Astronomie Der mysteriöse Fall des Kometen Holmes

Vom Nobody zum Star des Abendhimmels: Vor gut sechs Jahren verblüffte der Komet Holmes die Astronomen - in dem seine Helligkeit binnen kürzester Zeit um das 500.000-fache stieg. Was war passiert? Einer neuen Theorie zufolge waren Alkohol und Wasser im Spiel.

Astronomen auf der Suche nach Holmes (2007): Der helle Fleck im Bild ist allerdings der Mond
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Astronomen auf der Suche nach Holmes (2007): Der helle Fleck im Bild ist allerdings der Mond


Kein Artgenosse hatte sich zuvor bei solch einem Trick ertappen lassen: Im Jahr 2007 steigerte der Komet 17P/Holmes binnen weniger Tage seine Helligkeit explosionsartig auf das 500.000-fache. Wochenlang war der Schweifstern mit bloßem Auge zu sehen und avancierte zum Star des Abendhimmels. Doch was steckte hinter dem exaltierten Auftritt, der die Kometenwolke zeitweise zum größten Objekt des Sonnensystems machte? Lange rätselten die Experten über die Ursache. Nun hat Richard Miles von der British Astronomical Association auf der jährlichen Konferenz der europäischen Planetenforscher EPSC eine Studie vorgestellt, die den Grund in einer profanen Haushaltschemikalie sieht: Methylalkohol, besser bekannt als Methanol.

Bereits seit Jahren ist klar, dass das rekordverdächtige Aufleuchten nichts mit dem Helligkeitszuwachs zu tun hat, der bei anderen Kometen in Sonnennähe üblich ist. Durch die Sonnenwärme verdampfen nämlich dort die gefrorenen Bestandteile des Kometenkerns. Dieser Brocken aus Dreck und Eis hüllt sich deshalb in eine große Gas- und Staubwolke. Sonnenstrahlung und Sonnenwind blasen deren Partikel dann hinaus ins Weltall. Wenn so der typische Kometenschweif entsteht, glänzen die Staubteilchen in Schweif und Wolke im Sonnenlicht - der Komet legt also optisch an Strahlkraft zu.

Solche Lichtwechsel gehören zum kometaren Kerngeschäft. Extreme Ausbrüche wie 2007 bei Holmes sind dagegen sehr selten, allenfalls wäre noch der Komet Harrington-Abell zu nennen, der in den 1990er-Jahren ähnlich aufstrahlte, allerdings für das unbewaffnete Auge unsichtbar blieb. Holmes ist also etwas Besonderes. Entdeckt wurde der astronomische Freak vom Briten Edwin Holmes, das war 1892. Der Sterngucker erwischte ihn offenbar ebenfalls bei einem Helligkeitsausbruch, denn kurz darauf war der Komet nur noch als lichtschwaches Objekt im Fernrohr auszumachen. Ein zweiter, schwächerer Ausbruch folgte einige Monate später.

Der bekannte US-Planetenforscher Fred Whipple versuchte sich an einer Deutung. Whipple zufolge hatte der Kometenkern eine Art Mond, der beim ersten Ausbruch fast mit dem Holmes' Kern kollidiert sein soll, dabei den Kern aber nur ankratzte. Beim zweiten "Outburst" soll der Begleiter dann endgültig auf den Kern gekracht sein.

Durch Übersättigung zum Hexenkessel geworden

Die Crash-Idee hat heute kaum noch Anhänger, vielmehr sieht man physikalisch-chemische Prozesse im Innern des Kometen am Werk. So weist Miles in seinem Londoner Konferenzbeitrag daraufhin, dass Kometen neben Wassereis diverse organische Substanzen enthalten, darunter auch Methanol. Mischungen des Alkohols zusammen mit Wasser können auch bei sehr tiefen Temperaturen bis minus 116 Grad Celsius flüssig sein, also auch auf sonnenferneren Abschnitten der Kometenbahn. Solche Mixturen sind zudem ein ausgezeichnetes Lösungsmittel für Kohlendioxid, dessen Vorkommen in Kometenkernen ebenfalls belegt ist.

Eine weitere Ingredienz in dem Szenario sind mikroskopische Hohlräume, die eine natürlich Konsequenz der Winzigkeit der Körnchen sind, aus denen Kometenkerne zum Teil bestehen. Miles Rechnungen ergeben, dass sich all dies in einen Hexenkessel verwandeln kann, wenn eine Übersättigung eintritt. Dann können plötzlich große Mengen des Kohlendioxids frei werden, das zuvor gelöst war. Der rapide Anstieg des Gasdrucks ist die Ursache des explosiven Ausbruchs.

