Astro-Nachrichten des Jahres Die kosmischen Top Ten

Was für ein Jahr für Weltraumfans: Es gab hochauflösende Fotos vom Rand des Sonnensystems, verwirrende Signale von einem Kometen, Raumfahrer auf Rekordflügen. Das sind die Highlights.

Von

Nachthimmel über Ungarn (im Juli 2015): Ein Jahr für Weltraumfans
DPA

Nachthimmel über Ungarn (im Juli 2015): Ein Jahr für Weltraumfans


1. Ein Planet, der keiner mehr ist, wird zum Fotostar

12.500 Kilometer Distanz sind kein Pappenstiel, erst recht, wenn man zum ersten Mal einen fremden Himmelskörper erkundet. Doch damit würde man "New Horizons" und den an ihrem Flug beteiligten Forschern Unrecht tun. Die Nasa-Sonde hat Mitte Juni als erstes Flugobjekt von der Erde den Pluto erreicht. Und in bisher ungekannter Schärfe und Detailtiefe fotografiert. Es war das Astro-Ereignis des Jahres - denn seit dem rasenden Vorbeiflug ist klar: Der eisige Zwergplanet ist deutlich abwechslungsreicher als angenommen. Außerdem gibt es dort mehr geologische Aktivität als bisher bekannt - und verblüffend wenig Einschlagkrater.

Auch Plutos Mond Charon nahm sich "New Horizons" vor. Von ihm gibt es nun ebenfalls zum ersten Mal scharfe Bilder. Wochenlang dauerte es, bis die Sonde die beim Vorbeiflug gesammelten Daten zur Erde zurückspielen konnte. Inzwischen ist "New Horizons" weiter auf dem Weg durch den Kuipergürtel. Im Januar 2019 soll sie dort einen Asteroiden namens 2014 MU 69 untersuchen. Der ist etwa 25 bis 45 Kilometer groß und kreist etwa alle 300 Jahre einmal um die Sonne - und hat natürlich auch noch nie Besuch von der Erde bekommen.

Plutos Berglandschaft: Hohe Berge, gefrorene Ebenen, dichte Nebelschwaden. "New Horizons" hat faszinierende Bilder vom Rand des Sonnensystems geliefert.

Sputnik Planum: In der weiten Eisebene, einer auffälligen herzförmigen Region auf dem Pluto, scheint Stickstoff zu verdunsten und sich weiter östlich abzulagern.

Eislandschaft, vermutlich aus Stickstoff: Die blauen Pfeile markieren eine angebliche Gletscherfront; rote Pfeile das Ursprungsgebiet des fließenden Eises.

Bodennebel: Mehrere Schichten dichter Dunstschwaden liegen über Pluto.

Nahaufnahme: 15 Minuten nach der dichtesten Annäherung an Pluto blickte die Sonde mit dieser Aufnahme zurück - zum Sonnenuntergang auf Pluto.

Nebelring: In der Atmosphäre des Pluto fotografierte "New Horizons" Dunstschleier. Die größte Überraschung aber war, dass der Zwergplanet kugelrund ist.

Zusammengesetzte Aufnahme von Pluto: So würde der Zwergplanet aussehen, wenn man etwa 1800 Kilometer überm Äquator schwebt und nach Nordosten blickt.

Der Ausschnitt zeigt ein rund 350 Kilometer breites Stück der Pluto-Oberfläche. Die kleinsten erkennbaren Strukturen sind nur rund 800 Meter breit. Im dunklen Gebiet in der Bildmitte erinnert die Oberfläche an eine Dünenlandschaft.

Eislandschaft: Hohe Eisberge sind auf diesem Bild blau hervorgehoben.

Sputnik-Ebene: Die große eisbedeckte Ebene ist nach geologischen Maßstäben wohl noch recht jung.

Am nordwestlichen Rand der Ebene ist das Terrain zerklüftet. Die Oberfläche des Pluto sei so komplex wie die des Planeten Mars, schwärmte ein beteiligter Forscher.

Künstlerische Darstellung von "New Horizons": Am 15. Juli passierte die Sonde den Zwergplaneten in nur 12.000 Kilometern Entfernung.

Zwergplanet Pluto (unten rechts) und sein Mond Charon in unerreichter Schärfe.

Plutos Mond Charon ist etwa 1200 Kilometer dick.

