Astronautin Sally Ride: Coming-out in der Todesanzeige

Sally Ride war die erste Amerikanerin im Weltall, sie musste gegen viele Vorurteile kämpfen. Ihre Begeisterung für Naturwissenschaften und ihre Willenskraft halfen dabei. Doch ein Geheimnis bewahrte die Physikerin bis zu ihrem Tod: Sie lebte viele Jahre mit einer Frau zusammen.

Die erste Amerikanerin im All: Sally Rides Leben Fotos
AP/ NASA

New York - Sally Ride war eine Frau mit grenzenloser Energie, die sich begeistern ließ und dem Leben unerschrocken entgegenblickte. Nun hat sie ihren letzten Kampf verloren: Am Montag ist die erste Amerikanerin, die das Weltall bereiste, im Alter von 61 Jahren in ihrer Heimat San Diego an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Der Tod kam für viele überraschend: Ride hatte die Krankheit geheim gehalten, um ihre Privatsphäre zu schützen, berichtet die "New York Times".

Schon als junges Mädchen faszinierten Ride die Naturwissenschaften. In einem Alter, in dem andere Mädchen vor allem mit Puppen spielen, hantierte sie mit Chemiebaukästen und beobachtete mit einem Teleskop den Himmel. Mit 26, Ride hatte bereits Abschlüsse in Physik und Englisch an der Stanford University, sah sie eine Anzeige in der Studentenzeitung der Universität. Die Nasa suchte nach neuen Astronauten. Als Ride die Anforderungen sah, dachte sie: "Ich bin einer der Menschen, nach denen sie suchen." So erzählte sie es 1982 der "New York Times".

Von 8000 Bewerbern schafften es 35 in die Ausbildung. Sechs von ihnen waren Frauen, eine von ihnen war Ride. Im August 1979, nach einem Jahr Training, wurde Ride dann tatsächlich für ihre erste Weltraum-Mission ausgewählt. Vier Jahre später, am 18. Juni 1983, schoss sie mit der "Challenger" vom Kennedy Space Center, Florida, Richtung All. Sie war nicht nur die erste US-Amerikanerin im Weltall, sondern auch das bis dahin jüngste Mitglied einer Space-Shuttle-Crew.

Kampf gegen Vorurteile und das Geschlechterbild

Obwohl Frauen zu der Zeit langsam die Männerdomäne der Naturwissenschaften durchdrangen, musste sich Ride vielen quälenden Fragen der Reporter stellen. So erkundigten sich die Journalisten unter anderem danach, ob sie einen Kinderwunsch habe, ob der Flug nicht ihren Fortpflanzungsorganen schaden könne, ob sie plane, sich im Weltall zu schminken und wie sie im Weltraum mit ihrer Menstruation umgehen wolle.

Auf einer Nasa-Konferenz sagte die Astronautin: "Es ist so eine große Sache. Es ist einfach schade, dass unsere Gesellschaft das nicht unterstützen kann." Die Sowjetunion hatte zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Frauen ins Weltall geschossen, die mit ähnlichen Vorurteilen zu kämpfen hatten. Als eine der Kosmonautinnen an Bord einer Raumstation kam, empfing sie laut "New York Times" ein männlicher Kollege mit der Aussage, die Küche und eine Schürze warteten bereits auf sie.

Die Nasa hatte Ride unter anderem ausgewählt, weil sie mit den Kontroversen um ihre Person umgehen konnte. Insgesamt lag der Astronautin viel daran, ihr Privatleben vor der Öffentlichkeit zu schützen. So kam es auch, dass Ride ein Geheimnis bis zuletzt bewahrte: Die letzten 27 Jahre ihres Lebens verbrachte sie mit der inzwischen emeritierten Psychologieprofessorin Tam O'Shaughnessy an ihrer Seite. Dies wurde erst aus der Todesanzeige auf der Homepage ihrer Firma deutlich. 1982 hatte sie den Astronauten Steven Hawley geheiratet, die beiden ließen sich jedoch 1987 wieder scheiden.

Rides Schwester sagte der Webseite Buzzfeed, sie hoffe, die Nachricht, dass eine amerikanische Heldin lesbisch gewesen sei, erleichtere es Jugendlichen, mit ihrer Homosexualität umzugehen. Ihre Schwester habe die Beziehung nicht vor ihrem direkten Umfeld geheim gehalten, sagte Bear Ride. "Enge Freunde wussten es natürlich."

Erster Flug ins All: "Der größte Spaß meines Lebens"

Trotz des Widerstands aufgrund ihres Geschlechts zeigte sich schnell, dass Ride mit ihrer Entscheidung, Astronautin zu werden, den richtigen Weg eingeschlagen hatte. Nach 147 Stunden kehrte sie von ihrer ersten Mission auf die Erde zurück, voller guter Erinnerungen: "Ich glaube, es war der größte Spaß meines Lebens", wird Ride auf ihrer Website zitiert. Es folgte eine zweite Mission im Jahr 1984, später arbeitete Ride an der Aufklärung des Unfalls der "Challenger": 73 Sekunden nach dem Start explodierte die Raumfähre 1986, sechs Astronauten und eine Lehrerin kamen ums Leben.

