Asteroid Vesta Sonde erkundet Urkatastrophe auf Urplanet

Die Nasa-Sonde "Dawn" hat auf dem Asteroiden Vesta die Spuren eines gigantischen Crashs unter die Lupe genommen. Er hat den Urplaneten mit unvorstellbarer Gewalt erschüttert. Forscher haben Mühe, den Ablauf der Katastrophe zu erklären.

NASA/ JPL-Caltech/ UCLA/ MPS/ DLR/ IDA

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Berlin - Wie groß das höllische Geschoss war, lässt sich nur schwer sagen. Zehn Kilometer im Durchmesser vielleicht oder zwanzig - vielleicht auch dreißig. Sicher scheint jedenfalls, dass der Crash den Asteroiden Vesta beinahe zerlegt hätte. Ein riesiger Krater am Südpol des Asteroiden kündet wohl von einem Volltreffer, der irgendwann vor rund 3,8 Milliarden Jahren den Himmelskörper zwischen Mars und Jupiter mit unglaublicher Kraft aufgewühlt haben dürfte.

"Das ist eine Struktur, die wir im Sonnensystem so noch nicht gesehen haben", sagt Planetenforscher Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin-Adlershof. "Wir können den Krater mit nichts vergleichen und können noch nicht erklären, was passiert ist." Gemeinsam mit Kollegen präsentiert der Wissenschaftler nun hochauflösende Aufnahmen, die der Nasa-Kometenspäher "Dawn" dank eines Kamerasystems vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung gemacht hat. Die Sonde umkreist Vesta seit Juli in rund 2400 Kilometer Höhe.

Vesta ist ein sogenannter Protoplanet - und damit ein Zeuge aus der Jugendzeit des Sonnensystems. Manche Himmelskörper dieses Typs sammelten nach und nach immer Material ein und wuchsen zu veritablen Planeten. Andere wiederum zerbröselten nach Zusammenstößen mit ihresgleichen. Vesta, drittgrößter Asteroid des Sonnensystems, veränderte sich kaum. Der Urplanet wurde nur von zahllosen Einschlägen erschüttert - inklusive der Urkatastrophe am Südpol.

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Krater auf Vesta: Asteroid mit Überraschungen
Der Krater mit einem riesigen Berg in der Mitte war auf früheren Aufnahmen des Hubble-Teleskops schon zu sehen gewesen. Doch die neuen Bilder und Filme zeigen den Himmelskörper und seine Wunde in ungekannter Detailtiefe. "Wir sehen zum ersten Mal solch einen embryonalen Planeten - und wir sehen, dass er eine andere Geschichte hat als etwa der Mond". Forscher Jaumann zeigt sich ehrlich überrascht: "Wir glauben immer zu wissen, wie Kollisionen im Sonnensystem stattfinden. Und jetzt sehen wir etwas ganz anderes."

Komplizierte Prozesse in der Rüpelphase des Sonnensystems

Das ist, vorsichtig ausgedrückt, etwas unpraktisch - sollte doch Vesta den Planetenforschern sozusagen als Blaupause für die Frühzeit unseres Sonnensystems vor rund viereinhalb Milliarden Jahren dienen. Der Himmelskörper - mittlerer Durchmesser 516 Kilometer - hat einen ähnlichen Aufbau wie die terrestrischen Planeten: In seinem Inneren türmen sich über einem Eisen-Nickel-Kern verschiedene Schichten, vielleicht verfügte er sogar über Vulkanismus.

Für den Blick in die Vergangenheit schien Vesta perfekt. Auf der turbulenten Erde sind die Milliarden Jahre alten Spuren längst verschwunden, auf dem Mars sind sie verwittert. Und der Mond ist zu jung. Doch vielleicht lassen sich die Geschehnisse in der Rüpelphase unserer kosmischen Nachbarschaft nicht so einfach erklären wie bisher angenommen. Die Wissenschaftler müssen sich damit abfinden, dass die Dinge wohl etwas komplizierter sind.

Woher kommen zum Beispiel die trogförmigen tektonischen Strukturen an Vestas Äquator? Und - vor allem - wie lässt sich die monströse Narbe am Südpol erklären? Entstand sie eventuell gar nicht bei einem Crash, sondern durch Prozesse im Inneren des Asteroiden? Das müssen die Forscher nun klären. Ratlos macht sie neben der schieren Größe des riesigen Beckens auch der Berg in seiner Mitte. Er hat an der Basis einen Durchmesser von rund 200 Kilometern und ragt vom Kraterboden etwa 15 bis 20 Kilometer weit nach oben. Damit ist er eine der höchsten Erhebungen des Sonnensystems. Die Flanken des Massivs sind teilweise so steil wie nirgendwo sonst beobachtet.

Mit "Dawns" Hilfe erstellen die Wissenschaftler nun eine 3-D-Landkarte von Vesta. Die zerschrammte Oberfläche des Urplaneten haben sie mit einem Koordinatensystem überzogen, wie wir es auf der Erde verwenden. Der Himmelskörper wird die Wissenschaftler noch lange in seinen Bann ziehen, ist sich Ralf Jaumann sicher: "Es wird noch Anstrengung und Zeit erfordern, um die Geheimnisse von Vesta zu entschlüsseln."

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Seite 1
abominog 16.09.2011
1. Ja
Katastrophen kann man oft genug nur mühevoll erklären. Ich kenne das.
einuntoter 16.09.2011
2. Das stimmt
Zitat von abominogKatastrophen kann man oft genug nur mühevoll erklären. Ich kenne das.
So wie das schmutzige Geschirr in meiner Küche aussieht, müssen dort unvorstellbare, noch unbekannte Kräfte gewütet haben
mustermannfrau, 16.09.2011
3. Humpf!
Zitat von einuntoterSo wie das schmutzige Geschirr in meiner Küche aussieht, müssen dort unvorstellbare, noch unbekannte Kräfte gewütet haben
Werfen Sie mal einen Blick auf meinen Schreibtisch, da muss in der Nähe vor kurzem 'ne Supernova gewütet haben ;-)
rene_w 16.09.2011
4.
Zitat von mustermannfrauWerfen Sie mal einen Blick auf meinen Schreibtisch, da muss in der Nähe vor kurzem 'ne Supernova gewütet haben ;-)
... und erst hinter dem Fahreresitz meines Autos...... Uiuiuiui. Abgründe sag ich Ihnen!
S.Vazaha 16.09.2011
5. Wütende Urkräfte
Zitat von rene_w... und erst hinter dem Fahreresitz meines Autos...... Uiuiuiui. Abgründe sag ich Ihnen!
... oder auf den Finanzmärkten!
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