Charons Kraterlandschaft (oben) wird in der Mitte des Mondes von tiefen Schluchten unterbrochen.

2. Nasa bejubelt Wasser auf dem Mars - mal wieder

Die US-Weltraumbehörde Nasa will Menschen zum Mars schicken. Irgendwann. Und das sagt sie auch immer mal wieder. Dieser Tage aber will sie es ganz besonders, so scheint es. Dafür ist jegliche öffentliche Unterstützung hochwillkommen. So war man sicher froh, den Machern des - wissenschaftlich weitgehend an der Realität orientierten - Films "Der Marsianer" unter die Arme greifen zu können.

In Ridley Scotts Heldenepos kämpft ein von Matt Damon gespielter Astronaut um sein Überleben. Für Weltraumbehörde und Filmemacher auch ganz praktisch aus PR-Gesichtspunkten: Wenige Tage vor dem Start des Streifens gab die Nasa bekannt, sie habe Hinweise auf fließendes Wasser auf dem Mars gefunden.

Wohlgemerkt solches, dass dort nicht irgendwann geflossen ist - sondern immer noch fließt. Messdaten der Raumsonde "Mars Reconnaissance Orbiter" (MRO) legen den Forschern zufolge nahe, dass das Wasser - schrecklich salzig übrigens - an steilen Hängen fließt.

Definitive Beweise gibt es dafür nicht, spannende Belege in Form charakteristischer chemischer Verbindungen allerdings durchaus. So ähnlich hatte die Nasa übrigens vor 15 Jahren schon einmal versucht, die Welt vom Vorhandensein des Marswassers zu überzeugen. Um es endgültig zu finden, muss sich womöglich aber dann doch Matt Damon auf die Reise machen. Oder ein echter Astronaut.

Rinnen am Fels: Forscher haben Flanken untersucht, die sich im Sommer regelmäßig an manchen Steilhängen auf dem Mars formen.

Hunderte Meter lange Rinnen: An den Hängen fanden die Wissenschaftler chemische Spuren von Salzhydraten, die es in der Umgebung nicht gab - wurden sie von Wasser abgelagert?

Steile Flanken: Salziges Schmelzwasser könnte demnach regelmäßig im Marssommer Steilhänge hinabfließen.

Farbanalyse: Flüssiges Wasser ist von zentraler Bedeutung für Leben.

Mars: Leben etwa Mikroorganismen im Boden des Planeten? Diese Frage fasziniert die Wissenschaft seit Langem.

3. On-off-Beziehung auf einem Kometen

Was ist das für ein Leben? Da macht man seinen Job nicht nur gut, sondern exzellent. Da sammelt man emsig Daten, schickt Fotos und liefert so die Grundlagen für haufenweise wissenschaftliche Veröffentlichungen. Trotzdem schaut die halbe Welt lieber auf die zickige Rotzgöre. Wenn ein Raumfahrzeug Gedanken äußern könnte - und wenn es schlecht gelaunt wäre - dann könnte womöglich die europäische Kometensonde "Rosetta" so lästern.

Sie kreist seit September vergangenen Jahres um den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Dabei hat sie zum Beispiel herausgefunden, dass der Himmelskörper wohl bei einer Zeitlupenkollision entstanden ist. Auf seinem Weg begleitete "Rosetta" den Himmelskörper auch am sonnennächsten Punkt - und konnte dabei zusehen, wie er große Mengen an Material verlor. Die Öffentlichkeit schien sich aber vor allem für den kleinen Landeroboter "Philae" zu interessieren, den "Rosetta" auf der Kometenoberfläche abgesetzt hatte. Diesem war kurz nach der Landung im November 2014 der Strom ausgegangen.

Die Begeisterung war groß, als sich "Philae" Mitte Juni wieder meldete. Doch ein dauerhafter Kontakt ließ sich nicht etablieren. Das Ganze blieb eine On-off-Beziehung. Mit deutlich mehr off als on. In absehbarer Zeit sollen beide jedoch wieder vereint sein, die Esa will "Rosetta" zum Missionsende auf der Kometenoberfläche landen lassen.

Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko: Der Himmelskörper ist im August unbeschadet an der Sonne vorbeigeflogen. Dampfend und staubend passierte er den sonnennächsten Punkt seiner Bahn.

