Bodenproben: Sonnenstürme erzeugen Wasser auf dem Mond

In Glaspartikeln auf dem Mond steckt Wasser. Es stamme von Meteoriten, glaubten Forscher. Doch nun zeigt die Analyse von Bodenproben, dass offenbar Partikelstürme von der Sonne das Wasser erzeugen.

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ddp

Mond: Unbekannte Wasserquelle

London/Hamburg - Bodenproben der "Apollo"-Missionen brachten es ans Licht: Die Mondoberfläche ist nicht staubtrocken, die Forscher hatten Spuren von Wasser gefunden. Der Hauch von Feuchtigkeit könnte ein Produkt des Teilchenregens von der Sonne sein, berichtet nun eine Gruppe um Yang Liu von der US-Universität von Tennessee in Knoxville im Fachmagazin "Nature Geoscience".

Raumsonden hatten auf dem Mond bereits Hinweise auf Wasser entdeckt, im Mondboden selbst war es aber noch nicht nachgewiesen worden. Die Forscher analysierten drei Bodenproben aus den sogenannten Maren und dem Hochland des Mondes, die mit den "Apollo"-Missionen 11, 16 und 17 der US-Raumfahrtbehörde Nasa auf die Erde gebracht wurden.

Der Boden enthält zahlreiche verglaste Fragmente, sogenannte Agglutinate. Sie sind durch das Schmelzen des Bodens bei Meteoriteneinschlägen entstanden. In diesen gläsernen Fragmenten ist die chemische Zusammensetzung besonders gut eingefroren. Dort fanden die Forscher 200 bis 300 Teile Wasser pro einer Million Teile Boden (200 bis 300 ppm). Das Wasser tritt dabei sowohl in der molekularen Form als H2O auf, als auch in Form des Hydroxyl-Radikals OH.

Dieses Mondwasser stammt offensichtlich nicht von Kometen oder wasserreichen Asteroiden, die als Quelle der irdischen Weltmeere gelten. Denn dem Mondboden fehlt sogenanntes schweres Wasser, wie es sich in Promillebruchteilen in den Ozeanen der Erde findet. Schweres Wasser besitzt statt der gewöhnlichen Wasserstoffatome ein oder zwei Deuteriumatome (D), die neben dem üblichen Proton auch ein Neutron im Atomkern haben.

Stürmischer Teilchenstrom

Die Forscher schließen daraus, dass das Mondwasser vom Sonnenwind erzeugt wird. Die Sonne bläst pro Sekunde etwa eine Million Tonnen Material ins Weltall hinaus, hauptsächlich Wasserstoffatomkerne. Dieser Teilchenstrom, der an der Erde wegen ihres Magnetfelds zum großen Teil vorüberzieht, schlägt mit rasantem Tempo auf dem Mondboden ein. Dort dringt er in den Boden - und formt Hydroxyl-Radikale sowie Wassermoleküle.

Die Sonne besitzt jedoch so gut wie kein Deuterium - es ist bei der Entstehung unseres Sterns mit gewöhnlichem Wasserstoff zu Helium verschmolzen. Das Fehlen des schweren Wassers weist daher auf einen solaren Ursprung des Mondwassers, argumentieren die Wissenschaftler. Der Prozess stelle nicht nur für den Mond, sondern auch für andere Objekte im inneren Sonnensystem eine bislang unbekannte Quelle für Wasser dar, schreibt die Gruppe um Liu.

Zahlreiche Sonden haben zuvor mit verschiedenen Methoden Hinweise auf Wasser an verschiedenen Stellen des Erdtrabanten gefunden. Am deutlichsten demonstrierte das die Sonde "LCROSS", mit der die Nasa 2009 den Cabeus-Krater bombardierte. Der gezielte Einschlag wirbelte etwa vier bis sechs Tonnen Material aus dem ewig finsteren Krater auf. Darin fanden sich rund 150 Kilogramm Wasser. Die Ergebnisse sind allerdings umstritten.

Verblüfft hat das Team um Zuber bei der Untersuchung des benachbarten Shackleton-Kraters die helle Schattierung der Kraterwände. Während Kraterrand und Kraterboden nahezu gleich alt zu sein scheinen, sind die Hänge offensichtlich jünger. Die Wissenschaftler erklären das mit Lawinen: Durch Mondbeben rutsche Gestein ab.

