Ausgegraben

Apollo-Triebwerke Zurück auf der Erde

Blog "Ausgegraben": Apollo-Triebwerke aus Atlantik geborgen Fotos
REUTERS/ Bezos Expeditions

In Kansas werden derzeit F-1-Triebwerke konserviert, die einst eine Kapsel der Apollo-Mission gen Mond trugen. Amazon-Gründer Jeff Bezos holte sie vom Grund des Atlantiks wieder an die Erdoberfläche.

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Einige der Besucher werden sie vielleicht als Kinder im damals noch nicht ganz so verbreiteten Fernsehen gesehen haben: die F-1-Triebwerke der Raketen der Apollo-Mission, die in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren Menschen auf den Mond brachten. Jetzt gibt es ein Wiedersehen mit den Giganten der Raumfahrt. Im Cosmosphere in Hutchinson im US-Bundesstaat Kansas arbeiten seit dieser Woche Restauratoren an den gigantischen Triebwerken - und Besucher können ihnen von der Galerie aus dabei zusehen.

"Diese Artefakte öffnen uns ein hervorragendes Fenster in die Geschichte", sagt Cosmophere-Präsident Jim Remar in einer Presseerklärung des Museums. "Die F-1 sind immer noch die leistungsstärksten Flüssigkeitsraketentriebwerke, die jemals entwickelt wurden. Die Untersuchung dieser Triebwerke kann uns auch außerordentlich viele Informationen über das Design von zukünftigen Raketen und Raumschiffen liefern."

Erst im März dieses Jahres kamen die Triebwerke wieder zurück an die Erdoberfläche - 40 Jahre lagen sie auf dem Boden des Atlantiks. Geborgen hat sie ein Team des Milliardärs und Amazon.com-Gründers Jeff Bezos - aus über 4200 Metern Tiefe. Bezos selber hatte als Fünfjähriger gesehen, wie die ersten Menschen auf dem Mond landeten - und diese Erinnerung gab ihm die Motivation, die Triebwerke zu suchen.

Ihre Bergung verfolgte er aus nächster Nähe mit: "Wir haben dort unten einen unglaublichen Skulpturengarten von verdrehten F-1-Triebwerken gesehen, der die Geschichte von einem feurigen und gewaltsamen Ende erzählt und der Zeuge ist für das Apollo-Programm", schreibt er auf der Webseite des Projektes.

Die Taucher bargen über elf Tonnen Triebwerkschrott. Das größte Teil bringt knapp eine Tonne auf die Waage, die kleinsten Teile sind nur etwa so groß wie ein 10-Cent-Stück. Zunächst müssen sie nun gereinigt werden. Unter Wasser gab es keinen Sauerstoff - also waren die Raketentrümmer sicher vor Korrosion.

Jetzt an der Luft aber muss zuerst alles Salz abgewaschen werden - sonst beginnt der sofortige Zerfall. Dazu werden die Teile konstant mit Süßwasser abgeduscht. Wenn alles sauber und die Korrosion dauerhaft gestoppt ist, werden die Einzelteile fotografiert und 3D-gescannt. Mit den Scans wollen Forscher des National Institute for Aviation Research (NIAR) von der Wichita State University dann CAD-Modelle der Teile anfertigen.

Komplett restauriert sollen die Triebwerke allerdings nicht werden. "Das war eine wichtige Entscheidung," kommentiert Remar in der Presseerklärung. "Unser Ziel ist es, den Zustand und das Material der Artefakte zu konservieren und weitere Schäden durch Korrosion oder Alterung zu verhindern. Sie sind ein Tribut an das Streben der Menschheit nach Raumfahrt und eine Erinnerung an die enormen Möglichkeiten, die dort auf diejenigen warten, die den Mut haben, zu träumen und zu forschen."

Für den Museumschef ist es auch persönlich ein großartiges Projekt. "Jedes Mal, wenn ich hingehe und die Triebwerksteile anschaue, komme ich mir vor wie ein Kind zu Weihnachten", sagte er der Lokalzeitung "The Wichita Eagle".

Allein die Zahlen vom Datenblatt sind beeindruckend: Jedes Triebwerk wog rund neun Tonnen, brachte es auf 32 Millionen PS und verbrannte dabei rund 2,7 Tonnen Treibstoff pro Sekunde. Im Fünferpack trugen sie die Raketen der Apollo-Mission in unter drei Minuten auf eine Höhe von 61 Kilometern.

Von welchem Apollo-Flug die geborgenen Triebwerke allerdings genau stammen, ist noch nicht klar. Die Nasa betrieb das Apollo-Programm zwischen 1961 und 1972. Insgesamt landeten in dieser Zeit zwölf Menschen auf den Erdtrabanten, darunter die beiden ersten Menschen auf dem Mond, Neil Armstrong und Edwin Aldrin, im Rahmen der Apollo-11-Mission.

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13 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
wurmfortsatz 06.06.2013
18orny 06.06.2013
Homunkulus 06.06.2013
chrblum 06.06.2013
chrblum 06.06.2013
thedoctor46 06.06.2013
thedoctor46 06.06.2013
bungabunga815 06.06.2013
PolitBarometer 06.06.2013
Attila2009 07.06.2013
bungabunga815 07.06.2013
zh1006 07.06.2013
fehlerteufel666 07.06.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

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Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.