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05. Februar 2013, 14:42 Uhr

Vorbeiflug

Asteroid kommt Erde näher als Satelliten

In wenigen Tagen schrammt ein kosmischer Brocken dicht an der Erde vorbei. Der 50 Meter dicke Asteroid "2012 DA14" kommt näher als Satelliten - ein Zusammenstoß ist aber unwahrscheinlich, sagen Experten.

Hamburg - Die Erde entkommt nächste Woche nur knapp einer kosmischen Kollision: Haarscharf rast ein rund 50 Meter dicker Asteroid am 15. Februar an der Erde vorbei. Der erst vor einem Jahr entdeckte Brocken mit der Katalognummer "2012 DA14" werde unseren Planeten zwar nicht treffen, versichert die US-Raumfahrtbehörde Nasa. "Aber es wird eine Rekord-Annäherung", erläutert der Direktor des Nasa-Beobachtungsprogramms für erdnahe Objekte (Near Earth Objects, Neo), Don Yeomans.

"Seit Beginn der regulären Himmelsüberwachung in den neunziger Jahren ist kein so großes Objekt der Erde derart nahe gekommen", zitiert die Nasa ihren Experten. Der rund 28.000 km/h schnelle Gesteinsbrocken wird die Erde am Freitag in einer Woche um 20.24 Uhr in 27.700 Kilometern Entfernung passieren - das ist näher als die Umlaufbahn vieler Satelliten. "Die Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenstoß mit einem Satelliten ist extrem klein", sagt Yeomans. Doch die Astronomen werden den Vorbeiflug genau verfolgen, denn in der Umgebung der Erde wimmelt es geradezu vor kosmischen Geschossen.

Der Einschlag eines Objekts wie "2012 DA14" löst keine globale Katastrophe aus, kann aber eine komplette Region verwüsten. Rund 350 Asteroiden werden derzeit als gefährlich eingestuft, sagt der Neo-Bereichsleiter im Space Situational Awareness Programm der europäischen Raumfahrtagentur Esa, Detlef Koschny. "Die Bedrohung hat nicht zugenommen", erläutert er. "Zugenommen hat, was wir darüber wissen. Vor 20 Jahren hat fast niemand gewusst, wie viele Objekte da wirklich im Weltraum herumfliegen."

Yeomans schätzt, dass etwa alle 40 Jahre ein Objekt wie "2012 DA14" so nahe an der Erde vorbeirauscht. Ein Treffer ist demnach nur alle paar Jahrhunderte zu erwarten. Zuletzt war 1908 vermutlich ein ähnlich großer Asteroid über einer einsamen Region Sibiriens explodiert. Die Druckwelle knickte im Bereich des Flusses Steinige Tunguska auf etwa 2000 Quadratkilometern die Bäume wie Streichhölzer um. Ob die Ursache wirklich ein Asteroid war, ist allerdings nicht abschließend geklärt. Bruchstücke wurden nie eindeutig identifiziert.

"2012 DA14" wurde erst im Februar 2012 entdeckt - das ist derzeit eine zu kurze Vorwarnzeit, um eine drohende Kollision abzuwenden. Im aktuellen Fall hat die Erde jedoch Glück: Der Vorbeiflug Mitte Februar wird die größte Annäherung des Brockens für mindestens drei Jahrzehnte sein, wie das Neo-Programm der Nasa errechnet hat. Dennoch wird etwa das Goldstone-Radar der Nasa den Asteroiden genau verfolgen und nicht nur seine Bahn exakt vermessen, sondern auch seine Größe, seine Eigenrotation und seine Reflektivität. Außerdem soll eine 3-D-Radarkarte entstehen. Dadurch lernen die Forscher auch allgemein etwas über Asteroiden.

Ganz hilflos scheint die Menschheit gegen eine solche Bedrohung nicht. Schon seit längerem machen sich Experten Gedanken, wie man einen Asteroiden von einem Kollisionskurs abbringen könnte. Den Brocken einfach zu sprengen, wäre allerdings keine gute Idee, selbst wenn es technisch möglich sein sollte: Die Bruchstücke könnten als gigantische Schrotkugeln auf die Erde prasseln.

von Till Mundzeck, dpa

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