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Astronomie: Forscher finden Hinweis auf heißen Mini-Planeten

Die Entdeckung einer zweiten Erde im All scheint unaufhaltsam näher zu rücken. Unmittelbar nach dem Fund des bisher kleinsten bekannten Exoplaneten melden Forscher den nächsten Coup: Sie identifizierten zwei Saturn-ähnliche Gasriesen - und womöglich einen kleinen Gesteinsplaneten.

Neues Planetensystem (künstlerische Darstellung): Keine Lebensfreundliche Welt Zur Großansicht
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Neues Planetensystem (künstlerische Darstellung): Keine Lebensfreundliche Welt

Das "Kepler"-Teleskop könnte kurz davor sein, eine zweite Erde in den Tiefen des Alls zu finden: 700 Kandidaten für einen kleinen Gesteinsplaneten hat das im März gestartete Weltraum-Observatorium bereits ausfindig gemacht, wie Astronomen im März bekanntgaben.

Jetzt melden Wissenschaftler einen neuen Verdachtsfall dieser Art: Im Orbit um einen sonnenähnlichen Stern habe man möglicherweise einen Felsplaneten mit der mehrfachen Masse der Erde entdeckt - eine sogenannte Super-Erde. Das Team um Matthew Holman vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) hat Daten aus sieben Monaten "Kepler"-Beobachtungen analysiert und dabei zwei große Gasplaneten entdeckt - anhand der winzigen Abdunkelung, die sie verursachen, wenn sie von der Erde aus gesehen direkt an ihrem Heimatstern vorüberziehen.

Die beiden Riesen, die dem Saturn ähneln, brauchen 19 beziehungsweise 39 Erdentage, um ihren Stern einmal zu umrunden. Das aber war noch nicht alles, was in den "Kepler"-Daten steckte, wie Holman und seine Kollegen im Magazin "Science" schreiben. Als sie das Signal der beiden eindeutig identifizierten Planeten aus den Daten herausrechneten, blieb etwas übrig: ein Hinweis auf eine mögliche Super-Erde, die den Stern namens "Kepler-9" in einer Zeit von nur 1,6 Erdentagen umkreist.

Klein, aber heiß

Völlig sicher sind sich die Forscher allerdings nicht. Die minimale Verdunkelung könnte auch andere Gründe haben. Sollte es allerdings ein Planet sein, wäre er einer der kleinsten, die bisher entdeckt wurden: Im Durchmesser wäre er nur 1,5-mal so groß wie die Erde, seine Masse würde maximal das Siebenfache der Erdmasse betragen. Die Untergrenze ist nach Ansicht der Forscher weniger eindeutig, könnte aber so gering wie die Masse der Erde sein.

Eine lebensfreundliche Welt wäre der Planet - sollte es ihn denn geben - allerdings nicht. Denn dass er seinen Heimatstern in nur 1,6 Erdentagen umrundet, bedeutet, dass sein Orbit extrem eng ist - und die Oberfläche entsprechend heiß. Die Forscher gehen von rund 1900 Grad Celsius aus - jegliches Wasser wäre längst verdampft.

Dennoch scheint die Entdeckung des ersten erdähnlichen Planeten nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Erst am Mittwoch hatten Wissenschaftler die Entdeckung des bisher kleinsten bekannten Exoplaneten gemeldet. Während die technischen Möglichkeiten noch vor einigen Jahren lediglich die Entdeckung großer Gasplaneten erlaubten (siehe Kasten links), können Astronomen inzwischen auch Planeten finden, die nur wenig größer sind als die Erde. Eine direkte Beobachtung - die über die Analyse des Lichtspektrums auch die Frage nach außerirdischem Leben beantworten könnte - wird allerdings wohl erst mit Hilfe der nächsten Generation von Teleskopen möglich sein.

mbe

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