Exoplanet: Astronomen entdecken die blaue Hölle

Exoplanet: Ferne blaue Murmel Fotos
DPA/ NASA/ ESA

Astronomen haben erstmals die Farbe eines fernen Planeten bestimmt. Auf den ersten Blick wirkt die ferne Welt wie eine zweite Erde. Doch die ruhige Schönheit täuscht. Extreme Stürme toben in der tausend Grad heißen Atmosphäre - und es regnet Glassplitter.

Eigentlich hätte HD 189733b längst einen griffigeren Namen verdient. Denn der Exoplanet, der in nur 63 Lichtjahren Entfernung von der Erde seinen Stern umkreist, hat Astronomen schon mehrere erste Male beschert: Das erste direkt gemessene sichtbare Licht eines Exoplaneten lieferte er ebenso wie das erste in der Atmosphäre nachgewiesene Methan. Auch Kohlenmonoxid und CO2 finden sich dort, wie Astronomen später herausfanden.

Jetzt können Forscher verkünden, wie HD 189733b aussieht - zum ersten Mal bei einem Exoplaneten: Er ist azurblau, meldet die Europäische Raumfahrtbehörde Esa.

Die Forscher bestimmten mit Hilfe des "Hubble"-Teleskops, wie viel Licht von der Oberfläche des Planeten reflektiert wird. Dazu beobachteten sie den Stern (HD 189733 - ohne "b") und seinen Planeten über längere Zeitabschnitte. Verschwand der Exoplanet von der Erde aus gesehen hinter seinem Zentralgestirn, so sank der Blauanteil des Lichts, das das Teleskop aus dem System auffing.

Keine Ozeane, sondern umherschwirrende Splitter

Wer jetzt Parallelen zur Erde vermutet, muss leider enttäuscht werden. Keine Ozeane schimmern auf der fernen Welt. Stattdessen sind nach Angaben der Forscher unzählige in der Atmosphäre von HD 189733b umherschwirrende Silikatpartikel für die Farbe verantwortlich.

Der Exoplanet gehört zur Klasse der sogenannten Heißen Jupiter: Ihre Masse entspricht in etwa der des Gasriesen aus unserem Sonnensystem. Allerdings umkreist HD 189733b seinen Stern im Gegensatz zum Jupiter in sehr geringer Entfernung. So kann er ihn in gut zwei Tagen einmal umrunden - und ist wortwörtlich heiß.

Durch die Nähe zu seinem Stern herrschen in der Atmosphäre des Gasriesen wahrscheinlich Temperaturen von mehr als tausend Grad Celsius. Zusätzlich fegt Wind mit Geschwindigkeiten von 7000 Kilometern pro Stunde über die Oberfläche. Und dann wären da noch die Silikat-Splitter. "Es regnet Glas, seitwärts", beschreibt es die Esa.

Bei diesen Bedingungen ist nicht anzunehmen, dass HD 189733b Astronomen noch ein ganz besonderes erstes Mal verschafft: Leben, wie wir es uns bislang vorstellen. Das dürften die Forscher auf dem unwirtlichen Gasriesen kaum entdecken.

wbr

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS
alles zum Thema Exoplaneten
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback

Fotostrecke
Exoplaneten: "Kepler" macht neue Funde
Fotostrecke
Exoplaneten: Pralle Vielfalt im All