300.000 Jahre jung Astronomen sichten Sternen-Embryo

Nach kosmischen Maßstäben ist er ein Jungspund: Forscher haben einen Protostern entdeckt, der höchstens 300.000 Jahre alt ist. Der Himmelskörper erlaubt damit einen Blick in die Entstehungsphase unseres eigenen Sonnensystems.

Kosmische Kinderstube: Auch im Carinanebel wird es so manchen Protostern geben
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Astronomen haben einen Stern in der frühesten Entstehungsphase aufgespürt. Der Protostern ist höchstens etwa 300.000 Jahre alt. Damit zählt er zu den jüngsten bekannten Sternen im Embryonalstadium, wie ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift "Nature" berichtet. Zum Vergleich: Unsere Sonne ist etwa 4,6 Milliarden Jahre alt.

Protosterne sind die Vorläufer von Sternen - in ihnen hat noch keine Kernfusion eingesetzt. Der Sternenembryo mit der Bezeichnung "L1527 IRS" befindet sich mehr als 450 Lichtjahre entfernt von der Erde im Sternbild Stier, wie die Forscher um John Tobin vom National Radio Astronomy Observatory (NRAO) in Charlottesville (US-Staat Virginia) berichten. Derzeit habe er erst etwa knapp ein Fünftel der Masse unserer Sonne. Er ziehe aber reichlich Materie aus seiner Umgebung an und könne durchaus auf die Masse unseres Zentralgestirns wachsen, vermuten die Wissenschaftler.

Protosterne sind schwer zu entdecken

Solche Protosterne der Klasse null sind äußerst schwer zu entdecken, unter anderem weil sie nur schwach leuchten und zudem in diesem Stadium noch von großen Mengen Staub und Gas umgeben sind. Diese sogenannte Akkretionsscheibe, aus der der Protostern Materie zieht, analysierten Tobin und seine Kollegen durch Messungen im Millimeter- und Submillimeter-Bereich. Daraus berechneten sie dann die Masse der Akkretionsscheibe sowie des Protosterns in ihrem Zentrum. Der Durchmesser der Scheibe beträgt etwa 180 Astronomische Einheiten (AU). Eine Astronomische Einheit entspricht der mittleren Entfernung der Erde zur Sonne, also etwa 150 Millionen Kilometern.

Die Umlaufgeschwindigkeit der Materie nehme mit zunehmender Entfernung vom Protostern ab - ähnlich wie in unserem Sonnensystem die Bahngeschwindigkeiten der Planeten mit ihrer Distanz zur Sonne abnehmen, heißt es in der Studie. "Dies ist der jüngste bislang gefundene Protostern, der dieses Kennzeichen in einer umgebenden Scheibe zeigt", sagte Tobin.

"Dieses System sieht in vielerlei Hinsicht so aus wie unserer Meinung nach unser Sonnensystem, als es noch sehr jung war." Die Forscher gehen davon aus, dass in der Umgebung des Protosterns Planeten entstehen könnten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Rotationsgeschwindigkeit der Materie steige mit zunehmender Entfernung zum Protostern. Tatsächlich nimmt sie aber ab. Wir haben diesen Fehler korrigiert.

wbr/dpa

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