Steile Bergflanken auf dem Kometen: Mehr als 16 organische Verbindungen wurden im Oberflächenstaub von Tschuri nachgewiesen. Darunter sind vier, die bisher noch nicht auf Kometen gefunden wurden: Methylisocyanat, Aceton, Propanal und Acetamid.

Komet voller Geheimnisse: Der Himmelskörper entstand wohl aus zwei einzelnen Objekten. Vor einigen Milliarden Jahren soll es einen sanften Zusammenstoß gegeben haben, bei dem sich zwei kilometergroße Gesteinsbrocken mit geringer Geschwindigkeit aufeinander zubewegten.

Anflug: Dieses Foto machte der Lander "Philae" in 40 Metern Höhe über der vorgesehenen Landeregion Agilkia. Das Bild zeigt, dass die Kometenoberfläche mit Staub und Geröll bedeckt ist. Der große Block in der oberen rechten Ecke des Bildes hat einen Durchmesser von fünf Metern.

Komet in Nahaufnahme: Forscher haben Sauerstoffmoleküle bei 67P/Tschurjumow-Gerassimenko nachgewiesen. Das Sauerstoffgas muss nach Ansicht der Wissenschaftler aus der Entstehungszeit des Sonnensystems stammen.

Komet mit Besuch: Das Minilabor "Philae" und seine Muttersonde "Rosetta" sollen am Ende der Mission beide auf 67P/Tschurjumow-Gerassimenko bleiben.

4. Ceres bekommt Besuch

Klar, "New Horizons" und "Rosetta" beziehungsweise "Philae" waren die astronomischen Medienstars in diesem Jahr. Doch tut man der Nasa-Sonde "Dawn" damit Unrecht. Nachdem sie in den Jahren 2011 und 2012 schon den Asteroiden Vesta im Detail vermessen hatte, schwenkte sie im März dieses Jahres nun auf eine Umlaufbahn um den geheimnisvollen Kleinplaneten Ceres ein. Der zieht zwischen den Planeten Mars und Jupiter seine Bahn als größter Himmelskörper im Asteroidengürtel. Seit dem Frühjahr hat "Dawn" Unmengen faszinierender Bilder von der von Kratern übersäten Oberfläche geschickt.

Lange war unklar, wie die rätselhaften hellen Flecken auf der Oberfläche von Ceres entstanden sein könnten. Inzwischen liegt eine durchaus plausible Erklärung vor: Es handelt sich wahrscheinlich um Salzminerale, die beim Verdampfen von Wasser zurückgeblieben sind.

Die Sonde hat übrigens auch noch einen sechs Kilometer hohen Berg entdeckt, dessen Form an eine Pyramide erinnert. Auch er hat helle Streifen. Noch ein paar Wochen lang soll "Dawn" in nur 375 Kilometern Höhe um Ceres kreisen. Dann endet die Mission. Weil ihr Orbit so stabil ist, wird die Sonde allerdings weiter um den Kleinplaneten kreisen. Ganz still.

Ceres vom "Hubble"-Teleskop aufgenommen: Auf früheren Bildern wie diesem ließen sich allenfalls grobe Details erkennen. Hinweise auf einen hellen Fleck gab es aber schon damals.

Beim Anflug hatte die Sonde "Dawn" erste beeindruckende Bilder ihres Ziels geliefert. Es waren die ersten scharfen Fotos des Zwergplaneten. Diese Aufnahme stammt vom 19. Februar 2015.

Erste Nahaufnahme: Seit Juni umkreist "Dawn" den Himmelskörper. Dieses Foto zeigt den hellsten Punkt, der sich aus zwei großen und mehreren kleineren Flecken zusammensetzt.

Aufnahme vom 6. Juni: In einem anderen Krater befinden sich ebenfalls helle Strukturen. Man könnte fast meinen, auf Ceres würde Tagebau betrieben.

Über die gesamte Oberfläche verteilt sind auffällig helle Flecken zu erkennen. Forscher hatten spekuliert, dass es sich um Wassereis oder Spuren des hellen Materials aus den Kratern handeln könnte.

Detailbild des Occator-Krater: Durch die Aufnahmen der Sonde "Dawn" konnte Wasserdampf in dem Krater nachgewiesen werden. Das Wasser dünstet aus - zurück bleiben helle Minerale wie Magnesiumsulfat - so die neue Hyphothese.

