Astrobiologie Nasa präsentiert irdische Aliens

In wenigen Stunden wird die Nasa eine wichtige Entdeckung verkünden: Es geht um außerirdisches Leben. Die bloße Ankündigung der Weltraumbehörde hat wilde Spekulationen ausgelöst. Tatsächlich werden die Forscher einen äußerst spannenden Fund vorstellen - auch wenn er von der Erde stammt.

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Mono Lake in Kalifornien: Forscher finden Bakterien, die Arsen verarbeiten können
AFP

Mono Lake in Kalifornien: Forscher finden Bakterien, die Arsen verarbeiten können


Wenn die Nasa eine Pressekonferenz eigens vorab ankündigt, geht es nicht selten um Großes. Und das Größte, was die US-Weltraumbehörde seit der Eroberung des Mondes präsentieren könnte, wäre vermutlich die Entdeckung außerirdischen Lebens. Entsprechend heftig war der Wirbel, als die Nasa am Montag eine Pressekonferenz ankündigte: Man werde am Donnerstag "eine astrobiologische Entdeckung vorstellen, die die Suche nach außerirdischem Leben beeinflussen wird". Dieser eine Satz hat gereicht, um weltweit für Spekulationen zu sorgen.

"Hat die Nasa außerirdisches Leben entdeckt?", schrieb ein Blogger postwendend. Mit Blick auf die Teilnehmerliste spekulierte er, dass die Raumfahrtagentur wohl Arsen auf dem Saturnmond Titan nachgewiesen hat und vielleicht auch Hinweise darauf, dass dort Bakterien existieren, die von dem Element leben. Prompt spekulierten große englischsprachige Zeitungen, die Nasa werde die Entdeckung von Aliens bekanntgeben. Auch deutsche Blogs und Nachrichtenmedien mischten kräftig mit.

Doch die Begeisterung wird wohl einen Dämpfer bekommen: Dass die Nasa am Donnerstag um 20 Uhr deutscher Zeit von außerirdischen Mikroben berichten wird, ist extrem unwahrscheinlich. Stattdessen deutet alles darauf hin, dass es um irdische Winzlinge gehen wird - auch wenn die angesichts ihrer Lebensumstände wie Aliens wirken mögen.

Entdeckung im Mono Lake

Eine der Teilnehmerinnen der Pressekonferenz, Felisa Wolfe-Simon, ist auch Erstautorin eines Fachartikels, der zur gleichen Zeit im US-Fachblatt "Science" veröffentlicht wird. Die Astrobiologin hat die vergangenen Jahre am Mono Lake in Kalifornien geforscht - einem See, dessen Wasser eine hohe Konzentration von giftigem Arsen enthält.

Obwohl der "Science"-Artikel eigentlich noch Verschlusssache ist, haben bereits verschiedene englischsprachige Medien die zentrale Neuigkeit verraten: Wolfe-Simon und ihre Kollegen haben in dem Salzsee tatsächlich etwas gefunden - ein Bakterium, das das giftige Halbmetall nicht nur aushält, sondern aktiv für sich nutzt.

Dabei handelt es sich tatsächlich um eine aufregende Entdeckung, die - genau wie die Nasa es ankündigte - die Suche nach außerirdischem Leben beeinflussen wird. Dass auf der Erde Mikroorganismen unter derart widrigen Bedingungen existieren, lässt den Schluss zu, dass sich auch auf anderen Himmelskörpern Leben entwickelt hat - und dass es nicht unbedingt so aussehen muss, wie die Menschen es sich bisher vorgestellt haben.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Forscher bei der Suche nach außerirdischem Leben ihren Blick auch auf die Erde wenden. Der Physiker Paul Davies von der Arizona State University etwa geht der Frage nach, ob sich das Leben auf unserem Planeten mehrmals entwickelt hat. Die Überlebenden früherer Phasen des Lebens könnten sich fundamental vom jetzigen Leben unterscheiden. Sollte das Leben auf der Erde gleich mehrmals durch Meteoriteneinschläge ausgelöscht und neu entstanden sein, wäre die Entstehung von Leben generell wohl kein so seltenes oder gar einzigartiges Ereignis, wie manche vermuten.

Bis die Nasa konkrete Hinweise auf extraterrestrische Mikroben präsentiert, könnte es allerdings noch etwas dauern. Und wenn es tatsächlich einmal so weit ist, würden vermutlich nicht nur einige Forscher auf der Pressekonferenz erscheinen, sondern der amtierende Nasa-Chef höchstpersönlich. Denn dass die Nasa weiß, wie gute Öffentlichkeitsarbeit aussieht, hat sie gerade wieder bewiesen.



