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Asteroid passiert Erde: Knapp vorbei

Asteroid und Erde (Zeichnung): Im Laufe der Erdgeschichte kam es immer wieder zu Einschlagskatastrophen Zur Großansicht
DPA/ NASA

Asteroid und Erde (Zeichnung): Im Laufe der Erdgeschichte kam es immer wieder zu Einschlagskatastrophen

Ein solch großer Brocken kommt uns nur selten so nahe: Am Samstag rast ein Asteroid in der Größe eines Flugzeugträgers an der Erde vorbei - in nur 1,3-facher Mondentfernung.

Ein Asteroid etwa von der Größe eines Flugzeugträgers rast derzeit auf unseren Planeten zu - und wird am 31. Oktober in nur rund 500.000 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeifliegen. Der Brocken könnte auf Jahre hinaus der größte sein, der uns so nahe kommt.

Mit einer Geschwindigkeit von 126.000 km/h fliegt er am Samstag, den 31. Oktober nachmittags an der Erde vorbei, und zwar in nur 1,3-facher Mondentfernung. Einen Einschlag auf der Erde können die Forscher ausschließen - anderenfalls würde es schwerste Verwüstungen geben.

Der Durchmesser des kosmischen Geschosses mit dem Namen "2015 TB145" liegt laut Nasa zwischen 290 und 650 Metern, was einem mittleren Schätzwert von 470 Metern entspricht. Zum Vergleich: Der im Februar 2013 über dem russischen Tscheljabinsk explodierte Asteroid hatte einen Durchmesser von gerade einmal rund 20 Metern. Damals wurden rund 1600 Menschen durch die Druckwelle verletzt.

Bahn von Asteroid "2015 TB145" in Blau (Erde grün; Mondumlaufbahn weiß): Am Samstag knapp an der Erde vorbei (Zeitangaben in Weltzeit UTC, eine Stunde vor deutscher Zeit). Zur Großansicht
DPA/ NASA/ JPL-Caltech

Bahn von Asteroid "2015 TB145" in Blau (Erde grün; Mondumlaufbahn weiß): Am Samstag knapp an der Erde vorbei (Zeitangaben in Weltzeit UTC, eine Stunde vor deutscher Zeit).

"Der Einschlag eines Asteroiden der Größe von '2015 TB145' wäre eine kontinentale Katastrophe", sagt die Astronomin und Leiterin des Planetariums Bochum, Susanne Hüttemeister. "Wenn ein solcher Brocken in Europa einschlagen würde, wären mehrere Staaten massiv betroffen."

Asteroiden, auch Planetoiden oder Kleinplaneten genannt, sind Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Im Laufe der Erdgeschichte kam es immer wieder zu Einschlagskatastrophen.

So donnerte vor 15 Millionen Jahren ein Planetoid von etwa einem Kilometer Durchmesser auf die Schwäbische Alb herab und hinterließ einen Krater - den Nördlinger Ries. Und vor 65 Millionen Jahren schlug ein Asteroid mit einem Durchmesser von rund zehn Kilometern auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán ein. Er löste einen Klimawandel aus und leitete damit höchstwahrscheinlich das Aussterben der Dinosaurier ein.

1630 gefährliche Asteroiden gesichtet

Doch auch kleine Bomben aus dem All können große Schäden anrichten: Einen Durchmesser von nur 30 bis 50 Metern hatte ein Asteroid, der das sogenannte Tunguska-Ereignis von 1908 verursacht haben soll. Damals wurden in der Wildnis Sibiriens auf mehr als 2200 Quadratkilometern 80 Millionen Bäume umgeknickt - als Ursache wird die Explosion eines Asteroiden in mehreren Kilometern Höhe vermutet, die eine Druckwelle mit der Sprengkraft Hunderter Hiroshima-Atombomben auslöste.

Seit Jahren suchen Astronomen systematisch nach Asteroiden, deren Bahn die der Erde kreuzen könnte. Aktuell verzeichnet die Nasa mehr als 1630 Kleinplaneten, die als potenziell gefährlich eingestuft werden, davon 154 mit mindestens einem Kilometer Durchmesser.