Flecken im Occator-Krater: Neben Salzmineralen könnten die hellen Flächen mancherorts auch aus Wassereis bestehen, berichteten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen Anfang Dezember im Fachblatt "Nature".

Krater auf Ceres: Ähnlich wie beim Mond ist die Oberfläche von Einschlagspuren gezeichnet.

Lesen im kosmischen Geschichtsbuch: Ende April war "Dawn" bei Ceres angekommen und umkreist ihn seitdem.

Kraterlandschaft: Mehr als sieben Jahre hatte die Reise zu dem 900 Kilometer großen Zwergplaneten gedauert.

Ceres-Nordhalbkugel: Diese Aufnahme, ebenfalls entstanden am 6. Juni, zeigt ein weiteres Gebiet auf dem Zwergplaneten, das von kleinen und größeren Kratern übersäht ist.

Geologische Vielfalt auf Ceres (6. Juni): In der rechten unteren Ecke dieser Ansicht ist einer der größten Krater der Südhalbkugel zu sehen.

Oberfläche von Ceres im Falschfarbenbild der Sonde "Dawn": Normalerweise ist die Oberfläche des Zwergplaneten grau, die Analyse der reflektierten Strahlung macht Unterschiede der Landschaft deutlich. Gräben, Krater und isolierte Berge prägen die Oberfläche; sie besteht womöglich großteils aus Eis.

Annäherung der Raumsonde "Dawn" (künstlerische Darstellung): Ceres ist das größte Objekt im Asteroidengürtel, der sich zwischen den Bahnen der Planeten Mars und Jupiter befindet.

5. Ein Jahr im All - immerhin ist der Salat frisch

Man hat das Gefühl, dass die großen Raumfahrtagenturen der Welt niemanden mehr in ein Raumschiff lassen, der nicht ganz exzellente Fotos macht. Scott Kelly ist zum Beispiel so ein Fall. Er twittert seit März atemberaubende Aufnahmen aus dem All, was das Zeug hält. Nebenbei soll der Amerikaner auch noch eine Bestmarke knacken. Ein ganzes Jahr wird er zusammen mit seinem russischen Kollegen Michail Kornijenko auf der Internationalen Raumstation bleiben. Das ist etwa doppelt so lang wie üblich.

Für die Russen ist das wegen Kosmonaut Waleri Poljakow und seiner 437 Tage im All kein Rekord - für die Amerikaner schon. Von Kellys Mission verspricht man sich bei der Nasa aber nicht nur deswegen wichtige Erkenntnisse für zukünftige Langzeitflüge. Grund dafür ist ein Mann, der auch Astronaut ist, ebenfalls Kelly heißt - allerdings Mark mit Vornamen.

Er ist Scotts Zwillingsbruder und soll zum Vergleich eingehend untersucht werden. So soll noch besser als bisher geklärt werden, was die Schwerelosigkeit mit dem menschlichen Körper anstellt, mit Muskeln, Knochen, Immunsystem und Augen. Ihr Langzeitaufenthalt im All brachte für Scott Kelly und Michail Kornijenko übrigens auch ganz ungewohnte Freuden. Sie durften den ersten im Weltraum angebauten Salat verspeisen. Genau genommen nur die Hälfte. Der Rest wird auf der Erde untersucht.

Astronautenzwillinge Mark Kelly (l.) und Scott Kelly (r.): Während Scott auf der ISS ist, wird auch sein Bruder am Boden medizinisch untersucht. Die Vergleichsstudie soll erklären, wie Langzeitaufenthalte im All den menschlichen Körper beeinflussen.

Kelly mit russischem Kollegen Gennady Padalka vor dem Start: Die längste Zeit im Weltraum verbrachte bislang der Kosmonaut Waleri Poljakow in der Raumstation "Mir". Er blieb von Januar 1994 an für 437 Tage dort.

Foto von Scott Kelly von der ISS: Der Raumfahrer twittert regelmäßig Bilder der Erde von der ISS.

Faszinierendes Spektakel: Auch dieses Bild eines Polarlichts hat Kelly von der Raumstation aus gemacht.