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Katzenfreund, 02.12.2010
1. Na also
Ich habe es doch schon immer gewusst. Es gibt sie also doch die Aliens. Wenn bis jetzt auch nur irdische. Die anderen kommen noch.
SethSteiner 02.12.2010
2. Nix Titel
Na ja, um ehrlich zusein wäre außerirdisches Leben ja schon irgendwie.. interessanter sage ich mal, für den Rest der Welt. Mittlerweile weiß sowieso jeder, das die Biologie auf der Erde ganz tolle Dinge kann, das würde sich hier einfach nur in die Reihe außerordentlicher Geschöpfe einreihen. Nett ist es sicher aber es verändert nicht wirklich etwas. Das außerirdisches Leben anders sein kann und in extremen Bedingungen lebt, die für uns tödlich wären, wird schon lange vermutet. Wichtiger ist es, genau das mit außerirdischem Leben zu beweisen und nicht die nächste Mikrobe hervor zuzeigen.
nadie 02.12.2010
3.
wenn man mal sieht unter welchen bedingungen das leben auf der erde existieren kann black smoker jetzt dieser see antarktis etc ist irgendwie schon klar das in diesem verdammt großen kosmos es irgendwo noch leben geben muss, ob das "nur" auf bakterien niveau ist, oder ob es auch "höher" entwickeltes leben gibt ist eher die frage
Dunedin, 02.12.2010
4. langweilig
"Dabei handelt es sich tatsächlich um eine aufregende Entdeckung, die - genau wie die Nasa es ankündigte - die Suche nach außerirdischem Leben beeinflussen wird. Dass auf der Erde Mikroorganismen unter derart widrigen Bedingungen existieren, lässt den Schluss zu, dass sich auch auf anderen Himmelskörpern Leben entwickelt hat - und dass es nicht unbedingt so aussehen muss, wie die Menschen es sich bisher vorgestellt haben. " wie aufregend, *gähn Das Mikroorganismen in widrigen Umständen existieren können, ist hinlänglich bekannt. Da gibt es z.B. ganze Kolonnien von Organismen die in der Nähe von 100°C heissem Wasser, z.B. bei den sog. "Schwarzen Rauchern" existieren. Es gibt Organismen die sich von Schwefel ernähren, usw. Ich brauche nicht viel Phantasie um mir vorstellen zu können, das Organismen evtl. auch ohne eine Atmosphäre, in giftigen Umgebungen, etc. leben können. Die jetzt entdeckten Arsen-widerstandsfähigen Organismen sind doch langweilig. Vielelicht fangen die endlich mal damit an die Tiefsee zu erforschen, was da so alles unter hunderten von bar Drücken lebt ist unvorstellbar.-
specchio, 02.12.2010
5. Verdammtes Pech
Wir sind gespannt. Zum Glück oder leider sind nicht alle Lebensbereiche wie die Wissenschaft, in der gnadenlose Regeln herrschen, die einem fast jeden Spaß verderben. Manchmal erfährt man als Bürger von Ergebnissen erst, wenn sie wissenschaftlich anerkannt bewiesen wurden, obwohl sie jahre- oder jahrzehntelang in der Fachwelt genau so angenommen wurden. Wir halten es dann für eine neue Erkenntnis. Ein bekannteres Beispiel ist der Grund des Aussterbens der Dinos, was viele ihrer Fans sehr bedauern, wenn es uns auch nicht gäbe, wären sie noch da, die Dinos. Es ist schon wichtig, ob man glaubt, dass die Dinos ob ihrer Wucht sozusagen kollabiert sind, was den Gegnern der Dinos gut gefallen hätte, weil sie meinen, dass sich Feingeist und nicht große Muskeln durchzusetzen hätte. Oder ob man weiß, dass sie tatsächlich so mächtig waren wie ihre Skelette aussehen, aber einfach nur verdammtes Pech hatten. Eigentlich wollte ich nur sachdienlich ergänzen, dass es wichtig ist zu bedenken, dass allerzeiten "neues Leben" sich versucht, von der vom vorhandenen Leben geschaffenen Atmosphäre aber stets im Keime erstickt wird. Das aber ohne böse, da ohne jede Absicht.
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