Es folgten weitere Jahre bei der Nasa, bis sie die Organisation schließlich verließ und 1989 eine Professur für Physik annahm und als Direktorin des California Space Institutes an der University of California, San Diego, arbeitete. In ihren letzten Arbeitsjahren schrieb Ride Bücher über Naturwissenschaften für Kinder, in einem berichtete sie etwa, wie man sich am besten ein Sandwich im Weltall macht - und dass man es schnell essen sollte, bevor es wegfliegt.

2001 gründete sie ihr eigenes Unternehmen Sally Ride Science. Es produziert Unterrichtsmaterialien und schult Lehrer. Das Ziel: Mädchen und Jungen genauso für Naturwissenschaften zu begeistern, wie Ride zeitlebens begeistert war.

irb

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Ride on Sally
Masterchalk 24.07.2012
Zitat von sysop(...) Schon als junges Mädchen faszinierten Ride die Naturwissenschaften. In einem Alter, in dem andere Mädchen vor allem mit Puppen spielen, hantierte sie mit Chemiebaukästen und beobachtete mit einem Teleskop den Himmel. Mit 26, Ride hatte bereits Abschlüsse in Physik und Englisch an der Stanford University (...)]
Das Problem ist eher, daß man auch heute noch den Mädchen lieber so ein dusselig pink-farbenes Gedöns schenkt, weil die Gören sonst unentwegt plärren, statt zu Weihnachten mal € 50,00 für ein Mikroskop oder ähnliches anzulegen. Gleiches gilt auch für Jungs... Interessen sind nicht da, sie müssen geweckt, und einmal geweckt, bestenfalls gefördert werden, wo es nur geht. Aber Lilifee oder wie der Schrott heisst und die neue PSirgendwas sind natürlich die bessere Investition. Ach, Sally Ride war lesbisch ? Ist mir gar nicht aufgefallen und zudem vollkommen unwichtig...
2. Solche Meldungen
larousse 24.07.2012
Zitat von sysopSally Ride war die erste Amerikanerin im Weltall, sie musste gegen viele Vorurteile kämpfen. Ihre Begeisterung für Naturwissenschaften und ihre Willenskraft halfen dabei. Doch ein Geheimnis bewahrte die Physikerin bis zu ihrem Tod: Sie lebte viele Jahre mit einer Frau zusammen. Astronautin Sally Ride: Coming-out in der Todesanzeige - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,846051,00.html)
Solche Meldungen interessieren doch nur die ewig Gestrigen, die immer noch nicht kapiert haben, wie unwichtig es ist, ob man hetero oder homosexuell ist.....man kann daran auch sehen, wie unterentwickelt die jeweiligen Völker sind....je archaischer, umso homophober....
3. Bild-Niveau wäre noch geprahlt
Wulflam 24.07.2012
Zitat von sysopSally Ride war die erste Amerikanerin im Weltall, sie musste gegen viele Vorurteile kämpfen. Ihre Begeisterung für Naturwissenschaften und ihre Willenskraft halfen dabei. Doch ein Geheimnis bewahrte die Physikerin bis zu ihrem Tod: Sie lebte viele Jahre mit einer Frau zusammen. Astronautin Sally Ride: Coming-out in der Todesanzeige - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,846051,00.html)
Solange ihre sexuelle Orientierung erwähnenswert ist, scheint Homosexualität immer noch nicht normal und akzeptiert - insbesondere bei einer so reißerischen Überschrift. Was soll das?
4. Wo
geode 24.07.2012
ist jetzt die Sensation?
5. Bedauerlich, aber kein Wunder
gandhiforever 25.07.2012
Zitat von sysopSally Ride war die erste Amerikanerin im Weltall, sie musste gegen viele Vorurteile kämpfen. Ihre Begeisterung für Naturwissenschaften und ihre Willenskraft halfen dabei. Doch ein Geheimnis bewahrte die Physikerin bis zu ihrem Tod: Sie lebte viele Jahre mit einer Frau zusammen. Astronautin Sally Ride: Coming-out in der Todesanzeige - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,846051,00.html)
Es braucht hier immer noch viel Mut, sich zu seiner Neigung als Homosexueller zu bekennen. Es ist sehr bedauerlich, dass diese Mitmenschen immer noch damit rechnen muessen, diskriminiert zu werden. Wenn Palintelligente (ich werde den Ausdruck wohl auch noch gebrauchen, wenn Sarah Palin laengst vergessen ist) behaupten, diese Menschen koennten auch anders, wenn sie sich nur bemuehen wuerden, wenn die verhinderte Neoschweizerin Michele Bachmann meint, ihr Pychogatte Markus koenne Homosexuelle "heilen", dann muss man sich nicht wundern, wenn Homosexuelle weiterhin ein Geheimnis aus ihrer Neigung machen. Manche homosezuelle Republikaner gehen ja sogar so weit, antihomosexuelle Gesetze zu unterstuetzen, nur um ihre Neigung nicht zum Gespraech ihrer Parteigenossen werden zu lassen. Nun hat Sally Ride Ruhe, auch wenn manche diese "Christen" meinen, sie werde in einerr Hoelle schmoren.
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