"Oumuamua" Interstellarer Asteroid trägt Hitzeschutz

Auf bis zu 300 Grad Celsius erhitzte sich der erste bekannte interstellare Asteroid unseres Sonnensystems bei seinem Vorbeiflug an der Sonne. Dass es ihn noch gibt, verdankt er offenbar einer besonderen Schutzschicht.

"Oumuamua" (künstlerische Darstellung)
DPA/ M. Kornmesser/ European Southern Observatory

"Oumuamua" (künstlerische Darstellung)


Bei dem mysteriösen Asteroiden "Oumuamua" aus dem interstellaren Raum handelt es sich um ein natürliches Objekt. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Astronomenteam um Alan Fitzsimmons von der Queen's University Belfast, das den fremden Gast per Teleskop analysiert hat, im Fachblatt "Nature Astronomy".

Andere Forscher hatten den Besucher aus den Weiten des Weltalls vergangene Woche mit dem Green-Bank-Radioteleskop in den USA auf mögliche Funksignale abgehorcht - für den Fall, dass es sich um ein außerirdisches Raumschiff handeln sollte. Hinweise auf Funkverkehr ergaben sich nicht.

"Oumuamua" ist der erste Besucher aus einem anderen Sonnensystem, der eindeutig als solcher identifiziert worden ist. Das zigarrenförmige, etwa 400 Meter lange Objekt war am 2. September zunächst zwischen Sonne und Merkurbahn hindurchgetaucht und erreichte eine Woche später den geringsten Abstand zur Sonne: Am 9. September flog er in nur einem Viertel der Erdentfernung an der Sonne vorbei.

Dabei wurde er auf bis zu 300 Grad Celsius erhitzt und hätte auftauen und möglicherweise sogar zerbrechen können. Astronomen gehen davon aus, dass derartige Objekte zu einem erheblichen Anteil aus Eis bestehen.

Video: Die Flugbahn von "Oumuamua"

NASA

Dass "Oumuamua" auf seiner Reise durch unser Sonnensystem nicht zerbrochen ist, lag wohl an einer isolierende Schutzschicht aus Kohlenstoffverbindungen, berichten Wissenschaftler um Fitzsimmons nun in "Nature Astronomy".

Beschuss mit kosmischer Strahlung

Diese organische, also kohlenstoffreiche Schutzschicht sei vermutlich die Folge eines Millionen oder Milliarden Jahre langen Beschusses mit kosmischer Strahlung während der Reise durch den interstellaren Raum. Berechnungen der Forscher zufolge reicht eine organische Schutzschicht von rund einem halben Meter Dicke, um ein möglicherweise eisreiches Inneres des Asteroiden vor dem Verdampfen zu bewahren.

Die Schutzschicht ähnele der Oberfläche von Kleinkörpern aus den Randbezirken unseres eigenen Sonnensystems, betonen die Astronomen. Diese Kleinkörper seien ebenfalls von kohlenstoffreichem Eis bedeckt, dessen Struktur durch kosmische Strahlung verändert wurde. Auch die rotgraue Farbe gleiche der eisiger Objekte aus den Außenbezirken unseres Systems, sogenannten Planetesimalen.

"Wir haben entdeckt, dass dies ein Planetesimal mit einer gut durchgebackenen Kruste ist, das sehr wie die kleinsten Welten in den Außenregionen unseres Sonnensystems aussieht", erklärt Fitzsimmons Universitätskollegin Michele Bannister. "Es ist faszinierend, dass das erste entdeckte interstellare Objekt so sehr wie eine winzige Welt aus unserem eigenen Heimatsystem anmutet."

Das lege nahe, dass sich die Planeten und Asteroiden unseres Systems sehr ähnlich gebildet haben wie in Systemen um andere Sterne. Astronomen schätzen, dass im Schnitt rund einmal pro Jahr ein interstellarer Besucher wie "Oumuamua" unser Sonnensystem durchkreuzt.

jme/dpa



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