Römersalat auf der ISS: Im roten und blauen Licht sieht das Gemüse lila bis pink aus. "Schmeckt gut, irgendwie wie Rucola", war das Fazit von Scott Kelly, der den Salat mit zwei Kollegen verzehrte. Angerichtet hatten sie ihn klassisch mit Olivenöl und Balsamico.

6. Rekord dank Raketenpanne

Auch bei der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) konnte man sich in diesem Jahr über einen Rekord freuen. Die Italienerin Samantha Cristoforetti knackte die Bestmarke für den längsten Nonstop-Raumflug einer Frau. Sie löste Sunita Williams aus den USA ab. Sie war in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt 194 Tage im All, Cristoforetti kommt jetzt auf 199.

Während ihres Aufenthalts setzte die Italienerin die erste Espressomaschine auf der ISS im Betrieb. Der kosmische Kaffee könne in puncto Stärke und Aroma mit jeder Bar in Italien mithalten, erklärte sie anschließend. Ihren All-Rekord verdankt Cristoforetti übrigens einem Unglücksfall. Nach einem missglückten Start im April war der unbemannte russische Raumfrachter "Progress M-27M" im Mai über dem Pazifik verglüht (siehe unten). Wegen der daraufhin folgenden Untersuchung wurde der Rückflug der Crew, zu der Cristoforetti gehörte, um einige Zeit verschoben.

Samantha Cristoforetti vor ihrem Flug: Die italienische Kampfpilotin knackte dieses Jahr den Rekord für den längsten Nonstop-Raumflug einer Frau. Schuld war eine kaputte Rakete.

Foto von der ISS: Auch die Italienerin Cristoforetti machte während ihrer 199 Tage im All tolle Fotos. Dieses hier zeigt den Wirbelsturm Maysak im März 2015.

Überirdischer Espresso: Die Italienerin verkostet den auf der ISS gebrauten Kaffee. Er könne in puncto Stärke und Aroma mit jeder Bar in Italien mithalten, erklärte sie.

Check: Hier untersucht die Astronautin, ob ihr US-Kollege Terry Virts womöglich Wasser im Raumanzug hat - weil das gefährlich werden könnte.

Samantha Cristoforetti vor dem Start: Für den Flug des deutschen Astronauten Alexander Gerst war die Italienerin bereits Teil der Backup-Crew.

7. Apropos Panne: Ein Unglück kommt selten allein

Die "Sojus" ist das Arbeitstier der russischen Raumfahrt, tut seit Jahrzehnten immer brav ihren Job. Immer? Nicht ganz. Zuletzt häuften sich die Pannen. Die wohl wichtigste in diesem Jahr ereignete sich Ende April. Damals missglückte der Start eines unbemannten Frachters vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. 2,3 Tonnen Versorgungsgüter, Treibstoff und Wasser gelangten nicht zur Internationalen Raumstation - sondern wurden zerstört, als "Progress M-27M" über den Pazifik verglühte. Schuld war ein Problem, das kurz vor dem Abtrennen des Raumfrachters von der Trägerrakete auftrat. Dadurch fing die Kapsel an, schnell zu rotieren - und war nicht mehr unter Kontrolle zu bringen.

Doch nicht nur russische Raumfahrer hatten dieses Jahr Probleme mit der Technik, ihren amerikanischen Kollegen ging es nicht besser. Ende Juni explodierte eine "Falcon 9"-Rakete der Privatfirma SpaceX mit einer "Dragon"-Versorgungskapsel an Bord - zwei Minuten nach dem Start. Auch sie sollte die Vorräte der Internationalen Raumstation aufstocken. Für SpaceX war der Verlust ein empfindlicher Rückschlag - ebenso wie für die Logistikverantwortlichen des ISS-Programms. Sie hatten im Oktober 2014 bereits den Absturz eines "Cygnus"-Frachters von Orbital Sciences verkraften müssen. Innerhalb weniger Monate patzten also drei wichtige Liefervehikel.

Unbemannter russischer Transporter "Progress M-27M": Wenige Sekunden nach dem Start war noch alles in Ordnung - aber nicht mehr allzu lange.

"Progress M-27M" auf dem Weg: Beim Abtrennen des Raumfrachters von der Trägerrakete gab es Probleme - die Kapsel begann zu trudeln und verglühte schließlich.

Explodierende "Falcon 9"-Rakete von SpaceX: Auch die amerikanische Konkurrenz hatte Probleme. Ende Juni explodierte...