Das Ereignis am Samstag kann als Mahnung gelten - es ist nur eine Frage der Zeit, dass es zu einem größeren Einschlag kommt. Trotzdem ist die Menschheit schlecht vorbereitet.

Doch ganz wehrlos wäre sie nicht. Forscher erkunden Abwehrmaßnahmen: Würde ein Asteroid auf Kollisionskurs frühzeitig entdeckt, könnte man eine Raumsonde auf ihm einschlagen lassen und ihn dadurch von seiner Bahn abbringen.

Atombombe zünden?

Denkbar wäre auch, eine Sonde dicht an den Gesteinsbrocken heranzumanövrieren. Die Schwerkraft der Sonde könnte den kosmischen Aggressor von seiner Flugbahn ablenken. Als allerletztes Mittel gilt die Zündung einer Atombombe, um den Asteroiden aus seiner Bahn zu werfen.

Doch all dies gilt nur für gefährliche Asteroiden, die frühzeitig entdeckt werden. Den aktuellen Asteroiden haben Astronomen erst vor gut zwei Wochen erspäht.

Der Brocken könnte der größte Asteroid sein, der in den nächsten Jahren so nahe kommt: Erst 2027 wird mit "1999 AN10" ein noch größeres Exemplar erwartet. Es wird die Erde etwa in Monddistanz passieren und dann 2039 erneut unserem Planeten nahekommen. Forscher beruhigen: Auch dieser Asteroid wird vorbeisausen.

boj/dpa

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1.
swandue 26.10.2015
Ein Teil, das im Einschlagsfall eine kontinentale Katastrophe auslösen würde, wurde vor gerade mal zwei Wochen entdeckt. Gibt es irgendwelche Absprachen für den Fall, dass so was auf Kollisionskurs mit der Erde ist? Könnte man das so kurzfristig mit einer Atombombe bekämpfen? Im Sonnensystem sollte eine Reihe von Spähern unterwegs sein, die nach so was Ausschau hält. Die Beschäftigung mit diesem Thema wäre so viel sinnvoller als das, womit die Menschen den größten Teil ihrer Zeit vertun - Der Kampf um Macht, der Streit um den "richtigen" Glauben, . . .
2. Nun, je massiver ein Asteroid, desto
spmc-12355639674612 26.10.2015
schwieriger ist es, ihn mit irdischen Mitteln von seinem Kurs abzubringen - unsere Sonden hätten auf einen großen Asteroiden etwa dieselbe Wirkung, wie einen Fußball mit einem Sandkorn zu beschießen. Eine einigermaßen präzise Abschätzung des Einschlagortes und rechtzeitige Evakuierung der dort lebenden Bevölkerung wären wohl das einzige Mittel, um die Folgen einzudämmen.
3. Atombombe nutzlos!
H-Vollmilch 26.10.2015
Das zünden einer Atombombe in der nähe eiens solchen Asteroiden macht im Vakuum keinen Sinn!
4. Vor zwei Wochen entdeckt..
michel-watcher 26.10.2015
Zitat: "Den aktuellen Asteroiden haben Astronomen erst vor gut zwei Wochen erspäht." Na, das ist ja beruhigend. Da werden 1600 'Kleinstplaneten' beobachtet, die potentiell gefährlich werden können aber -ups- den hat man irgendwie übersehen. Doch was solls. Man hätte ja fast 3 Wochen Zeit, etwas dagegen zu tun. Wirklich sehr beruhigend! Ja, unsere Wissenschaftsgläubigkeit ist eine geniale Beruhigungspille und lässt uns im Glauben leben, dass 'die Forscher' uns da schon irgendwie raushauen. Wenn das mal kein universeller Irrtum ist...
5. Was konkret ...
ThomasGB 26.10.2015
möchte der Autor mit der Zündung einer Atombombe erreichen? Wir habe eine monstermäßige Dauerwasserstoffbombe vor der Haustür und deren Strahlungsdruck alleine (zur Erinnerung im All gibt es keine Luft) ist alles andere als angetan, die Bahn eines Gesteinsbrocken zu verändern. Und das bißchen Material das bei einer Zündung auf das fragliche Objekt trifft dürfte wohl auch nicht über allzuviel Impuls verfügen.
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