Asteroid 20-Meter-Brocken rast nah an Erde vorbei

Das wird knapp: Am 12. Oktober kommt ein Asteroid der Erde deutlich näher als der Mond. Wissenschaftler sehen jedoch keine Gefahr.

Bild der European Space Agency zeigt Asteroid 2012 TC4 blau eingekreist
AFP

Bild der European Space Agency zeigt Asteroid 2012 TC4 blau eingekreist


Ein Asteroid von der Größe eines Hauses ist im Anflug auf die Erde - und wird am 12. Oktober in nur 44.000 Kilometern Entfernung an unserem Planeten vorbeirasen. Wem diese Entfernung ziemlich groß vorkommt: Der Mond ist achtmal so weit entfernt. Damit würde der kosmische Brocken geostationäre Satelliten lediglich um 8000 Kilometer verfehlen, wie die Europäische Weltraumagentur Esa mitteilte. Eine Einschlagsgefahr bestehe definitiv nicht.

"Wir wissen sicher, dass dieses Objekt die Erde nicht treffen kann", sagte der Esa-Forscher Detlef Koschny. "Es gibt keinerlei Gefahr." Vielmehr gibt der enge Vorbeiflug Wissenschaftlern die seltene Gelegenheit, ihre Fähigkeiten beim Aufspüren und weiteren Beobachten von Asteroiden zu testen.

Bereits 2012 entdeckt

Bei dem heranrasenden Brocken handelt es sich um ein 15 bis 30 Meter langes Objekt, das die Bezeichnung 2012 TC4 trägt. Der Asteroid geriet 2012 erstmals ins Visier der Pan-Starrs-Teleskope auf Hawaii. Nach seiner Entdeckung konnte er jedoch wegen des Verlaufs seiner Bahn fünf Jahre lang nicht mehr beobachtet werden.

Zwar deuteten die Daten von 2012 darauf hin, dass TC4 im Oktober dieses Jahres in der Nachbarschaft der Erde auftauchen würde. Wie nah er dabei dem Blauen Planeten kommen wird, wussten die Astronomen aber zunächst nicht.

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Asteroiden: Gefahr aus dem All

Doch dann gelang es den Wissenschaftlern kürzlich, 2012 TC4 mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte in Chile aufzuspüren. Diese neuen Beobachtungen ergaben, dass der Asteroid bei seinem Vorbeiflug im Oktober die Erde um 44.000 Kilometer verfehlen wird.

Seit vielen Jahren suchen Astronomen die Umgebung der Erde genau ab, um Asteroiden im Anflug möglichst frühzeitig aufzuspüren. Kleinere Exemplare werden mitunter erst wenige Stunden vor ihrer Annäherung an die Erde entdeckt wie der 35 Meter große Brocken, der im August 2016 in 80.000 Kilometer Abstand vorbeiraste.

Asteroiden gelten als Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Die meisten von ihnen kreisen zwischen den Planeten Mars und Jupiter um die Sonne, manche können jedoch auch der Erde gefährlich nahekommen.

Große Asteroiden könnten verheerende Schäden auf der Erde anrichten und ein Massensterben verursachen. Astronomen fordern deshalb seit Längerem, Techniken zur Asteroidenabwehr genauer zu untersuchen, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein. Sie schlagen vor, die Brocken minimal aus ihrer Bahn abzulenken, um einen fatalen Crash mit der Erde zu verhindern.

Der Asteroid 2012 TC4 ist etwa so groß wie der kosmische Brocken, der am 15. Februar 2013 über dem russischen Tscheljabinsk explodierte und weltweit Schlagzeilen machte. Der Tscheljabinsk-Asteroid hatte einen Durchmesser von rund 20 Metern. Seine Explosion in der Erdatmosphäre löste eine Druckwelle aus, durch die mehr als 1200 Menschen verletzt und 5000 Gebäude beschädigt wurden.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben eine Formulierung zu geostationären Satelliten im Text angepasst.