boj/dpa

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1.
DerScheinTrügt 15.10.2012
---Zitat--- Doch nun zeigt die Analyse von Bodenproben, dass offenbar Partikelstürme von der Sonne das Wasser erzeugen. Dieser Teilchenstrom, der an der Erde wegen ihres Magnetfelds zum großen Teil vorüberzieht, schlägt mit rasantem Tempo auf dem Mondboden ein. Dort dringt er in den Boden - und formt Hydroxyl-Radikale sowie Wassermoleküle. ---Zitatende--- Dann scheinen Konstantin Meyl und die anderen Vertreter der "Expanding Earth Theorie" wohl doch nicht so Unrecht zu haben... http://forum.spiegel.de/f22/indischer-ozean-erdplatte-vor-sumatra-zerreisst-71754.html
2. Hier kann man offenbar dazulernen.
freidimensional 15.10.2012
Zitat von sysopddpIn Glaspartikeln auf dem Mond steckt Wasser. Es stamme von Meteoriten, glaubten Forscher. Doch nun zeigt die Analyse von Bodenproben, dass offenbar Partikelstürme von der Sonne das Wasser erzeugen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/apollo-daten-sonnenwind-erzeugt-wasser-auf-dem-mond-a-861266.html
Ist auch interessant zu hören, dass Sonnenstürme Wasser auf dem Mond erzeugen können. Auf den Wegen, die uns die Schulwissenschaftler über den Unterrichtsweg vermittelt haben, ist solches nicht leicht vorstellbar. Woraus man schließen kann, dass die Wissenschaft doch Fortschritte macht und früher für undenkbar gehaltenes nun doch in neuem Licht gesehen wird. Ich begrüße diesen Fortschritt grundsätzlich. Und ich bin froh, dass es diesmal nicht irgendwelche "Außenseiter" oder als "Parawissenschaftler" geschmähte Leute sind, die solches verkünden, hier "Sonne beeinflusst Himmelskörper in ihrem System" bis zu chemisch nachweisbaren Strukturen..." Dann wären viele Streitthemen nicht mehr eine der unsäglichen Situationen "Wissenschaft vs. Esoterik", und man könnte sich sachlicher mit manchen Dingen auseinandersetzen. ZB in Sachen Klimaentwicklung und Missbrauch von Einzeltatbeständen durch geschäftstüchtige Existenzen, die die gleichgeschaltete Menschheit zum Mobilisieren gigantischer Finanzströme zwingen, aufgrund nur eines in den Fokus gerückten (von vielen denkbaren) Klima-Beeinflussungs-Faktors... Und das hieße hier zB, dass der Einfluss der Sonne auf die Temperatur-Entwicklung hienieden doch einen ganz anderen Stellenwert haben könnte als es uns der Klimarettungs-Hype glauben lassen will.
3. Alarm!
ehf 15.10.2012
Klimawandel auf dem Mond! Warum tut denn niemand etwas?? Ich fordere eine grüne CO²-Steuer für den Mond! Wie? Wasser auf dem Mond hat mit CO² nichts zu tun? Egal, da kennen Sie unsere Klimaparanoiker aber schlecht...
4. Also bitte!
Mimimat 15.10.2012
Zitat von DerScheinTrügtDann scheinen Konstantin Meyl und die anderen Vertreter der "Expanding Earth Theorie" wohl doch nicht so Unrecht zu haben... http://forum.spiegel.de/f22/indischer-ozean-erdplatte-vor-sumatra-zerreisst-71754.html
Nicht schon wieder das Gleiche!
5. Weia!
Mimimat 15.10.2012
Zitat von freidimensionalIst auch interessant zu hören, dass Sonnenstürme Wasser auf dem Mond erzeugen können. Auf den Wegen, die uns die Schulwissenschaftler über den Unterrichtsweg vermittelt haben, ist solches nicht leicht vorstellbar. Woraus man schließen kann, dass die Wissenschaft doch Fortschritte macht und früher für undenkbar gehaltenes nun doch in neuem Licht gesehen wird. Ich begrüße diesen Fortschritt grundsätzlich. Und ich bin froh, dass es diesmal nicht irgendwelche "Außenseiter" oder als "Parawissenschaftler" geschmähte Leute sind, die solches verkünden, hier "Sonne beeinflusst Himmelskörper in ihrem System" bis zu chemisch nachweisbaren Strukturen..." Dann wären viele Streitthemen nicht mehr eine der unsäglichen Situationen "Wissenschaft vs. Esoterik", und man könnte sich sachlicher mit manchen Dingen auseinandersetzen. ZB in Sachen Klimaentwicklung und Missbrauch von Einzeltatbeständen durch geschäftstüchtige Existenzen, die die gleichgeschaltete Menschheit zum Mobilisieren gigantischer Finanzströme zwingen, aufgrund nur eines in den Fokus gerückten (von vielen denkbaren) Klima-Beeinflussungs-Faktors... Und das hieße hier zB, dass der Einfluss der Sonne auf die Temperatur-Entwicklung hienieden doch einen ganz anderen Stellenwert haben könnte als es uns der Klimarettungs-Hype glauben lassen will.
Wie kann man denn glauben, dass wissenschaftliche Thesen irgendwie den Esoterikern helfen könnten? Wenn es ihnen noch nicht aufgefallen ist: Wissenschaft entwickelt sich STÄNDIG weiter. Wissenschaft schafft Wissen, daher der Name. Esoterik verbreitet dagegen Thesen, die nicht nachweisbar sind und stellt diese als Wahrheit hin.
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