...diese Rakete, die eigentlich die Vorräte der Internationalen Raumstation aufstocken sollte. Doch schon zwei Minuten nach dem Start in Cape Canaveral war die Mission zu Ende.

Explosion am Startplatz Wallops Island in Virginia: Bereits im Oktober 2014 war dieser unbemannte Transporter der US-Firma Orbital Sciences verunglückt.

8. Einsames Ende

Ja, natürlich kann man im Weltall keine Geräusche hören. Im Vakuum fehlt ein Trägermedium für den Transport der Schallwellen. Trotzdem möchte man sich beinahe vorstellen, dass es gehörig gescheppert hat, als Ende April die Nasa-Sonde "Messenger" ihren Dienst quittierte. Schließlich krachte sie mit einer Geschwindigkeit von rund 14.000 Kilometern pro Stunde auf die Oberfläche des sonnennächsten Planeten Merkur. "Messenger" war ein Arbeitstier, das noch bis zehn Minuten vor dem Absturz Daten zur Erde schickte.

Statt der ursprünglich geplanten 2500 Bilder hatte die Sonde im Verlauf ihrer Mission insgesamt 250.000 gemacht. In Tausenden Umrundungen sammelte sie die Daten dafür, dass Merkur erstmals vollständig kartiert werden konnte. Außerdem spürte "Messenger" tonnenweise Eis am Nordpol des Planeten auf - und fand heraus, dass der Merkur ganz langsam schrumpft. In den kommenden Jahren hat der Planet nun erst einmal Ruhe von Besuchern von der Erde. Erst im Jahr 2024 soll die europäisch-japanische Sonde "BepiColombo" weiterspähen. Frühestens.

Merkur: Noch im Januar 2015 suchte die Nasa Namen für mehrere noch unbenannte Krater des Planeten. Jeder durfte Vorschläge machen.

Vorbeiflug der Sonde am Merkur: Ende April ist "Messenger" auf den Planeten gestürzt und hat dabei einen Krater von geschätzt 16 Meter Durchmesser hinterlassen.

Nasa-Bild aus dem Oktober 2011: Mehr als 250.000 Fotos hat "Messenger" geknipst und viele Terabyte an Daten gesammelt.

Bilanz nach zehn Jahren im All: "Messenger" war im August 2004 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida gestartet.

Annäherung aus der Ferne (Bild von 2008): Fast sieben Jahre war die "Messenger"-Sonde zum Merkur unterwegs. 2011 schwenkte sie schließlich mit einer Vollbremsung in seine Umlaufbahn ein.

Meteoritenschauer: Daten aus dem Gasfeld rund um den Planeten legen nahe, dass er regelmäßig von Meteoriten getroffen wird. Ähnliche Teilchen sind auch für Sternschnuppenregen auf der Erde verantwortlich.

Lange hatten Wissenschaftler angenommen, der Merkur ähnele dem Mond - früh in der Geschichte des Sonnensystems erkaltet und während der meisten Zeit seiner Entwicklung ein toter Planet. Doch im März 2012 verrieten Krater-Bilder: Merkur hat einen gigantischen Eisenkern und eine geologisch bewegte Vergangenheit.

Die Daten für dieses Farbmosaik wurden während des ersten Vorbeiflugs im Januar 2008 von der Messenger-Sonde aufgezeichnet. Die hinzugefügten Farben zeigen die unterschiedlichen Gesteine auf der Oberfläche des Merkur. Unter der trügerisch toten Oberfläche des Miniplaneten brodeln offenbar gigantische Mengen Magma.

Alte Vulkanebene auf dem Merkur: Die Strukturen machen etwa sechs Prozent der Oberfläche aus und sind etwa vier Milliarden Jahre alt.

9. "Beagle 2", da bist du ja!

Es war - wie man jetzt weiß - das erste Mal, dass eine europäische Sonde auf einem anderen Planeten ankam: In der Weihnachtszeit des Jahres 2003 landete "Beagle 2" auf dem Mars. Weil dabei aber entscheidende Dinge schiefgingen, erfuhr die Welt davon nichts - im Prinzip bis Anfang dieses Jahres.