"Niemand kennt wirklich die genaue Struktur und Zusammensetzung des Holmes-Kometen", kommentiert Konrad Kossacki von der Universität Warschau, der vor einiger Zeit eine Analyse im Fachblatt "Icarus" publiziert hatte. Seinen Rechnungen deuten auf ein anderes Gas, nämlich Kohlenmonoxid. Demnach wäre es im Kometenkern ursprünglich gefroren gewesen und dann plötzlich verdampft. Den Auslöser dafür sieht er in einer Erwärmung, die aus einer Veränderung des Kristallzustandes des Wassereis im Kometen resultiert. Der plötzliche Druckanstieg hätte demnach den nur locker zusammen gehaltenen Kern überfordert, eine Explosion wäre unvermeidlich gewesen.

Die Debatte wird wohl noch weitergehen, denn Kometenkerne sind noch immer weitgehend eine Terra incognita. Kossacki: "Mit Computersimulationen müssen wir die möglichen Bedingungen dort untersuchen und welche Prozesse oder Ereignisse in Frage kommen." Um tatsächlich zu enträtseln, was auf Holmes vonstattengeht, sind auch neue Beobachtungen nötig. Im Mai des vergangen Jahres vollführte der Himmelskörper mal wieder eine kurze Aufhellung - wenngleich diese längst nicht so spektakulär ausfiel wie die früheren Episoden. Nun warten die Astronomen gespannt auf den kommenden März, dann wird der Freak-Komet das nächste Mal die Sonne passieren.



insgesamt 19 Beiträge
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Holledauer 15.09.2013
1. Jeder vernünftige Mensch weiß, ...
Zitat von sysopAPVom Nobody zum Star des Abendhimmels: Vor gut sechs Jahren verblüffte der Komet Holmes die Astronomen - in dem seine Helligkeit binnen kürzester Zeit um das 500.000-fache stieg. Was war passiert? Einer neuen Theorie zufolge waren Alkohol und Wasser im Spiel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/astronomie-der-mysterioese-fall-des-kometen-holmes-a-922155.html
... Dass Methanol giftig ist und zumindest zur Erblindung führen kann. Vielleicht haben die Astronomen, die das sicher auch wussten, bei ihren Berechnungen Wasser mit zuviel Ethanol getrunken. In Russland nennt man so etwas Wodka, also "Wässerchen". Denn es gibt absolut keine wissenschaftliche Erklärung, wie bei Weltraumbedingungen so große Mengen Methanol entstehen konnten!
st.illgen 15.09.2013
2. kometen gibts net
seitdem man weiß daß die erde rine scheibe ist unnd maximal 50 km dick ist weiß man daß kometen oder asteroiden abplatzungen vom rand dieser ist, hervorgerufen durch die enorme Fliehkraft.
Mimimat 15.09.2013
3. Wie jetzt?
Zitat von sysopAPVom Nobody zum Star des Abendhimmels: Vor gut sechs Jahren verblüffte der Komet Holmes die Astronomen - in dem seine Helligkeit binnen kürzester Zeit um das 500.000-fache stieg. Was war passiert? Einer neuen Theorie zufolge waren Alkohol und Wasser im Spiel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/astronomie-der-mysterioese-fall-des-kometen-holmes-a-922155.html
Ich dachte, die Oortsche Wolke ist eine Kometenwolke? Meinte der Verfasser eventuell den Schweif des Kometen?
panzertom 15.09.2013
4. Versteht keiner!
Die Erklärung von Richard Miles, so wie spiegel online sie wiedergibt, ist nicht recht überzeugend. "Der rapide Anstieg des Gasdrucks" soll den Leuchteffekt verursacht haben? Das ist nicht schlüssig. Kohlendioxid leuchtet nicht - mit oder ohne Druck. Nicht einmal die Sonne bringt Kohlendioxid zum Leuchten. Bitte eine bessere Erklärung!
Layer_8 15.09.2013
5. Methanol
Zitat von Holledauer... Dass Methanol giftig ist und zumindest zur Erblindung führen kann. Vielleicht haben die Astronomen, die das sicher auch wussten, bei ihren Berechnungen Wasser mit zuviel Ethanol getrunken. In Russland nennt man so etwas Wodka, also "Wässerchen". Denn es gibt absolut keine wissenschaftliche Erklärung, wie bei Weltraumbedingungen so große Mengen Methanol entstehen konnten!
CH3OH Ziemlich einfaches Molekül. Und Ihre Denkkategorien sind hier durchaus polemisch und sachlich vollkommen falsch.
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