Astronomie Doppel-Asteroid rast an der Erde vorbei

In kosmischen Dimensionen ist der Abstand ungeheuer klein, in dem das Asteroiden-Duo 2008 BT18 am Montag die Erde passieren wird. Angst vor einem Einschlag braucht niemand zu haben. Aber mit Hilfe der Kleinplaneten wollen Forscher ergründen, wie sich künftig Kollisionen verhindern lassen.


Washington - Der Asteroid 2008 BT18 kommt gleich im Doppelpack. Der größere Brocken des Asteroidenpaars wird auf rund 600 Meter Durchmesser geschätzt, der kleinere auf mindestens 200 Meter. Nun kommen beide der Erde recht nahe.

Entdeckt wurden die kosmischen Reisenden Ende Januar am MIT Lincoln Laboratory, einer Forschungseinrichtung im US-Bundesstaat Massachusetts, die vom Pentagon finanziert wird. Teleskope rund um den Globus bestätigten wenig später seine Existenz. Doch erst seit kurzem ist klar, dass es sich um einen Doppel-Asteroiden handelt. Am 6. Juli konnten Forscher am Arecibo-Radiotelekskop in Puerto Rico mit dieser Nachricht aufwarten.

Am Montag wird sich nun eine ganz besondere Gelegenheit zur Beobachtung bieten, denn 2008 BT18 rast vergleichsweise nahe an der Erde vorbei - mit einer Geschwindigkeit von 45.000 Kilometern pro Stunde. Gegen 17 Uhr deutscher Zeit soll der erdnächste Punkt erreicht sein.

Angst um einen Einschlag braucht niemand zu haben: 2008 BT18 wird die Erde in einem Abstand von 2,24 Millionen Kilometern oder 0,015 Astronomischen Einheiten passieren, das ist knapp der sechsfache Abstand zwischen Erde und Mond.

Etwa jeder sechste erdnahe Asteroid hat einen kleineren Begleiter. Erst vor wenigen Tagen hatten Forscher eine Theorie vorgestellt, wie die sogenannten binären Asteroidensysteme eigentlich entstehen. Demnach ist die Sonneneinstrahlung schuld, weil sie Asteroiden durch unregelmäßiges Aufheizen auf Touren und später zur Spaltung bringt.

Nur wenige der kosmischen Paare kommen der Erde aber so nahe wie 2008 BT18. Die Beobachtung soll auch helfen, Wege zur Ablenkung von Doppel-Asteroiden zu finden, falls solche Objekte auf einem Kollisionskurs mit der Erde entdeckt werden sollten. Mit großen Radioteleskopen erhoffen die Forscher, unter anderem die Masse und das Material der beiden Komponenten genauer bestimmen zu können.

Der nächste Vorbeiflug findet nach den bisherigen Berechnungen im April 2018 statt, dann in einem Abstand von 0.14114 Astronomischen Einheiten, also zehn Mal weiter entfernt als dieses Mal.

chs/dpa



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