Mitte Januar lud die UK Space Agency zu einer Pressekonferenz im ehrwürdigen Ambiente des Kohn Centre der Royal Society in London. Dabei wurden Bilder von der "HiRise"-Kamera des "Mars Reconnaissance Orbiter" der US-Weltraumbehörde Nasa vorgestellt. Sie belegen, dass "Beagle 2" den Mars damals wohl tatsächlich erreicht hat - nur fünf Kilometer vom Zentrum der geplanten Landezone entfernt.

"Hirise"-Foto der Landestelle: Fotos des "Mars Reconnaissance Orbiter" der US-Weltraumbehörde Nasa belegen, dass die europäische Sonde "Beagle 2" den Mars im Jahr 2003 wohl tatsächlich erreicht hat - und zwar nur fünf Kilometer vom Zentrum der geplanten Landezone entfernt. Die lag in einem weiten Becken unweit des Mars-Äquators.

So hätte es aussehen sollen (künstlerische Darstellung): Nach dem Aufsetzen sollte sich die Sonde öffnen wie eine elegante Taschenuhr - zunächst die Solarmodule zur Energieversorgung, dann der Greifarm für die wissenschaftlichen Experimente. Dazu ist es nie gekommen. Offenbar wurden nur ein oder zwei der vier Sonnenkollektoren automatisch ausgefahren.

Überblicksaufnahme: Fallschirme, Airbags und ein Hitzeschild sollten den Sturz von "Beagle 2" auf die Marsoberfläche abbremsen. Und wie es aussieht, haben sie tatsächlich funktioniert. Auf dem Bild findet sich der Hauptfallschirm ganz in der Nähe der Sonde auf der Marsoberfläche. Oder das, was die Experten dafür halten. Auch eine Abdeckung und ein Hilfsfallschirm sind demnach auf dem Bild zu sehen.

Idealzustand (künstlerische Darstellung): Britische Forscher um Colin Pillinger von der Open University in Milton Keynes hatten die - mit 30 Millionen Euro extrem billige - Mission bei der Europäischen Raumfahrtorganisation (Esa) durchgedrückt. Zum ersten Mal würde eine europäische Sonde den Abstieg auf einen fremden Planeten wagen. Es ging um nicht weniger als die Suche nach Leben.

Abwurf Richtung (künstlerische Darstellung): Mars "Beagle 2" war zusammen mit dem Orbiter "Mars Express" zum Roten Planeten geflogen, doch nach dem Abkoppeln von der Muttersonde meldete sich der Lander nie auf der Erde.

Fallschirme, Airbags und ein Hitzeschild haben funktioniert, wenn man den Bildern Glauben schenken kann. Offenbar wurden aber nach der Landung nur einer oder zwei der vier Sonnenkollektoren automatisch ausgefahren. Damit war die für die Kommunikation nötige Antenne verdeckt - und "Beagle 2" blieb für immer stumm.

10. Mar(s)athon

Mehr Glück bei der Erforschung des Roten Planeten hatte man ja in den vergangenen Jahren bei der Nasa. Flaggschiff ist der Marsrover "Curiosity", der ungefähr die Maße eines Kleinwagens hat. Im Gale-Krater unweit des Mars-Äquators hat er unter anderem ausgetrocknete Seen und Flüsse entdeckt.

Deutlich kleiner und etwas weniger spektakulär kommt der Rover "Opportunity" daher, das zweite aktive Nasa-Fahrzeug auf dem Mars. Doch nicht nur weil das Ding schon seit fast zwölf Jahren dort unterwegs ist, verdient es Begeisterung. Es ist auch weiter gefahren, als jedes andere menschgemachte Planetenmobil.

Im März feierte die Nasa, "Opportunity" habe mit 42 Kilometern mittlerweile eine Marathondistanz absolviert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Bereits im Juli 2014 hatte sich "Opportunity" den Rekord für die längste Fahrt eines Fahrzeugs auf einem fremden Planeten geschnappt. Mit mehr als 40 Kilometern übertraf er damals den Rekord des russischen Rovers "Lunokhod 2", der auf dem Mond 1973 etwa 39 Kilometer gefahren war. Und vor allem: Ursprünglich war "Opportunity" nur für einen dreimonatigen Forschungseinsatz vorgesehen.

"Opportunity" auf seiner Marathonfahrt: Als erstes Fahrzeug auf einem fremden Planeten hat der Mars-Rover mehr als 42 Kilometer zurückgelegt. Im März 2015 konnte das gefeiert werden.