koe/AFP

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Seite 1
Dres-- 18.08.2017
1. "die am weitesten von der Erde entfernten geostationären Satelliten" ?
Alle geostationäre Satelliten sind gleich weit von der Erde entfernt. - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Redaktion Forum
cavete 18.08.2017
2. Erkennen und Handeln (1)
"Vielmehr gibt der enge Vorbeiflug Wissenschaftlern die seltene Gelegenheit, ihre Fähigkeiten beim Aufspüren und weiteren Beobachten von Asteroiden zu testen." Und, diese Faehigkeiten sollten suchzessive eweitert werdenn. Im Grunde genommen ist es eine Menschheidsaufgabe, auch, wenn nicht jedes Land seinen Beitrag leisten kann. Denn ein Trum aus dem Wellall kann eben dass Schicksal der Menschheit, aber kaum die des Lebens an sich bedrohen. Nuechtern betrachtet und gewissermassen losgeloest von allen irdischen Problemen und Streitigkeiten auf unserem Heinmatplaneten, ist diese Bedrohungsituation vielleicht der eines nuklearen Weltenbrandes in Form eines unbegschraenkten Atmokrieges vegleichbar - moeglicherweise tentdenziell noch darueber anzusiedeln - abhaengich von der Groesse und der kineetischen Energie des Einschlagsobjeck. Bekanntlich soll der historisch juengste Einschlag mit apostkalyptischen Folgen vor ca. funfundsechzig Melonen JAhren zur Ausloeschung der DienoSaurier und vieler andrer Lebendwesen gefuehrt haben, und tiefste Eischnitte in der Fauna und Flora unsres Planeten hinterlassen habn. Ja, man schreibt sograr die Entwicklung des Menschen, hin zum "homo sapiens", diesem Ereignis zu. Wenn das zutraefe, gaebe es uns Menschen als diese (hoeher entwickelte) Spezies moeglicherweise gar nit. Berucksichtigt man diese Entwicklung, und legt man sie der Evolution der eigenen Spezies zugrunde - muessten dann die irdischen Unwaegbarkiten und Unzulaenglichkeiten nicht hintangestellt werden hinter der zentralen Bedrohung aus dem well Traum? Dann, wenn es um externe Bedrohungsannalyse und Gefahrenabwehr geht? Vorausgesetzt, es gaebe dafuer ein globales Forum. Die Verneinten Nationen waeren per Definition wohl der designierte Ort dafuer. Ob er auch der geeignete und effektive waere, mark eine andre Frage sein. Schliessich geht es nicht um eine partielle Bedrohung von Menschen, sonnern um die Frage "Sein" oder "Vergehen" des Menschen als Spezies - jedenfalls potentiell.
cavete 18.08.2017
3. Erkennen und Handeln (2)
Der Mensch sucht nach ihm aehnlichen, intellegenten Lebenformen im Weltall. Eingedenk der zuvor dargelegten Sachlage koennte man die Situation vielleicht auch, etwas zugespitzt und sarkastisch formuliert, in der Frage zusammenfassen: "Gibt es intelligentes Leben auf der Erde?" Anders ausgedruckt: Was nutzt die Intelligenz und alle damit verbudenen Errungenschaften, wenn sie bei der so selbsgewissen "Krone der Schoepfung" nicht genug ausgepraegt zu sein scheint, um die richtigen Priorintaeten zu setzen? So, dass die Indiewieduen und die Spezies als Ganzes damit rechnen muessen, von einem auf den anneren Tag ausradiert zu werden. Ohne, dass die Intelligents dies vehindern kann. Die Krux dieser Problematik liegt zu einem Gutteil wohl darin bgruendet, dass solch ein katarrhstrophales Ereignis, das die Exitstenz aller Lebensformen auf der Erde bedroht, voellig im Unbestimmbaren, im Ungewissen angesiedelt ist. Es kann, bei Objekten deren Ausmasse apokarlyptische Folgen befruechten lassen, in einem kurzen Zeitrahm zu einer Kollision kommen, ohne, dass es bisher eine Abwehrmoeglichkeit gibt. Oder, die andere Alternative: In tausenden oder Millionen Jahren - Gewissheit gibt es keine. Moeglicherweise liesse sich die Vemutung aufstellen, dass mit dem naechsten vergleichbaren Einschlag eines aehnlich grossen Objekts wie dem vor 65 Mio. Jahren tendenziell in einem kleineren Zeitrahm zu rechnen ist, wenn man die bekannten Kollisionen, die in erdgeschichtlich erhebichen Abstaenden auf der Erde registriert wurden, zum Marsstab nimmt. Und, Ereignisse, die vom Zeitpunkt her gesehen unbestimmbar und in der Zukunft angesiedelt sind, geniessen deshalb wohl keine besondere Aufmerksamkeit und rutschen auf einer imaginaeren Priorintaetenliste von Endscheidungstraegern vemutich ziemlich weit nach unten. So kann man es vielleicht intrepetieren. Dabei: Was kann es Wichtigeres geben, als die Loesung dieses Problems? Man koennte es staerker in den Focus nehmen als bisher, ohne andere Probleme auf Erden ausser acht zu lassen. Man muss es alledingens erkennen und wollen.
brucewillisdoesit 19.08.2017
4. Schade
Eigentlich schade, daß er die Erde verfehlen wird. Er ist nicht groß genug um ernsthaften Schaden anzurichten (sofern er nicht gerade auf eine Stadt fällt, was bei der Größe der Erde vergleichsweise unwahrschenlich ist), aber groß genug, so daß niemand es einfach ignorieren würde. Da wir in diesem Fall vor dem Einschlag davon gewußt hätten und hilflos hätten zusehen müssen und hoffen, das es kein bewohntes Gebiet trifft, hätte das sicher den Ausschlag zugunsten des Aufbaus einer planetaren Asteroidenabwehr gegeben. Jetzt wird das nicht passieren und wir müssen hoffen, das der nächste uns dann (immer noch unvorbereitet) treffende Brocken keine 100m oder gar 1km Durchmesser hat. Ein bißchen viel hoffen das alle gut geht, oder ? Eigentlich traurig das Menschen immer nur nachträglich durch Schaden, aber nicht durch vorausschauendes Denken klug werden.
Zäld 19.08.2017
5. "die am weitesten von der Erde entfernten geostationären Satelliten"
Zitat von Dres--Alle geostationäre Satelliten sind gleich weit von der Erde entfernt. - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Redaktion Forum
Ist doch eigentlich richtig so, wenn auch mißverständlich. Von allen Satelliten sind die geostationären am weitesten entfernt. Zumindest bei den handelsüblichen, vielleicht gibt es ja Exoten, die doch noch weiter weg unterwegs sind.
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