Überlebenstraining Astronauten aus Europa und China üben gemeinsam

Was tun, wenn die Kapsel Probleme macht? Raumfahrer aus Europa und China trainieren gemeinsam für den Ernstfall - und könnten eines Tages zusammen ins All starten.

Chinesisches Raumfahrtkontrollzentrum Jiuquan (Archivbild)
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Chinesisches Raumfahrtkontrollzentrum Jiuquan (Archivbild)


Wenn europäische Astronauten bisher ins All fliegen, dann tun sie das gewissermaßen als Untermieter ihrer amerikanischen Kollegen. Und die wiederum kaufen ihre Tickets in Russland. Die Sojus-Kapseln des Landes sind seit einiger Zeit - und noch für einige Zeit - die einzigen Vehikel, die Menschen in den Weltraum bringen können. Wenn man von den Kapseln der Chinesen absieht.

China darf sich wegen eines Vetos des US-Kongresses allerdings nicht an der Internationalen Raumstation beteiligen. Stattdessen baut das Land seine eigenen Außenposten im All, zwei kleinere "Tiangong"-Stationen sind bisher ins All geflogen. Eine weitere, größere soll womöglich im kommenden Jahr folgen. Und dorthin könnten, wenn es nach der Europäischen Weltraumorganisation Esa geht, eines Tages auch Europäer fliegen.

Ein gemeinsames Training soll die Kooperation nun weiter vertiefen. Insgesamt zehn Tage sind die Esa-Astronauten Samantha Cristoforetti und Matthias Maurer im August in China zu Gast. In Yantai in der ostchinesischen Provinz Shandong absolvieren die beiden zusammen mit chinesischen Raumfahrern Überlebensübungen. Es ist das erste Manöver dieser Art in China.

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Matthias Maurer: Ein Saarländer will starten

"Diese Sea Survival Ausbildung ist nun ein weiterer Schritt in Richtung einer zukünftigen Kooperation zwischen Europa und China im Bereich der astronautischen Raumfahrt", hofft Astronaut Maurer. Wie Cristoforetti spricht auch er Chinesisch. Und nicht nur das: Maurer kennt die chinesischen Kollegen auch persönlich - weil Ye Guangfu und Chen Dong schon am Europäischen Astronautenzentrum in Köln trainiert haben.

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Gemeinsam im Parabelflieger

Europäer und Chinesen waren auch schon mal gemeinsam im Parabelflieger unterwegs, einem umgebauten Airbus A310, der einst als Regierungsflieger "Konrad Adenauer" unter anderem die deutschen Regierungschefs Kohl, Schröder und Merkel durch die Welt kutschiert hat. Ye Guangfu hat außerdem das sogenannte CAVES-Training der Esa absolviert. Dabei robben multinationale Teams durch Karsthöhlen auf Sardinien, um nicht nur in geologischen Fragen etwas zu lernen, sondern auch bei der interkulturellen Zusammenarbeit.

"Die Frage ist: Mit welchem Raumschiff werde ich fliegen? Mit einem amerikanischen oder mit einem russischen Raumschiff oder mit einem chinesischen Raumschiff?", so hatte es Astronaut Maurer vor einiger Zeit im Gespräch mit dem SPIEGEL ausgedrückt. Bisher ist er noch keiner Raummission zugeordnet.

Für die Chinesen ist er jedenfalls voll des Lobes: "Ich finde, dass sind sehr tolle Kollegen, sehr angenehme Kollegen zur Zusammenarbeit. Ich würde mich wirklich freuen, zusammen mit den chinesischen Kollegen zur Station zu fliegen."

chs



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