Meilensteine auf der Reise: Ursprünglich für eine dreimonatige Erkundungstour konzipiert, erforscht "Opportunity" den Roten Planeten nun bereits seit mehr als elf Jahren. Auf seiner Fahrt hat er unter anderem Hinweise auf Wasser auf dem Planeten entdeckt.

Fahrt Richtung Süden: Die Grafik zeigt, wo "Opportunity" seit Dezember 2014 unterwegs war.

Er läuft und läuft und läuft: Das ist die Wegstrecke des wackeren Rovers auf dem Mars.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dingodog 31.12.2015
1. Ceres-Bilder
Ich warte etwas ungeduldig auf die Ceres-Bilder der Dawn-Sonde. Die NASA hat bisher nur ziemlich uninteressante Bilder veröffentlicht, seit der entgültige Orbit erreicht wurde: http://photojournal.jpl.nasa.gov/mission/Dawn?subselect=Target:Ceres: Die Erklärung der hellen Strukturen als Salz, das nach dem Verdunsten von Wasser zurückgeblieben ist, klingt durchaus glaubwürdig. Aber zu vielleicht einem Prozent würde ich unkonventionelle Erklärungen (um es mal schwammig zu formulieren) nicht ausschliessen. Wenn unser Sonnensystem irgendwann mal das Ziel von Besuchern war, z.B. um Rohmaterialien abzubauen, dann sicherlich am ehesten im Asteroidengürtel, wo man keinen Riesenaufwand für das Überwinden der Gravitation treffen muss.
Cugel 01.01.2016
2. Abstieg zur Sonne
Für Aliens von ausserhalb unseres Sonnensystems wären Objekte des Kuipergürtels energetisch noch attraktiver. Sie müssten dafür nicht so weit zur Sonne hin absteigen wie das beim Besuch von Objekten des Asteroidengürtels der Fall wäre.
säkularist 01.01.2016
3.
Zitat von CugelFür Aliens von ausserhalb unseres Sonnensystems wären Objekte des Kuipergürtels energetisch noch attraktiver. Sie müssten dafür nicht so weit zur Sonne hin absteigen wie das beim Besuch von Objekten des Asteroidengürtels der Fall wäre.
Ich denke, das für Aliens mit Abstand interessanteste Objekt (vermutlich das einzige lohnende Ziel) des Sonnensystems ist die Erde. Der Kuipergürtel enthält zwar Millionen Objekte, aber wohl nichts was es nicht überall im Universum ebenfalls gibt.
Amarananab 01.01.2016
4. Für eine bemannte Mission zum Mars, jetzt erst recht!
Zitat SPON Artikel `Fallschirme, Airbags und ein Hitzeschild haben funktioniert, wenn man den Bildern Glauben schenken kann. Offenbar wurden aber nach der Landung nur einer oder zwei der vier Sonnenkollektoren automatisch ausgefahren. Damit war die für die Kommunikation nötige Antenne verdeckt - und "Beagle 2" blieb für immer stumm.` Jetzt erst recht heisst es 2016 für eine bemannte Raumfahrtmission zum Nachbarplaneten Mars hinzuarbeiten. denn nur ein Astronaut kann helfen, BEAGLE 2 und andere verschollen Raumfahrzeuge auf der Marsoberfläche zu reparieren danit diese ihre geplanten Missionen durchführen können. So könnte ein Astronaut die restlichen Sonnenkollektoren von BEAGLE 2 ausklappen, vom Staub befreien mithilfe eines Wischtuchs und die Antenne ausfahren helfen oder z.B: die alten Raumsonden Viking1 und 2 aus dem Marssandausgraben, reparierenund wieder zum laufen bringenmithife modernster Nuklearbatterien. Deshalb eine bemannte Marsmission jetzt!
Persipanstollen 01.01.2016
5. Nichts ist langweiliger ..
als Astronomie, sollte man denken. Warum in die Ferne schweifen, wenn Planet Erde soviel mehr zu bieten hat, als ein unmessbar weiter Sternenhimmel ? Astronomen müssen Erdenhasser sein, denn ihr einziges Bedürfnis ist es, etwas da draußen zu finden, was ihnen die Erde als nichtig und unbedeutend erklärt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.