Astronomie: Deutsche Forscher starten Sonnenteleskop "Sunrise"

Riesenballon mit heikler Fracht: Deutsche Sonnenforscher haben das Teleskop "Sunrise" an einem riesigen Heliumballon befestigt und es in Schweden in die Luft steigen lassen. Fünf Tage lang wird es die Sonne aus 30 Kilometern Höhe beobachten - und dabei auch über den Nordpol schweben.

Köln - Mit einem Helium-Ballon haben deutsche Wissenschaftler das Sonnenteleskop "Sunrise" erfolgreich in die Luft geschickt. Der Ballon mit der kostbaren Fracht hob vom Raketen- und Ballonstartplatz Esrange bei Kiruna in Nordschweden ab. Fünf Tage lang soll "Sunrise" mit seinem Ein-Meter-Spiegel die Sonne beobachten - mit einer Genauigkeit, die kein Teleskop am Boden erreichen könnte.

In 30 Kilometern Höhe ist die Restatmosphäre so gering, dass das ultraviolette Licht mit einer Wellenlänge von bis zu 200 Nanometern fast ungefiltert von den Instrumenten aufgenommen werden kann. Am Boden wären solche Beobachtungen laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) nicht möglich, da die Ozonschicht und der Wasserdampf in der unteren Atmosphäre das UV-Licht größtenteils absorbieren. "Sunrise" soll über das Polarmeer zum Nordpol schweben und voraussichtlich am Freitag im Norden Kanadas an einem Fallschirm landen.

Mit dem vom DLR geförderten und dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau gebauten Teleskop wollen die Wissenschaftler Strukturen auf der Sonne ab einer Größe von etwa 35 Kilometern beobachten. Das Ziel ist, erstmals die Bewegung und magnetische Orientierung feiner Strukturen im heißen Plasma zu erfassen, dem ionisierten Gas in der Sonnenatmosphäre.

Das Sonnenteleskop stieg an einem US-amerikanischen Ballon auf. Es ist der größte jemals in Europa gestartete Höhenballon. Die Größe ist nötig, denn seine Fracht wiegt mehr als zwei Tonnen. Damit der Ballon mit diesem Schwergewicht in die Stratosphäre aufsteigen kann, benötigt er 2500 Kubikmeter Helium. Nach dem Aufstieg dehnt er sich weiter auf ein Volumen von gut einer Million Kubikmetern aus. Sein Durchmesser beträgt dann 100 Meter. Damit könnte sogar die 91 Meter hohe Dresdner Frauenkirche umfassen.

lub/dpa

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