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Astronomie: Forscher glauben an Abermilliarden erdähnliche Planeten

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Wann erspähen Astronomen endlich einen Planeten, der Leben ermöglicht? Neue Beobachtungen zeigen, dass jeder vierte sonnenähnliche Stern einen Planeten wie die Erde besitzen könnte. Außerirdische Wesen wären demnach wohl keine Seltenheit.

Fremde Welten (künstlerische Darstellung): Lebensfreundliche Planeten in Aussicht? Zur Großansicht
AFP

Fremde Welten (künstlerische Darstellung): Lebensfreundliche Planeten in Aussicht?

Die Entdeckung einer zweiten Erde im All halten viele Astronomen inzwischen nur noch für eine Frage der Zeit. Offen ist allerdings, wie lange es noch dauern wird. Jetzt haben Wissenschaftler neue Daten veröffentlicht - und sie nähren die Hoffnung, dass erdähnliche Exoplaneten schon bald in Serie entdeckt werden könnten. Nach den Berechnungen besitzt fast jeder vierte sonnenähnliche Stern ein Planetensystem, das neben Gasriesen auch kleinere Felsbrocken wie die Erde enthält, schreibt das Team um Andrew Howard von der University of California in Berkeley im Fachblatt "Science".

Die beobachteten Sterne der Klassen G und K stellen gemeinsam rund 20 Prozent aller Sterne der Milchstraße, die wiederum aus 100 bis 300 Milliarden Sternen besteht. Demnach dürfte allein in unserer Galaxie mit Dutzenden Milliarden erdähnlicher Planeten zu rechnen sein.

Die Astronomen hatten fünf Jahre lang nach Planeten in der Umlaufbahn von 166 Sternen gefahndet, die sich in der kosmischen Nachbarschaft der Erde befinden und in ihrer Masse und Strahlkraft der Sonne ähneln. Dabei wiesen die Forscher 33 Planeten nach, unter denen sich auch einige bisher unbekannte befanden. Am Ende konnten sie die Zahl erdähnlicher Exoplaneten im Orbit um sonnenähnliche Sterne statistisch abschätzen.

Bisherige Modelle widerlegt?

Das Ergebnis: 23 Prozent dieser Sterne besitzen Planeten mit der halben bis doppelten Masse der Erde, die ihren Heimatstern in weniger als 50 Tagen umkreisen. Damit bewegen sich diese Planeten wesentlich näher an ihren Zentralgestirnen als die Erde, die bekanntlich 365 Tage für eine Runde um die Sonne braucht.

Howard und seine Kollegen haben nun aber zwei Trends aus ihren Daten herausgelesen: Je weiter man sich vom jeweiligen Stern entfernt, desto wahrscheinlicher ist es, dass man auf einen erdähnlichen Planeten stößt. Zudem haben die Forscher jenseits der Eislinie - also in der rund zweieinhalbfachen Entfernung zwischen unserer Erde und der Sonne - dreimal so viele neptunähnliche Himmelskörper wie jupiterähnliche Gasriesen berechnet. Das lege nahe, dass die Planeten-Häufigkeit mit geringerer Masse zunehme. Sollten sich beide Annahmen als wahr erweisen, wäre der 23-Prozent-Anteil an potentiell erdähnlichen Planeten noch viel zu tief gegriffen, so die Forscher.

Diese Erkenntnisse stellen nach ihrer Meinung die bisherigen Modelle auf den Kopf - denn die würden eine "Planeten-Wüste" exakt in jenen Regionen vermuten, wo Howard und seine Kollegen jetzt eine "übermäßige Dichte" von Planeten ausgemacht haben: bei den Planeten mit 5 bis 30 Erdmassen, die ihren Heimatstern in weniger als 50 Tagen einmal umrunden.

Neue Teleskope

Die vermeintliche Wüste entsteht nach den bisherigen Modellen dadurch, dass die meisten Planeten nahe oder jenseits der Eislinie entstehen. Diejenigen, die eine kritische Masse vom Mehrfachen der Erde überschreiten, fallen entweder sehr schnell in Richtung Heimatstern oder wachsen weiter, bis sie zu Gasriesen werden. "Unsere Messungen zeigen, dass diese Modelle der Planetenentstehung die Verteilung von massearmen Planeten nicht angemessen erklären können", schreiben Howard und seine Kollegen in "Science".

