Asteroiden: Mondkrater könnten Spuren früheren Lebens enthalten

Von Bord der "Apollo 8" aus aufgenommen: Mondkrater Langrenus Zur Großansicht
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Von Bord der "Apollo 8" aus aufgenommen: Mondkrater Langrenus

Die Herkunft bestimmter Minerale auf dem Mond ist bis heute umstritten. Computersimulationen zeigen nun, dass ein Großteil von Asteroiden nicht auf der Oberfläche des Mondes verdampft, sondern im Krater verbleibt. Forscher vermuten, dass manches Gestein sogar von der jungen Erde stammt.

Manche Gesteine auf dem Mond stammen möglicherweise nicht von dem Erdtrabanten selbst, sondern sind Rückstände eingeschlagener Asteroiden. Entgegen bisheriger Annahmen verdampfen solche kosmischen Geschosse beim Aufprall nicht unbedingt komplett, sondern können Minerale wie etwa Spinell hinterlassen. Das berichten Planetenforscher aus den USA und China in der Zeitschrift "Nature Geoscience". Möglicherweise, so ein Experte, habe der Mond sogar uraltes Gestein mit Spuren von frühem Leben konserviert, das von der Erde schon längst verschwunden ist.

Seit langem beschäftigen sich Wissenschaftler mit der Herkunft seltener Minerale wie Spinell oder Olivin an der Mondoberfläche. Diese finden sich auffällig häufig etwa auf Bergen im Zentrum großer Krater, wie Copernicus, Theophilus oder Tycho. Bisher dachte man, diese Gesteine seien beim Einschlag von Asteroiden aus dem Mondinneren an die Oberfläche befördert worden. Forscher gingen davon aus, dass Projektile im inneren Sonnensystem mit solcher Wucht auftreffen, dass sie beim Aufprall mehr oder weniger vollständig verdampfen.

Asteroiden-Rückstände auch auf anderen Himmelskörpern möglich

Dies prüften die Forscher um Jay Melosh von der Purdue University in West Lafayette (US-Staat Indiana) durch Computersimulationen mit Asteroiden eines Durchmessers von sieben Kilometern. Diese Himmelskörper ließen sie in unterschiedlichen Winkeln und mit verschiedenen Geschwindigkeiten von 6 bis 16 Kilometern pro Sekunde (21.600 bis 57.600 Stundenkilometern) auf den Erdbegleiter treffen.

Bei einer Einschlagsgeschwindigkeit unter zwölf Kilometern pro Sekunde würde ein Großteil der Geschosse nicht verdampfen, sondern im Krater verbleiben. Dies könnte den Forschern zufolge noch bei etwa jeder vierten Kollision passiert sein. Dann könnte sich das verteilte Material im Zentrum der Krater angehäuft haben, schreiben sie.

Solche Rückstände von Projektilen könne es auch auf manchen anderen Himmelskörpern geben, beispielsweise dem Mars. Auf einem Planeten wie der Erde sieht das den Forschern zufolge trotz der bremsenden Atmosphäre anders aus: Hier sind größere Rückstände von Meteoriten kaum zu finden, weil die Einschlaggeschwindigkeit bedingt durch die größere Anziehungskraft wesentlich höher ist als auf dem Mond.

Spuren von frühem Leben auf dem Mond konserviert?

In einem Kommentar schreibt Erik Asphaug von der Arizona State University in Tempe, die Spinell-haltigen Ablagerungen auf der Mondoberfläche könnten sowohl durch Einschläge als auch durch Vulkanismus entstanden sein. Dies könne erklären, warum man solche Ablagerungen auch weit außerhalb der Krater findet.

Zudem weist der Forscher auf eine besonders spannende Möglichkeit hin: Manche Ablagerungen könnten aus dem Mantel der frühen Erde stammen und vor etwa vier Milliarden Jahren durch Meteoriten aus dem jungen Planeten herausgeschlagen worden sein. Möglicherweise habe der Erdbegleiter Teile dieses Gesteins eingefangen und konserviert. Auf der geologisch viel aktiveren Erde sind Gesteine dieses Alters längst verschwunden. Diese Relikte könnten auf dem Mond sogar Spuren von erstem Leben enthalten, betont er: "Die Möglichkeit, Material der frühen Erde zu finden, wird bei unserer Suche nach dem Ursprung des Lebens sicher zu einer Hauptmotivation für die Rückkehr zum Mond."

Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gesteht dem Forscherteam einen sehr guten Ansatz zu. "Es könnte durchaus möglich sein, dass solche Gesteine von Asteroiden stammen, aber bisher ist es nur ein Modell. Doch die Studie hat eine intensive Diskussion über die Kollisionsprozesse im inneren Sonnensystem eröffnet", sagt der Planetenforscher. "Um den Ursprung der mondunähnlichen Gesteinskomponenten definitiv herauszufinden, müssen wir zum Mond fliegen, diese Gesteine zurückbringen und analysieren."

nik/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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1.
Layer_8 27.05.2013
Zitat von sysopDie Herkunft bestimmter Minerale auf dem Mond ist bis heute umstritten. Computersimulationen zeigen nun, dass ein Großteil von Asteroiden nicht auf der Oberfläche des Monds verdampft, sondern im Krater verbleibt. Forscher vermuten, dass manches Gestein sogar von der jungen Erde stammt. Asteroiden: Mondkrater könnten Spuren früheren Lebens enthalten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/asteroiden-mondkrater-koennten-spuren-frueheren-lebens-enthalten-a-902093.html)
"Um den Ursprung der mondunähnlichen Gesteinskomponenten definitiv herauszufinden, müssen wir zum Mond fliegen, diese Gesteine zurückbringen und analysieren." Wenns nur um diese uralten interplanetaren Mineralien geht, reicht ja wohl ein Roboter um diese einzusammeln. Oder man macht Tacheles mit einer ordentlichen ständig bemannten Mondstation, dann ist der Grundlagenforschung dort "oben" auch in anderen Dingen (Astronomie!) am Besten gedient.
2. Nicht ganz einfach
schwarzlichtgestalt 27.05.2013
Interessant, klingt aber sehr nach Zukunftsmusik. Selbst wenn die Hypothese stimmt - der Fund von irdischem Material dürfte ein ziemlicher Glückstreffer sein. Man müsste schon ein Heer von Archäologen zum Mond schicken, um fündig zu werden. Außerdem befinden sich die meisten Krater im unwegsamen Hochland.
3. Eben!
akmsu74 27.05.2013
Zitat von Layer_8"Um den Ursprung der mondunähnlichen Gesteinskomponenten definitiv herauszufinden, müssen wir zum Mond fliegen, diese Gesteine zurückbringen und analysieren." Wenns nur um diese uralten interplanetaren Mineralien geht, reicht ja wohl ein Roboter um diese einzusammeln. Oder man macht Tacheles mit einer ordentlichen ständig bemannten Mondstation, dann ist der Grundlagenforschung dort "oben" auch in anderen Dingen (Astronomie!) am Besten gedient.
Solange das nicht vor Ort im Labor (mit ggf. Materialnachschub im Falle unklarer Ergebnisse) überprüft wird, bleibt das Alles rein theoretische Fingerübung. Für jede Theorie gibts eine Gegentheorie und eine (oder Beide) muss/kann man falsifizieren - DAS ist ja gerade das Schöne an der Wissenschaft! (...und der Hauptunterschied zu Religion und Philosophie) Also hin da und loslegen! Andere "sinnvolle" (= gewinnbringende) Verwendungsmöglichkeiten der entsprechenden Technologie finden sich dann von alleine.
4. Lebensspuren auf dem Mond
isocaedro 27.05.2013
Wohl eher keine direkten Fossile von Mikroben, eher wäre der Mond eine möglicherweise bessere Quelle für Sedimente, die auf der Hadianischen Erde schon Kohlenstoff angereichert hatten oder gar Oxidationsspuren des von Lebewesen abgesonderten Sauerstoffs enthalten. Siehe hierzu auch neuere Erkenntnisse zB. in Spektrum der Wissenschaft. Heute wird nach solchen Spuren in Vulkanen gesucht.
5. Bäume auf dem Mond
jenom 27.05.2013
Wenn man (angebliches) Mondgestein analysiert, kommt man auch schnell darauf, dass es Bäume auf dem Mond gegeben haben muss. Stein vom Mond - Baum aus dem All - Panorama - Süddeutsche.de (http://www.sueddeutsche.de/panorama/stein-vom-mond-baum-aus-dem-all-1.157171)
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