statt, die mittlerweile zu einem guten Teil Langeweile empfindet, wenn in den Medien vom "Apollo"-Programm die Rede ist.



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