Astronauten-GPS Nasa lässt Mond-Navi entwickeln

Auf der Erde ist Navigationstechnik dank GPS ein preiswertes Massenprodukt. Die Nasa will nun ein ähnliches System auch für den Mond entwickeln lassen - damit sich die US-Astronauten nicht verlaufen, wenn sie eines Tages in die graue Einöde zurückkehren.

Armstrongs Fuß auf dem Mond (Juli 1969): Orientierung alles andere als einfach
AFP

Armstrongs Fuß auf dem Mond (Juli 1969): Orientierung alles andere als einfach

Von


Als die US-Astronauten der letzten drei "Apollo"-Missionen mit ihrem Mondauto aus Aluminium über unseren Erdtrabanten zuckelten, mussten sie sich alle Mühe geben, den Weg zurück zur Landefähre zu finden. Ein Computer zeichnete die zurückgelegte Strecke und die Richtung auf und berechnete so die Position der Reisenden. Wäre der Rechner ausgefallen, hätte man mühevoll mit einem Ersatzinstrument zur Messung des Sonnenstandes wieder zurückfinden müssen.

Die Orientierung anhand der Gegebenheiten auf der Mondoberfläche ist alles andere als einfach: In der oft monotonen Landschaft findet das Auge kaum verlässliche Orientierungspunkte. Das zeigte sich auch, als Astronauten der "Apollo 14"-Mission im Februar 1971 zu Fuß zu einem Rand des Cone-Kraters laufen sollten - und nach einigem Suchen wegen Sauerstoff- und Zeitmangels zurückbeordert wurden, obwohl sie nur wenige Meter vor dem Ziel gestanden hatten. Sie hatten den Krater nur nicht gesehen.

Wenn die US-Amerikaner nun in einigen Jahren auf den Mond zurückkehren, wollen und müssen sie ein komfortables und verlässliches Navigationssystem aufbauen, auch um ähnliche Situationen zu vermeiden. Um diese Aufgabe soll sich ab sofort der Wissenschaftler Ron Li von der Ohio State University in Columbus, Ohio, kümmern. Für sein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprogramm hat er 1,2 Millionen Dollar bekommen.

Sein Ziel: Das Mondnavigationssystem soll sich für die Astronauten anfühlen wie das GPS, das auf der Erde mittlerweile zum preiswerten Alltagsprodukt geworden ist.

Der Aufwand für ein großangelegtes Navigationssystem ist hoch, wie nicht zuletzt die Probleme der Europäer beweisen, denen bei ihrer "Galileo"-Installation die Kosten davonlaufen. Für GPS wurden bislang 31 Satelliten ins All geschickt. Das Mondsystem soll dagegen deutlich kleiner dimensioniert sein; Navigationssatelliten gibt es nicht - und wird es auch vorerst nicht geben.

Stattdessen sollen beim "Lunar Astronaut Spatial Orientation and Information System" (LASOIS) Fotos von Stereokameras aus dem Mondorbit der Ausgangspunkt für die Navigation sein. Sie werden mit Bildern kombiniert, die direkt von der Mondoberfläche stammen. Astronauten und Fahrzeuge sollen mit Bewegungssensoren ausgestattet werden, um so ihre Positionsänderungen auf den Mondkarten nachverfolgen zu können. Peilsignale von der Mondbasis, dem Landegerät und speziell aufgestellten Funkfeuern machen dann eine Peilung möglich.

Li hatte bereits für die Nasa-Marsroboter "Spirit" und "Opportunity" Navigationssoftware geschrieben. Auf dem Roten Planeten konnten die Forscher Technologien ausprobieren, die nun auch auf dem Mond zum Einsatz kommen sollen.

Navigation auf dem Mond, so sagt Li, sei nicht nur eine technologische Herausforderung, sondern auch eine biomedizinische. Man wolle den Astronauten helfen, Stress zu vermeiden, der unweigerlich auftreten würde, wenn diese das Gefühl hätten, vom Weg abgekommen zu sein.

Die Mondastronauten sollen mit einem speziellen LCD-Touchpad ständig ihr aktuelles Kartenmaterial und ihre Positionsdaten abrufen können. Dazu entwickelt das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston ein Gerät, das am Unterarm der neuen Mondanzüge befestigt werden könnte.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.