Hans-Jörg Deeg vom Instituto de Astrofísica de Canarias rät allerdings zur Vorsicht. So seien gleich an zwei Stellen Planeten, die nicht beobachtet wurden, aus den Daten extrapoliert worden. Zudem sei die Zahl von 166 Sternen, die in die Untersuchung eingeflossen seien, nicht eben groß. Dennoch glaubt Deeg, dass die Studie "statistisch relevante Aussagen" treffen könne und die 23-Prozent-Zahl erst einmal Bestand haben werde. Zudem stehe die Studie im Einklang mit der Tatsache, dass erst Mitte Oktober im Orbit um Gliese 581, einem der nächst gelegenen sonnenähnlichen Sterne, prompt ein erdähnlicher Planet entdeckt wurde - auch wenn inzwischen Zweifel bestehen. "Inzwischen spricht vieles dafür, dass Planeten wie unsere Erde häufig vorkommen", sagt Deeg im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Nach Einschätzung von Howard und seinen Kollegen liefern die neuen Daten wichtige Erkenntnisse für die weitere Suche nach erdähnlichen Exoplaneten: Diese können sich auf die erdnahen Bereiche des Weltalls beschränken. "Wenn beispielsweise die Nasa neue Technologien entwickelt, müssen die nicht unbedingt in der Lage sein, weit ins All zu spähen, um erdähnliche Planeten ausfindig zu machen", sagt Howard. Mit der nächsten Generation von Teleskopen könnten in nicht allzu großer Entfernung erdähnliche Planeten entdeckt werden.

Aber so lange muss man sich vielleicht nicht einmal gedulden. Denn Howards Team glaubt, dass schon das im März 2009 gestartete "Kepler"-Weltraumteleskop reiche Beute machen wird: Bis zum Ende seiner mindestens dreieinhalbjährigen Mission werde es voraussichtlich 120 bis 260 erdähnliche Planeten im Orbit um sonnenähnliche Sterne entdecken.

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1. Wozu Titel, der steht doch schon oben
Originalaufnahme 29.10.2010
Zitat von sysopWann erspähen*Astronomen endlich einen Planeten, der Leben ermöglicht? Neue Beobachtungen zeigen, dass jeder vierte sonnenähnliche Stern einen Planeten wie die Erde besitzen könnte. Außerirdische Wesen wären demnach wohl keine Seltenheit. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,726108,00.html
Der Spiegel sollte sich lieber mit Dingen beschaeftigen, die Forscher nicht glauben sondern wissen. Das waere wichtiger als ein Artikel, der genau so in einer Fernsehzeitschrift aus den 1950er Jahren stehen koennte.
2. ...
Schalke 29.10.2010
Gut, daß diese Planeten für einen Besuch via interstellarer Raumfahrt zu weit weg sind, selbst unbemannt. Sonst käme irgendso ein Schlaufkopf noch auf die Idee, diese Planeten auszubeuten, wenn hier nix mehr zu holen ist für immerwährendes Kapitalismus-Wachstum.
3. Trotzdem allein im All?
Jenli, 29.10.2010
Zitat von sysopWann erspähen*Astronomen endlich einen Planeten, der Leben ermöglicht? Neue Beobachtungen zeigen, dass jeder vierte sonnenähnliche Stern einen Planeten wie die Erde besitzen könnte. Außerirdische Wesen wären demnach wohl keine Seltenheit. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,726108,00.html
Besonders intelligente Wesen scheinen es jedenfalls nicht zu sein, denn bisher ist es nicht gelungen, irgendein Signal aufzufangen (SETI), dass irgendeine Zivilisation auf irgendeinem dieser abermilliarden Planeten abgesetzt hätte.
4. eigentlich logisch
von wegen, 29.10.2010
wir, in diesem unendlich grossen universum und all seinen paralleluniversen, alleine ? nur wird keiner bei uns zu besuch kommen, da selbst mit lichtgeschwindigkeit, die entfernungen viel zu gross sind - unvorstellbar gross.
5. Forscher glauben ...
Hilfskraft 29.10.2010
"Forscher glauben an Abermilliarden erdähnliche Planeten" Irgendwie müssen die ja ihre Daseinsberechtigung kundtun. Glauben heißt nicht Wissen! Kein Mensch, außer ihnen, wird für´s Gucken in den Himmel bezahlt. H.
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